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12. März 2009

Fassungslosigkeit: „Tag der Trauer für ganz Deutschland“

Von Reinhard Urschel

Eines ist allen Erklärungen der politischen Spitzen des Landes gemeinsam: Unumwunden gestehen sie ein, wie schwer es ihnen falle, das Geschehene in Worte zu fassen.
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Ein 17-Jähriger tötete in Winnenden 15 Menschen und nahm sich später selbst das Leben.

© Patrick Hertzog/afp

Entsetzen und Trauer, Fassungslosigkeit und Mitgefühl waren die Worte, die sich aus ebendiesem Grund wiederholten. Bundespräsident Horst Köhler sagte am Abend, seine Frau und er hätten mit Bestürzung von dem Amoklauf in Winnenden erfahren: „Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien und Freunden. Wir fühlen uns mit ihnen in diesen schweren Stunden tief verbunden.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel gab am Nachmittag im Kanzleramt eine Erklärung ab. „Es ist unfassbar, dass binnen Sekunden Schüler, Lehrer in den Tod gerissen wurden durch ein entsetzliches Verbrechen“, sagte sie. „Es ist ein Tag der Trauer für ganz Deutschland.“ Merkel sprach den Angehörigen der Opfer ihr Mitgefühl aus. „Wir hoffen, dass sie Trost finden können in dieser schwierigen Stunde.“ Die Kanzlerin sagte, sie habe mit dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger telefoniert und ihm jede Hilfe zugesagt, die benötigt werde. Oettinger selbst kleidete sein Mitgefühl in die Worte, dass das Entsetzen deshalb besonders groß sei, weil die jungen Menschen in diesem Land gerade die Schule als Ort der Zukunft, der Bildung und der Nächstenliebe empfinden sollten.

Das Europaparlament legte für die Opfer des Amoklaufs von Winnenden eine Schweigeminute ein. Er habe mit großer Empörung von diesem dramatischen Ereignis erfahren, sagte EU-Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering in Straßburg. „Als verantwortliche Politiker müssen wir unser Möglichstes tun, um derartige Taten zu verhindern.“

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) war schon am Morgen in Berlin um eine Erklärung gebeten worden. „Wir müssen uns fragen, wie können wir präventiv tätig werden“, sagte sie. Womöglich müssten mit den Eltern Erziehungspartnerschaften angestrebt werden, um im Vorfeld eingreifen zu können. Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, erklärte: „Mein Mitgefühl und Gebet gelten in diesem Moment vor allem den Familien der Opfer, den Schülern und Lehrern der Albertville-Realschule und der Stadt Winnenden.“

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, sagte in Berlin, es müsse überprüft werden, welche baulichen Voraussetzungen geschaffen werden könnten, damit „während der Unterrichtszeit nicht jeder x-Beliebige“ in eine Schule laufen könne. Zwar sei ein lückenloser Schutz vor solchen Taten nicht möglich. Es müsse aber die Frage im Mittelpunkt stehen, wie der Tatverdächtige an die Waffe gelangen konnte.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) reagierte mit großer Betroffenheit. „Unser tiefes Mitgefühl gehört den Mitschülern, Eltern, Angehörigen und Freunden“, sagte der GEW-Vorsitzende Ulrich Thöne in Frankfurt. Die Gewerkschaft warnte vor voreiligen Reaktionen und Forderungen nach der Tat. „Jetzt geht es darum, die Schülerinnen und Schüler, die Lehrkräfte und ihre Angehörigen vor Ort so gut wie möglich zu unterstützen“, sagte Thöne.

Beileidsbekundungen kamen auch aus den Parteien. Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Horst Seehofer sprach in einem Brief an Oettinger von einer „sinnlosen Gewalttat“. Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) warnte davor, Schulen zu Hochsicherheitstrakten auszubauen.

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