Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meinung Zeitenwende für Angela Merkel
Nachrichten Meinung Zeitenwende für Angela Merkel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:15 03.09.2015
Anzeige

Bisher funktionierte das System Angela Merkel nach einer ganz einfachen Methode: Die Bürger sollten denken, lasst die Kanzlerin mal machen, dann wird das schon. Die Wahlabende gaben ihr oft genug recht. Den Rest besorgte die politische Konkurrenz, indem sie härter mit sich selber als mit der Amtsinhaberin stritt. Damit ist es jetzt vorbei. Was bei der Bankenkrise, bei der Bewältigung von Naturkatastrophen, ja selbst noch bei der Griechenland-Thematik auszureichen schien, funktioniert nicht mehr. Hunderttausende Flüchtlinge drohen die Bürokratie der Politik made by Merkel zu überfordern.

Merkel ist Pragmatikerin genug, um zu erkennen, dass sich in diesen Tagen eine Zeitenwende abspielt. Politik muss Mut zeigen, vorangehen, Flagge zeigen. „Mit Furcht gehe ich sowieso an keine Sache ran“, gab die Kanzlerin auf ihrer Sommerpressekonferenz zu Protokoll. Mehrfach verweist sie auf Parallelen zur Zeit nach dem Mauerfall. Das ist eine angemessene und eine anspruchsvolle Messlatte. Politik darf sich nicht darin erschöpfen, erfolgreich möglichst nichts zu sagen, sondern sie muss Orientierung bieten. 1989 fand Helmut Kohl nicht immer richtige Worte, aber oft. Deutschland hat es damals geschafft, neuer, moderner, besser und auch solidarischer zu werden.

Um nicht mehr und nicht weniger geht es jetzt auch. Die Krise als Chance zu begreifen gelingt nur, wenn man das, was einmal als richtig erkannt wurde, auch beherzt vorantreibt. Erstmals ist die Kanzlerin dabei, dies zu beherzigen und aus dem Amt heraus wirklich ins Risiko zu gehen. Sie muss nun von der Spitze aus handeln, sie steht in der Verantwortung, Deutschland mit ihrem politischen Kapital zu einem modernen, toleranten Einwanderungsland zu machen, bis der Wähler genug davon hat. Ein klammheimlicher Rückzug ist für die Kanzlerin nun nicht mehr möglich.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Mehr zum Thema

Die Union fürchtet eine neue Flüchtlingswelle aus der Ukraine. Ob die Flüchtlingskrise einzudämmen sei, hänge entscheidend von der Umsetzung des Minsker Protokolls und insbesondere der Durchsetzung einer Waffenruhe ab, sagt Roderich Kiesewetter, außenpolitischer Obmann der Union im Bundestag.

03.09.2015

Der Flüchtlingszustrom überfordert Ungarns Behörden. Derzeit sitzen bis zu 2000 Asylbewerber auf Budapester Bahnhöfen fest, weil ihnen das offenbar überforderte Einwanderungsamt keine Lager mehr zuweist. Die Budapester Polizei lässt inzwischen ausreisewillige Migranten weiterreisen.

31.08.2015

In Sachsen protestieren Bürger an der Seite von Rechtsradikalen gegen ein Flüchtlingsheim. Der Osten habe mehr Schwierigkeiten mit der Migration als gedacht, meint nun der Sprecher der Länderinnenminister. Der Osten mag das nicht auf sich sitzen lassen.

31.08.2015

Der Ölpreis ist weltweit rapide gesunken - und es ist sehr wahrscheinlich, dass es noch einige Monate beim günstigen Tanken bleiben wird. Eine Analyse von Stefan Koch.

Stefan Koch 03.09.2015

Europa hat ein massives Müllproblem. Nach Angaben einer Studie werden mehr als sechs Millionen Tonnen Elektroschrott falsch recycelt. Ein Pfand auf Computer und Handys könnte die Lage entschärfen. Ein Kommentar von Harald John.

02.09.2015

Wir suchen, telefonieren, navigieren und organisieren mit Google. Das Internetunternehmen prägt unseren digitalen Alltag. Und doch ist uns nicht ganz wohl damit. Denn so wie wir Google nutzen, nutzt es auch uns: als Datenlieferanten. Viele beschleicht langsam das Gefühl, dass das so nicht richtig sein kann. Eine Analyse von Hannah Suppa.

02.09.2015
Anzeige