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11. März 2009

Trauer nach Amoklauf in Winnenden: 16 Tote, Täter richtet sich selbst


Ein 17-jähriger Amokläufer hat am Mittwoch in Baden-Württemberg an einer Realschule in Winnenden und in einem Industriegebiet in Wendlingen insgesamt 15 Menschen erschossen. Anschließend starb er bei einem Schusswechsel mit Polizisten - durch Selbsttötung, wie der baden-württembergische Innenminister Heribert Rech (CDU) mitteilte.
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Ein 17-Jähriger tötete in Winnenden 15 Menschen und nahm sich später selbst das Leben.

© Thomas Lohnes/ddp

Neun weitere Menschen wurden bei dem Verbrechen verletzt. Das Motiv blieb zunächst unklar. Der Täter, der 17-jährige Tim K. aus Leutenbach, der bis 2008 selbst auf die Schule ging, lebte vorher offenbar völlig unauffällig. Bereits am Abend fand unter großer Anteilnahme der Bevölkerung ein Gedenkgottesdienst statt.

Den Angaben zufolge wurden in der Albertville-Realschule in Winnenden (Rems-Murr-Kreis) acht Schülerinnen und ein Schüler der 9. und 10. Klasse gezielt mit Kopfschüssen getötet. Außerdem starben drei Lehrerinnen, darunter eine Referendarin. Auf seiner Flucht habe der 17-jährige Todesschütze dann außerhalb des Schulgeländes noch einen Passanten erschossen.

An der Schule trafen laut Rech innerhalb von zwei Minuten nach dem ersten Notruf erste Einsatzkräfte ein. Dadurch sei eine „weitere Tateskalation“ verhindert worden. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Täter über das angerichtete Blutbad hinaus noch weitere Angriffe in der Schule geplant hatte. Auf dem Fluchtweg seien „unzählige leere und auch nicht abgefeuerte Patronen“ gefunden worden, was darauf hindeute.

Der Täter hatte gegen 9.30 Uhr in einem schwarzen Kampfanzug die Schule betreten und in drei Klassenräumen und im Flur das Feuer eröffnet. Die Tatwaffe hatte er offenbar aus dem Schlafzimmer seines Vaters entwendet, der als Mitglied eines Schützenvereins legal 15 Schusswaffen besitzt. 14 davon befanden sich in einem Tresor, eine weitere ungesichert im Schlafzimmer. Auch Munition in dreistelliger Zahl soll der 17-Jährige im Elternhaus an sich gebracht haben.

Zum Motiv des Jugendlichen lagen Rech zufolge zunächst „keine hinreichenden Anhaltspunkte“ vor. Zur Bluttat in der Schule sagte der Minister zwar: „Es ist auffällig, dass primär Mädchen getötet wurden“. Daraus könne aber noch nichts abgeleitet werden. Sieben weitere Schüler seien verletzt worden, wobei keine Lebensgefahr bestehe. Gespräche mit den Eltern erbrachten laut Kripo auch keine Hinweise auf das Motiv. Der PC des Jugendlichen und weitere Materialien wurden sichergestellt.

Nach seiner Flucht aus der Schule zwang der 17-Jährige nach Polizeiangaben auf einem Parkplatz in Winnenden einen Autofahrer, mit ihm wegzufahren. Weil das Fahrzeug auf einer Autobahnauffahrt von der Straße abkam und im Schlamm stecken blieb, flüchtete er zu Fuß weiter in ein Industriegebiet in Wendlingen, wo er in einem Autohaus einen 46-jährigen Kunden und einen 36-jährigen Mitarbeiter erschoss. Vor dem Gebäude habe er dann sofort das Feuer eröffnet, als eine Polizeistreife eintraf. Eine 37-jährige Polizistin und ein 38-jähriger Kollege wurden schwer verletzt. Beim anschließenden Schusswechsel traf die Polizei den Täter mindestens ein Mal am Bein, bevor sich dieser offenbar selbst erschoss.

