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17. EHEC-Todesopfer in Deutschland

Darmkeim 17. EHEC-Todesopfer in Deutschland

Die Zahl der an EHEC gestorbenen Menschen in Deutschland ist auf 17 gestiegen. Vor allem Hamburg bleibt stark betroffen. Experten untersuchen mit Hochdruck das Erbgut des Erregers. Spanien fordert weiter Schadenersatz.

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Deutsche verzichten aus Angst vor EHEC auf Rohkost. Mittlerweile gab es dne 17. Todesfall durch die Krankheit im Bundesgebiet.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Das Darmbakterium EHEC setzt seinen Seuchenzug fort. Die Zahl der gestorbenen Menschen ist auf 17 gestiegen. Eine 81 Jahre alte Frau starb in der Nacht zum Donnerstag im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) an den Folgen der Infektion, sagte der Nierenspezialist Prof. Rolf Stahl am Donnerstag. Im besonders betroffenen Hamburg ist es der dritte Todesfall.

Rund drei Wochen nach dem Auftreten der ersten EHEC-Fälle gibt es dort wie anderswo keine Entwarnung. „Bei uns ist die Lage nach wie vor angespannt“, sagte Prof. Jörg Debatin, UKE-Vorstandschef. Zur Zeit würden in der Klinik 102 Patienten mit dem Hämolytisch-Urämischen Syndrom (HUS), einer schweren Komplikation, behandelt. In Deutschland liegt die Zahl der gemeldeten EHEC-Infektionen und Verdachtsfälle derzeit bei rund 2000.

Am federführenden HUS-Labor in Münster wird weiter mit Hochdruck daran gearbeitet, das Erbgut des Erregers zu sequenzieren und zu deuten. Mit Ergebnissen sei in Kürze zu rechnen, sagte ein Sprecher. Bereits zu Beginn der Woche hatten die Experten darauf hingewiesen, dass es sich bei dem in Deutschland grassierenden Stamm um ein Hybrid handelt. Dieser vereint Eigenschaften mehrerer Erreger in sich.

Bakterien können untereinander genetisches Material austauschen - über eine Art primitiven Sex. Damit gehen Eigenschaften eines Keimes auf andere über - es kommt zu Mischformen. Diese wurden in Münster auch als Chimären bezeichnet.

Unterdessen hat Spanien seine Forderung nach Schadenersatz für die Millionenverluste bekräftigt, die seinen Landwirten infolge der EHEC-Krise entstanden sind. Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero übte zudem scharfe Kritik am Krisenmanagement der deutschen Behörden und der Europäischen Union.

Die deutschen Stellen hätten einen „eklatanten Fehler“ begangen, als sie spanische Gurken mit der Ausbreitung der EHEC-Infektionen in Verbindung gebracht hätten. Die EU-Kommission habe „zu langsam“ reagiert und sei nicht energisch genug gegen die Importverbote einzelner EU-Staaten für spanische Agrarprodukte vorgegangen.

„Die Regierung hat die Absicht, eine Wiedergutmachung für den gesamten entstandenen Schaden zu verlangen“, sagte Zapatero dem staatlichen Rundfunk RNE. Spanien werde die Forderungen bei den zuständigen Gerichten geltend machen. Der Regierungschef ließ aber offen, ob Madrid seine angekündigten Schadensersatzklagen bei der deutschen oder der europäischen Justiz erheben wird.

Zwei südspanische Agrarbetriebe, auf deren Gurken in Hamburg EHEC-Erreger entdeckt worden waren, kündigten Schadensersatzklagen in Deutschland an. Laboranalysen ergaben, dass die entdeckten Keime nicht zu der Art gehörten, die die Welle von Infektionen ausgelöst hatte. Spanische Bauernverbände beziffern die den Landwirten entstehenden Verluste auf 200 Millionen Euro pro Woche.

Als „unverhältnismäßig“ kritisierte die EU-Kommission das russische Einfuhrverbot für Gemüse aus der EU. „Wir verlangen von Russland eine Erklärung“, sagte der Sprecher von EU-Gesundheitskommissar John Dalli am Donnerstag in Brüssel. Man stehe mit den russischen Behörden in engem Kontakt. Russland hatte wegen des Darmkeims EHEC das Importverbot für frisches Gemüse auf alle 27 EU-Länder ausgeweitet.

sta

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