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2500 Tonnen frisches Gemüse in Niedersachsen vernichtet

Bauern fordern EHEC-Hilfsprogramm 2500 Tonnen frisches Gemüse in Niedersachsen vernichtet

Die Angst vor dem gefährlichen EHEC-Erreger bringt Niedersachsens Gemüsebauern zunehmend in Existenznot – und zwingt sie zu einer einzigartigen Vernichtung ihrer Ernte. Mehr als 2500 Tonnen frisches Gemüse aus Niedersachsen haben die Erzeuger seit Anfang der Krise insgesamt nicht verkaufen können und zum großen Teil untergepflügt.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Bauernverbände sehen die Produkte aus Norddeutschland zu Unrecht verunglimpft und fordern Entschädigungen von der Bundesregierung.

Allein die Gartenbauzentrale Papenburg, der größte deutsche Vermarkter von Salatgurken, hat bereits mehr als zwei Millionen Gurken, umgerechnet rund 1000 Tonnen, vernichtet. „Wir verkaufen Gemüse nur noch in homöopathischen Mengen“, sagte Karl Voges, Geschäftsführer der Gartenbauzentrale Papenburg. Die Genossenschaft liefert 40 Prozent der gesamten deutschen Salatgurkenproduktion, in diesem Jahr sollten es 35 Millionen Stück werden. Dieses Ziel sei schon heute nicht mehr zu erreichen – obwohl die emsländischen Gurken getestet und deshalb nachweislich EHEC-frei seien. „Wenn die Hysterie noch vier Wochen andauert, sind wir platt“, sagte Geschäftsführer Voges am Freitag.

Der Verband der Gemüsebauern beziffert den Schaden seiner Mitglieder insgesamt auf täglich bis zu einer Million Euro. Allein mehr als eine Million Salatköpfe würden seit Wochenbeginn pro Tag statt in die Supermarktregale zurück auf das Feld gefahren und dort untergepflügt. „Wir führen mit der Politik Gespräche über Entschädigungen und Hilfen“, sagt Axel Boese von der Fachgruppe Gemüsebau Norddeutschland. „Schließlich haben wir diese Krise nicht verursacht.“ Verschärft wird das Problem noch durch das von Russland verhängte Importverbot für EU-Gemüse. „Gurken, die Menschen töten“ dürften nicht ins Land, sagte gestern Russlands Regierungschef Wladimir Putin.

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) äußerte gestern Verständnis für die Not leidenden Bauern. „Diese Betriebe brauchen unsere Hilfe“, sagte Aigner gegenüber dieser Zeitung. Deshalb habe sich Deutschland bereits am Dienstag beim EU-Agrarrat an die EU-Kommission gewandt mit der dringenden Bitte zu prüfen, welche Hilfsmöglichkeiten es geben könne. Die Antwort wird nächste Woche erwartet. Als Soforthilfe gewährt die Landwirtschaftliche Rentenbank vergünstigte Kredite für stark betroffene Landwirte.

In der zweiten Maiwoche sind in Deutschland die ersten Fälle von schweren Darminfektionen aufgetreten. Seitdem haben sich zahlreiche Menschen infiziert. Hintergrund ist nach Angaben des Berliner Robert-Koch-Institutes das EHEC-Bakterium.

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Ärzte vorsichtig optimistisch: Im Kampf gegen den gefährlichen Darmkeim EHEC gibt es etwas Hoffnung. „Die Lage ist so, dass sie sich scheinbar etwas beruhigt, was die Zahl der Neuinfektionen angeht“, sagte der Präsident der Gesellschaft für Nephrologie, der hannoversche Arzt Reinhard Brunkhorst, am Freitag in Hamburg. Er hoffe, dass sich dieser Trend bestätige. Mindestens 18 Menschen sind an dem Erreger und dem dadurch ausgelösten, lebensgefährlichen hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) gestorben. Bundesweit leiden rund 500 Patienten an HUS, mehr als 2000 Menschen haben eine EHEC-Infektion, oder es besteht der Verdacht darauf. In Niedersachsen stieg die Zahl der EHEC-Fälle am Freitag deutlich langsamer als in den vergangenen Tagen um vier auf 418 Fälle. Die Warnungen vor frischem Gemüse gelten weiter.

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