Nach Angaben von Kultusminister Helmut Rau (CDU) handelte es sich bei dem 17-Jährigen um einen nach außen „völlig unauffälligen“ ehemaligen Schüler der Albertville-Realschule. Er habe die Schule im vergangenen Jahr mit Mittlerer Reife abgeschlossen und danach eine weiterführende Schule besucht. Hinweise auf eine Ankündigung der Gewalttat - etwa im Internet - gab es nach ersten Erkenntnissen nicht.

Augenzeugen und Reporter berichteten von „schrecklichen Szenen“ und einem „absoluten Ausnahmezustand“. Krankenwagen fuhren demnach „im Minutentakt“ vor die Schule vor, Hubschrauber kreisten über der Kleinstadt, Polizeikolonnen rasten mit Blaulicht durch die Straßen. Das rund 27 000 Einwohner zählende Winnenden liegt rund 20 Kilometer von Stuttgart entfernt. Die Albertville-Realschule hat rund 550 Schüler und ist Teil eines Schulzentrums mit insgesamt mehr als 1000 Schülern. Sie soll nun zunächst die ganze Woche über geschlossen bleiben.

Das Verbrechen löste bundesweit, aber auch über die deutschen Grenzen hinaus große Bestürzung und tiefe Trauer aus. Sowohl Bundespräsident Horst Köhler als auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso reagierten entsetzt. Für Schüler und Angehörige wurde eine Soforthilfe eingerichtet. Rau zufolge werden Schulpsychologen aus mehreren Bundesländern eingesetzt.

Am Mittwochabend gedachten mehrere Hundert Menschen in der völlig überfüllten St.-Borromäus-Kirche in Winnenden der Opfer der Bluttat. Der evangelische Landesbischof Frank Otfried July sagte, die Gesellschaft müsse „neu sprechen lernen miteinander“, denn die Tat zeige, in welchem „inneren Tunnel“ der Amokläufer sich befunden habe. Der katholische Weihbischof Thomas Maria Renz sprach von einem „Massaker“.

ddp

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  • Politiker Meinungsäußerer – 12.03.09
    Sorry, aber die Politiker tragen schon eine große Mitschuld, denn die Gesetze werden von den Politikern gemacht, Da will der Schäuble die Computer unbescholtener Bürger überwachen, aber wenn es um das Waffenrecht geht macht er sich plötzlich in die Hose und sieht keinen Handlungsbedarf. Was bitte muss noch passieren bis endlich von diesem Herrn begriffen wird, dass Waffen weggesperrt gehören. Ist etwa Charlton Heston sein großes Vorbild? Nein wir sind nicht in den USA, wir sind In DEUTSCHLAND!
  • Die üblichen Verdächtigen? T. Stark – 12.03.09
    Irgendwie war es klar, dass auch in diesem Fall die üblichen Verdächtigen vorgekramt werden. Natürlich hat er Killerspiele gespielt, gewalttätige Videos geschaut und Spielzeugpistolen gehabt.
    Schuld haben natürlich seine Eltern und er war wohl einfach ein weiterer verwirrter Jugendlicher... oder nicht?
    Ein Schock? Ganz sicher nicht. Es war zu erwarten denke ich, zumindest würde ich mich inzwischen wundern wenn es keine Amokläufe mehr geben würde. Solche Taten sind die Strafe für eine Gesellschaft, ín der es zum guten Ton gehört andere Menschen zu mobben. "Die Würde des Menschen ist unantastbar" heißt es wohltönend in unserem Grundgesetzt aber wo bleibt diese Würde im Alltag? Ich vermisse sie kläglich, genauso wie Mitgefühl, Respekt, Hilfsbereitschaft und andere Tugenden, die eine Gesellschaft lebenswert machen.

