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Lena - Unser Grand-Prix-Star Für Lenas Erfolgskomponisten ist der Sieg „surrealistisch“
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20:48 02.06.2010
„Sie sagte, dass sie das Lied mag. Und ich sagte, dass ich mag, wie sie es singt“: Lena gewinnt mit „Satellite“ den Grand Prix in Oslo. Quelle: dpa

Starallüren sind John Gordon fremd. Er könnte jetzt auf Wolke sieben schweben, weil er „Satellite“ geschrieben hat, den Superhit, mit dem Lena in Oslo triumphierte. Doch er ist sich nicht zu fein, eine ihm unbekannte Nummer zurückzurufen, weil sein Handy besetzt war: „Hey, hier ist John. Du hast angeklingelt?“ „Wie fühlt man sich denn so als Eurovision-Sieger?“ „Surrealistisch“, sagt Gordon nach einem Augenblick Pause. „Aber phantastisch. Richtig, richtig gut.“

Es ist die seltsame Geschichte eines Liedes, das zwei Jahre lang in der Schublade lag und jetzt Europa eroberte. So wenig Lena ins Schema der Grand-Prix-Diven passt, so wenig gleicht der 43-jährige Däne den schillernden Typen, die sonst die Produzentenszene beherrschen. John Gordon sieht eher aus wie der Elektriker, der auf der Bühne eine ausgebrannte Birne auswechselt.

Nach dem Rückflug aus Oslo empfingen ihn keine Fanscharen, sondern die beiden jüngsten seiner drei Töchter. Er hat ein kleines Musikstudio im Dörfchen Beder bei Arhus, wo seine amerikanische Frau Ariana einen Blumenladen hat. Von einer Villa in Kalifornien träumt Gordon nicht, auch wenn jetzt bald die Tantiemen fließen werden. „Nein, ich bleibe auf meinem Hocker und schreibe weiter Lieder für die Kommode.“ Bis einer sie findet.

Seit bald 15 Jahren ist der Däne im Geschäft, er ist Autodidakt als Musiker und als Produzent. Er betreute erfolgreiche dänische Bands, doch zuletzt arbeitete er zumeist mit Kompositionen für den angelsächsischen Markt, die er gemeinsam mit der US-Musikerin Julie Frost schreibt: Sie schreibt die Texte, er schneidert sie mundgerecht zu, dann kommt die Melodie als Gemeinschaftsproduktion dazu.

2008 haben sie „Satellite“ gefertigt, „nicht mit Blick auf einen Wettbewerb, als Siegertitel. Ich habe ihn geschrieben, weil ich ihn gut fand.“ Dann lag die Nummer im Archiv der Plattengesellschaft EMI, bis die Produzentenfirma Iceberg ihn ausgrub, als Deutschland den „Star für Oslo“ suchte. „Ich wusste, dass das Lied unter denen war, die fürs Finale ausgesucht wurden“, aber dass es gewinnen würde, daran glaubte er nicht. Er fuhr nicht nach Köln, er sah die Show nicht im Fernsehen.

Und wäre es damals nach Lenas und Stefan Raabs Willen gegangen, dann wären sie mit „Love me“ nach Oslo gefahren, nicht mit „Satellite“, und John Gordon wäre bestenfalls eine lokale Größe geblieben. Doch das Publikum wollte es anders. „Dass mein Lied gewann, erfuhr ich erst spätabends durch einen Anruf“, sagt er, und anfangs habe er nicht gewusst, „ob das gut war oder schlecht“. Er konnte das eigene Lied kaum wieder erkennen, denn Julie Frost hatte es soulig gesungen, „motownartig“, und dann modelte es Lena „im Kate-Nash-Stil“ um. „Das klang ganz anders, aber nachdem ich es ein paarmal gehört hatte, fand ich es prima.“ Das Lied sei „einfach“, „alle Länder können mitsummen“, sagt der Komponist, „da ist nichts speziell Nordisches dabei“. Dennoch muss er den nordeuropäischen Geschmack getroffen haben, denn Dänen, Schweden, Finnen und Norweger, alle gaben zwölf Punkte.

Und Lena? „Der Erfolg gehört ihr, sie ist wahnsinnig charmant.“ Getroffen hat er sie erst im Tourbus auf dem Weg vom Hotel in die Arena, eine halbe Stunde vor dem Finale. „Sie sagte, dass sie das Lied mag. Und ich sagte, dass ich mag, wie sie es singt.“ Für ihn gab es keinen Platz in der VIP-Lounge, er musste mit einem Klappstuhl im Publikum vorliebnehmen. Das tat seiner Freude keinen Abbruch, als sich der Sieg abzeichnete. „Seltsam“ sei das gewesen, „ich hatte das nicht erwartet, ich glaubte an Dänemark, und die führten anfangs ja auch“. Doch dann wendete sich das Blatt, und dann konnte der Däne mit dem deutschen Fähnchen sich selbst zujubeln.

Jetzt wartet das große Geld. 600.000 Platten hat Lena schon verkauft, das wird sich vervielfachen, und jedes Mal, wenn die Single in einem Radio läuft, klingelt auch bei Gordon die Kasse. „Noch habe ich nichts davon gesehen, das dauert mindestens ein Jahr“, wiegelt er ab. Pläne für weitere Zusammenarbeit mit Lena gibt es keine, „ihre Platte ist ja längst fertig“, aber dass sein Name jetzt in Deutschland bekannt wird, gibt ihm schon Hoffnung. „Das ist ja ein großer Markt.“

Hannes Gamillscheg

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