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Eurovision - Lena in Düsseldorf Lena in Hannover - Triumph einer Heimgekehrten
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22:38 14.04.2011
Von Imre Grimm
In Hannover genießt Lena ihr zweites Livekonzert ihrer Deutschlandtour. Quelle: Martin Steiner

Am Ende, als die Schlacht geschlagen ist, als silberne Konfettischnipsel auf den Hallenboden sinken, sitzt ein kleines Mädchen auf seinem Stuhl in der TUI Arena, sieht still auf die Bühne und formt mit den Händen ein Herz. Es ist sein erstes Livekonzert. Und auf der Bühne kniet ein zweites Mädchen, sieht herunter auf die 9000 Besucher und genießt schweigend. Es ist sein zweites Livekonzert.

Sie haben ihr alles Mögliche prophezeit. Ein Desaster vor halbleeren Rängen, eine künstlerische Katastrophe, eine Strohfeuer-Karriere, eine Blamage. Nur nicht das hier. Nur nicht die Fähigkeit, tausenden Menschen mit spielerischer Leichtigkeit eine 80-minütige, knackige, rockige Party zu liefern, ein Konzert voller Gänsehautmomente und Spielfreude. Heimspiel für Lena in Hannover. Klar, dass sich das hier für sie anfühlt wie Nachhause kommen. „Geht's euch gut, Hannover?“, ruft sie. Ja, Hannover geht’s gut. Wunderkerzen leuchten.

Fast schüchtern war sie um viertel vor neun auf die Bühne geschlichen, die die Jungrocker der Kleinstadthelden aus Osterholz-Scharmbeck als Vorband grundsolide angewärmt hatten. Aber dann: Gleich mit „Not Following“ hat sie die Sache im Griff, tänzelt, trippelt, zappelt, tippelt zu Bruno Müllers glasklarer Reggae-Gitarre über die Bühne. Fast kämpferisch wirkt sie, offensiver. Und auch ihre sechsköpfige Band, geleitet von Andreas Grimm, erst vor wenigen Wochen zusammengestellt für die „Lena Live Tour“, klingt rauer und kantiger als die glatten Funk-Experten von den Heavytones, Stefan Raabs Hausband, wenngleich ähnlich druckvoll und präzise. Und Lena? Verzichtet auf Abendkleid-Experimente, singt in Jeans, Sneakers und Sweatjacke, später dann im schwarzen Hosenanzug. Und die Mädchen in der Halle sehen alle aus wie kleine Lenas. Schwarze Strumpfhosen sind heute ausverkauft in Hannover.

Zwischendurch, als sie merkt, dass das hier schon wieder keine Pleite wird, dass es funktioniert, dass sie das kann, glitzern gar Tränen in ihren Augenwinkeln, die etwas davon verraten, unter welchem Druck sie gestanden haben muss vor dieser Tour. „People say that I have changed / But I know that I'm still the same“ („Die Leute sagen, ich hätte mich verändert / Dabei weiß ich: Ich bin noch immer dieselbe“), singt sie im weichen, zurückgenommenen „At All“, viele singen mit. „Ihr seid das beste Publikum, das es jemals auf der ganzen Welt gegeben hat“, lobt sie. Äh, ja.

Ihr Konzert ist keine Materialschlacht, kein Effektgehasche, stattdessen eine kompakte, schillernde Pop-Party. Die Lichtjungs haben tief in die Trickkiste gegriffen, es blitzt und glitzert allerorten. Zwei große Leinwände links und rechts zeigen Lena in Cinemascope. Die Show ansonsten ist sparsam: mal ein kleiner Bienenfühler-Haarreif zu ihrem Sommerhit „Bee“, zwei bis drei schnelle Klamottenwechsel, und ab und an, etwa in der Motown-Nummer „Maybe“, wird sie von Tänzern unterstützt, die sie gar nicht bräuchte. Sei's drum. Die Band geht auf merkwürdige Emporen verteilt ihrer Arbeit nach, insgesamt aber wirkt die Sache wie aus einem Guss. Zu ihrer Ballade „Push Forward“ glitzert hinter ihr ein prächtiger Sternenhimmel, und als dann zum Grand-Prix-Song „Taken By A Stranger“ die Band ein amtliches, minutenlanges Pink-Floyd-Athmogeschwurbel anstimmt, gibt’s kein Halten mehr.

Zu „Mr. Curiosity“, der Jason-Mraz-Ballade, mit der sie in „Unser Star für Oslo“ die letzten Zweifler für sich gewann, leuchten in der Arena die Feuerzeuge (der Papas) und die Handydisplays (der Töchter). Der Altersschnitt in der Halle ist überraschend hoch, das hier ist keine Justin-Bieber-Geburtstagsgesellschaft, aber die Teenager geben den Ton an. „Geht's euch gut?“, ruft Lena. Kreisch. „Geht's euch so richtig, richtig, richtig gut?“ Noch mehr Kreisch. Balladen, Elektropop, Singer/Songwriter-Nummern, Partyfunk - sie zeigt sich erstaunlich wandelbar, mal verspielt mit „My Same“, dem Adele-Song, der sie berühmt gemacht hat („Damit hat alles angefangen“), mal cool und abgezockt mit „Mama Told me“.

Fast wirkt sie befreit. Als breche auf der Bühne wieder das lenaeske Energiebündel in ihr durch, das das Feiern liebt, die Albernheiten, das Irrlichtern, das Rumdöllmern. Als tue sie hier wieder, was sie immer tun wollte: auf einer Bühne stehen und singen, kleine Beatbox-Einlagen mt karierter Basecap inklusive („Drop It Like It's Hot“). Und auch einen nagelneuen Song hat sie im Angebot: „Wanna Find Love“, eine originelle Uptempo-Nummer, die mit Sicherheit die nächste Single werden dürfte. Drei kleine Fans, Jule, Klara und Laura, dürfen für die Nummer mit auf die Bühne.

„Don't try to be a little Miss Perfection“, ermahnt sie sich selbst zwischendurch. Und dass sie das eben nicht ist, der perfekten Show zum Trotz, zeigen die kurzen Ansagen zwischen den Songs. Da geht ihr noch etwas die Düse, aber wen wundert's? Die Routine wird’s richten, Hannover ist da nachsichtig. Das hier ist schließlich eine Wiedersehensparty.

Zweimal ruft das hannoversche Publikum sie zurück auf die Bühne, vier Zugaben gibt sie, und gegen Ende, als dann eine A-capella-Kurzversion ihren größten Hit „Satellite“ einleitet, sitzt niemand mehr. Mit „New Shoes“ und „I Like You“ schickt sie die 9000 in die Nacht. „Danke an meine Heimatstadt!“ Wenn draußen nicht längst schon Frühling wäre – nach diesem Konzert würden die Blumen blühen.

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