    Es sind nicht Waffen die töten, es sind nicht Spiele oder Filme die Menschen dazu bewegen zu töten - es ist Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit, Wut und Verzweiflung die Menschen zu solchen Taten treibt. Wir alle sind Schuld, wir, die wir wegsehen und nur uns selbst im Fokus haben.

    Was mich an diesem Fall wieder schockiert ist Veränderung der Geschichte im Nachfeld. Gestern hiess es noch die Polizei habe den Amokläufer bei einem Schußwechsel getötet, dies wurde sogar durch einen Sprecher der Polizei vor laufenden Kameras erklärt. Dann taucht ein offensichtlich geschnittenes Video auf, das angeblich zeigt wie er sich selbst getötet habe... Bin ich der einzige, der da nachdenklich wird?
  • Wieso? Meischter – 12.03.09
    Wieso nur sein vater? Ist die Mutter komplett unschuldig?
  • AMOK Kräuter - Pitt – 12.03.09
    Wo bleibt denn da Die Elterntransparenz auf Schulen ?

    Amok
    Es ist ein Brauch von Alters her, der Pascha schläft nur mit Gewehr.
    Er ist und bleibt der Boss im Haus.
    So sieht das aus.
    Der Schein nach Geld
    Bleibt unbescholten.
    Das hat ja früher schon gegolten.
    Er ist ein Pascha-Prinz mit Schloß.
    Und sitzt oft im Gemeindestaat,
    Auf einem bunt geschmückten Ross.
    Er ist nie nah,
    Er ist nie fern,
    Nur wenn er droht hat man ihn gern.
    Der Sohn
    Bekommt ein kaltes Herz
    Und dreht dann durch
    Mit viel, viel Schmerz.

    Es ist ein Brauch von Alters her, wer Sorgen hat hat auch Liqueur .
    Anstatt zu erkennen, das sich in dieser Zeile eine mögliche Alkoholsucht Bahn schlägt, feiert die dumpe Masse , unterstützt von Presse und Tv, scheinbar witzig, und beschwipst, weiter in den grauen Alltag hinein.
    Prävention?
    Wer bist du? Mama von...., Papa von?
  • Schuld Meinungsäußerer – 12.03.09
    Ich kann den Kommentar meines Vorgängers bedingt nachvollziehen. Klar sind wir sauer und besonders für die Angehörigen der Opfer ist es besonders bitter, dass es anscheinend nicht genug Regelungen für den Waffenbesitz gibt.

    Dabei darf man aber eines nie vergessen: Schuld haben nicht die Politiker, sondern der Täter selbst und sein Vater!
  • Politiker pinkpanther – 11.03.09
    Bei aller Grausamkeit dieser Tat darf eines nicht unkommentiert bleiben.
    Geschlossen jammern jetzt wieder Politiker aller Couleur über diese Tat und wie unvorhersehbar sie sei.
    Diese Scheinheiligkeit kotzt mich an.
    Wieso darf ein "Sportschütze legal ~16 Waffen in seiner Wohnung haben, darunter wohl auch Waffen die nicht als Sportwaffen anzusehen sind. Wie zu erwarten ist der "liebe, stille Junge" von nebenan wohl doch ein ziemlicher Sonderling der sich sehr gern Horrorfilme ansieht. Der Vater ein verantwortungsloser Waffennarr lässt Pistolen und Munition einfach so rumliegen, aber das ist ja alles normal.
    Normal wäre wenn Sportschützen auch nur Sportwaffen haben dürften und über jede Patrone monatlich Rechenschaft ablegen müssten. Normal wäre wenn Schützenvereine Panzerschränke für die Waffen haben müssten und diese nicht bei jeden zu Hause rum liegen würden. Normal wäre wenn endlich diese Sauforgien in den Schützenvereinen aufhören würden. Normal wäre wenn die Behörden in dieser Hinsicht nicht an der Wand schlafen würden.
    Aber es werden alle wieder in blindem Aktionismus verfallen und dann ganz schnell alles vergessen.
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