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Der Zauber 
des Kabels

Schnelles Internet Der Zauber 
des Kabels

Mit 300 Millionen Euro vom Bund will das Land Niedersachsen den Ausbau des Breitbandnetzes auf dem Land finanzieren. Das ist eine richtige Investition, denn sie ist nicht nur für Firmen wichtig, sondern spielt auch eine Rolle im demografischen Wandel. Ohne Freizeitwert ziehen Jugendliche schnell weg.  Ein Kommentar von Heiko Randermann.

Gerade mal 0,1 Millimeter ist der Kern eines Glasfaserkabels stark – ein feiner Nervenstrang, zu dem der Begriff „Breitband“so gar nicht passen will. Und doch hängen an ihm die Wirtschaftskraft und zunehmend auch die Lebensqualität ganzer Regionen. Glasfaserkabel sind leicht zu verlegen und verschleißarm, aber leider auch ziemlich teuer – weshalb viele Menschen in ländlichen Regionen Niedersachsens seit Jahren vergeblich auf einen schnellen Internetanschluss hoffen. Nun aber kommt Bewegung in die Sache: Mit rund 300 Millionen Euro vom Bund soll im Land ein Ausbauschub finanziert werden.

Eine unbestritten richtige und wichtige Investition: Die schnelle Verfügbarkeit von Informationen aus dem Netz ist ein zentraler Faktor für die Zukunftsfähigkeit von Regionen. Immer mehr Firmen sind darauf angewiesen, über das Internet mit ihren Kunden große Datensätze austauschen oder gleich online gemeinsam an einem Projekt arbeiten zu können. Ein Gewerbegebiet ohne Breitband-Anschluss ist heutzutage etwa so schwer zu vermarkten wie eines ohne Stromanschluss. Ein guter Breitbandanschluss in der Fläche wiederum eröffnet Firmen, die viel Platz brauchen die Möglichkeit, aus den großen Städten in strukturschwache Gegenden zu gehen.

Und es ist wichtig für Privatpersonen. Man mag belächeln, dass der wackelfreie Zugang zu Online-Videotheken über die Zukunftsfähigkeit von Dörfern mitentscheiden soll, aber dieser Punkt kann bei der Wahl des Wohnorts eine Rolle spielen. Und besonders stark dürfte es bei Jugendlichen ins Gewicht schlagen – und sie sind es, deren Abstimmung mit den Füßen den demographischen Wandel besonders stark vorantreibt. Landkreise wie Osterode am Harz haben Jobs zu bieten, die dort ansässigen Firmen suchen händeringend Azubis. Doch die übergroße Mehrheit der Jugendlichen verzichtet auf das Angebot und macht sich nach der Schule auf, um in ein Ballungszentrum zu ziehen. Dorthin, wo nicht nur Jobs sind, sondern auch der Freizeitwert als höher eingeschätzt wird.

Breitband ist für die ländlichen Regionen Verheißung auf Jobs und mehr Lebensqualität, durchaus vergleichbar mit der Bedeutung, die vor einigen Jahrzehnten der Straßenbau hatte. Damals freuten sich die Menschen meistenteils noch, wenn die Asphaltiermaschinen in Sichtweite ihrer Häuser eine neue Straße in die Landschaft gossen.

Heute sind Straßen, Bahnstrecken und Stromleitungen, die Verheißungsträger von gestern, in die Kritik geraten. Breitbandausbau dagegen macht keinen Lärm, kein Dreck und versperrt nicht die Sicht – das macht ihn zum Liebling von Politik und Anwohnern. Doch gelegentlich kann es nicht schaden, sich vor Augen zu führen, dass für die Zukunftsfähigkeit einer Region und eines ganzen Landes die Weiterentwicklung und Modernisierung auch der übrigen Infrastruktur von Bedeutung ist.

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