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Panorama Ein bisschen Frieren
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20:00 11.05.2018
Das ESC-Motto seit 1982: Ein bisschen Frieren. Quelle: Fotolia
Hannover

Kein professionelles Entertainmentangebot kommt seit den Gladiatorenkämpfen in Rom ohne diesen wichtigsten Rohstoff aus: Emotionen. Und ich meine nicht Gefühle. Ich meine Emotionen. Das ist nicht dasselbe.

Emotionen gibt’s als Schüttware im Fernsehgroßhandel (“Ich hätte gern zwei Säcke Emotionen und diese Johannes-B-Kerner-Moderationspuppe. Bitte? Ach, das ist gar keine Puppe? Das ist er selbst ...??“)

Emotionen in allen Darreichungsformen

Emotionen gibt’s in allen Darreichungsformen: akzentuiert, allegorisiert, autorisiert, choreografiert, dramatisiert, exaltiert, digitalisiert, durchexerziert, enthusiasmiert, explodiert, faksimiliert, flambiert und gegenfinanziert – und da sind wir erst beim Buchstaben G.

Emotionen sind das Gefühls-Methadon-Programm aus der Höllenküche von TV-Produzenten, die sich zynisch geglotzt haben und nichts mehr spüren außer dicken Bündeln Geld in zu engen Hosen. Keine Baumarktdoku ohne den krebskranken Dackel, der dringend eine winddichte Hütte braucht.

Keine Kleingärtnersoap ohne die zitternde Unterlippe von Anneliese im Speckgürtelschlabberlook, die über einem vollgeaschten Heringssalat-Deckel ihre toten Tänzerinnenträume beweint.

Heul doch endlich!

Der ESC treibt das Prinzip “Heul doch endlich!“ auf die Spitze. Emotionen beim ESC – das sind eiskalt kalkulierte Gefühls-Surrogate in den Maßeinheiten L (barmende Tülldiva), XL (brennendes Klavier) und XXL (österreichischer Jüngling fühlt sich unverstanden und steigt als bärtige Frau zu basslastigem Bumsfallera als Phönix aus der Asche).

Aber was viele nicht wissen: Im Inneren einer weißrussischen ESC-Diva herrschen Minusgrade. Wer sich einem solchen Geschöpf kurz vor dem Auftritt auf zehn Meter nähert, gefriert zu Eis. Das ESC-Motto seit 1982: Ein bisschen Frieren. Enjoy the Show! Und schönes Wochenende.

Von Imre Grimm

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