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Das Düsseldorfer Tagebuch

Teil Eins: Herzliche Satellite City


Das sogenannte Energietonikum „Doppelherz“ hilft mit der „Kraft der zwei Herzen“ bei Müdigkeit und Kreislaufproblemne. Und dem „Doppelherz“-Unternehmen Queisser dürfte es mit Unterstützung der Stadt Düsseldorf tatsächlich dieser Tage blendend gehen.
Lena begeistert Düsseldorf.

Lena begeistert Düsseldorf.

© dpa

Denn selten wurde der „Doppelherz“-Slogan so öffentlichkeitswirksam in Szene gesetzt: das glühende Doppelherz ist das diesjährige Symbol des „Eurovision Song Contest“ in der sonst eher dunkelgrauen NRW-Hauptstadt und nicht zu übersehen. Inspiriert von einer Lena-Geste prangen die Herzchen am Flughafen auf einem 385 Meter breiten Banner, strahlen auf 261 Flaggen in der Stadt und wurden auch als Blumenbeetmuster am Rhein ausprobiert. Herzlich, dieses Düsseldorf. Man fühlt sich „Wielcome“, wie es fälschlicherweise in den englischen Programmblättchen hieß. Gegen diese wortspielanfällige Herzattacke sind die bunten lilafarbenen Riesenglobuli aus dem vergangenen Jahr in Oslo nur grafisches Rumgekug el. Man merkt den Veranstaltern die Karnevalsaffinität an.

Doch nicht nur die Herzensangelegenheit überrascht die Besucher der Stadt Düsseldorf, die rein sprachlich betrachtet bisher wenig zu bieten hatte: Alt-Bier, die Toten Hosen, Ruhrgebiet. Um diesem eher unpopulären Image offenbar entgegen zu wirken, ließ die städtische Marketingagentur in einem Film erklären, dass Düsseldorf nun zur Satellite City geworden ist. Da staunt der Besucher, könnte man doch den neuen Namen böswillig auch als Trabantenstadt übersetzen, als Peripherie, Randexistenz, eben als Laatzen vom Rhein.

Und trotzdem scheinen die Satellite-City-Bewohner ihre Stadt gerade ganz besonders ins Doppelherz geschlossen zu haben. In fast allen Kneipen in der Altstadt erklingt derzeit einmal am Tag der ESC-Song „Tanzen“ der nach einem Stadtteil benannten Band Bilk. Darin heisst es: „Ich will tanzen, kommt mit, wenn ihr wollt. Oh oh, oh oh, oh oh.“ Und die Menschen in Satellite City summen leise mit. Diese Begeisterung geht tatsächlich, Sie wissen schon.

Jan Sedelies

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