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EHEC-Erreger Mediziner warnen nach EHEC-Ausbruch vor Panik
Nachrichten Panorama EHEC-Erreger Mediziner warnen nach EHEC-Ausbruch vor Panik
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20:39 14.06.2011
Auf der Intensivstation der Medizinischen Hochschule in Hannover werden die Opfer der EHEC-Epidemie behandelt. Quelle: dpa
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Hannover

Wie er sich ansteckte, ist noch unbekannt. Trotzdem warnen Mediziner vor Panik bei Eltern. Unter den derzeit 34 an dem Erreger erkrankten Patienten in der MHH seien keine Kleinkinder, sagte Sprecher Stefan Zorn. Ein Kind sei zwar an dem HU-Syndrom erkrankt, dies habe sich aber nicht als Folge von EHEC ausgebildet und sei dementsprechend nicht der aktuellen Epidemie zuzuordnen.

Die Experten können nur spekulieren, woran es liegt, dass bisher so wenig Kleinkinder erkranken. Sprossen gelten bisher als Hauptquelle des Erregers. Gerade Kleinkinder könnten vor allem deswegen überwiegend verschont geblieben sein, weil sie weniger Sprossen essen als Erwachsene, mutmaßen Mediziner. Vielleicht seien Erwachsene auch besonders anfällig für den neuen Keim. Zum Vergleich: 2009 waren von deutschlandweit 66 EHEC-Erkrankten 71 Prozent jünger als fünf Jahre.

Um eine Infektion von Mensch zu Mensch zu verhindern, setzt Matthias Pulz, Leiter des niedersächsischen Landesgesundheitsamtes, auf Hygiene. Regelmäßiges Händewaschen und auch das Reinigen der Toilette könne das Risiko reduzieren. „Wir müssen auf Hygiene achten, gerade im familiären Rahmen.“ Grundsätzlich sei der Krankheitsverlauf bei Kindern der gleiche wie bei Erwachsenen. Habe das Kind also Durchfall, sollten Eltern es unbedingt zum Arzt bringen. Statistisch bildeten 30 Prozent der mit EHEC-infizierten Kinder das HU-Syndrom, das Nierenschäden und Blutarmut verursacht, aus. Fünf Prozent würden an der Krankheit sterben. Für Erwachsene gebe es keine vergleichbaren Zahlen, sagt Pulz. Allein dies zeige, wie selten Erwachsene vor dem aktuellen Ausbruch erkrankten.

Ein Ende der EHEC-Epidemie in Deutschland ist trotz der zurückgehenden Zahl an Neuerkrankungen noch nicht abzusehen. „Es wird sicherlich noch eine gewisse Zeit Todesfälle geben“, sagte Susanne Glasmacher vom Robert-Koch-Institut. Das sei vor allem aufgrund der Inkubationszeit von drei bis vier Tagen bis zu den ersten Durchfällen zu erwarten. „Wir sind aber froh, dass der Trend nach unten zeigt.“ Bis Pfingstmontag wurden bundesweit 36 EHEC-Tote verzeichnet. Pulz spricht auch deswegen vom „größten EHEC-Ausbruch aller Zeiten“.

Über den Ansteckungsweg herrscht aber weiterhin Unklarheit. Nach Angaben des niedersächsischen Agrarministeriums werden derzeit Proben aus etwa 400 Betrieben, die Gemüse anbauen, ausgewertet. Darüber hinaus überprüfen Experten rund 80 Catering-Unternehmen auf mögliche EHEC-Keime. „Es ist immer noch die Möglichkeit da, dass es eine zweite oder dritte Quelle gibt“, sagte Ministeriumssprecher Gert Hahne am Dienstag.

Auch Sprossenproben aus Privathaushalten sowie zurückgerufene Ware werde untersucht. Aufgrund epidemologischer Daten von niedersächsischen Behörden erhärte sich zudem der Verdacht, dass verunreinigtes Saatgut für den Ausbruch der Krankheit verantwortlich sei, hieß es am Dienstag vom Bundesinstitut für Risikoforschung.

Sebastian Harfst

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