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Lena - Unser Grand-Prix-Star Lena hat „keinen Bock darauf, jahrelang 18 zu sein“
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16:57 05.02.2011
Lena Meyer-Landrut spricht im HAZ-Interview über den Eurovision-Song-Contest. Quelle: Frank Wilde

Die erste Runde hat sie hinter sich. Sechs Songs, sechs Kleider, sechs mal Lena. Am Montag geht die Auswahlshow „Unser Song für Deutschland“ auf PRO7 in die zweite Runde. Am 18. Februar folgt das Finale in der ARD. Heute Abend erhält Lena in Berlin erst mal die „Goldene Kamera“ (20.15 Uhr, ZDF). Ihr neues Album „Good News“ erscheint am Dienstag. Also alles easy wie 2010? Nicht ganz. Etwas ist dazugekommen: Erfahrung. Manche vermissen Lenas frühere Atemlosigkeit. Und sie selbst? Will einfach singen. Wie findet sie sich zurecht zwischen allen Erwartungen? Zeit, mal nachzufragen:

Hallo Lena. Lass uns über Musik reden.
Danke.

Deine Stimme wirkte kräftiger bei der Premiere von „Unser Song für Deutschland“. Hast du Stimmtraining gehabt?
Training nicht, aber ein bisschen Unterricht, was Aufwärmen und Abklingenlassen der Stimme angeht. Ich wärme sie jetzt vorher mit dreimal „Lalala“ auf. Ich singe ja jetzt auch viel mehr als früher. Außerdem hatte ich mehr Zeit, mich auf die Songs vorzubereiten. Ich musste mich ja auf nichts Anderes konzentrieren, zum Beispiel Schule. Ich hab bloß leider nicht so viel Bock aufs Stimmeaufwärmen.

Aber auf Singen schon noch?
Absolut.

Warst du überrascht, dass der düstere Titel „Taken By A Stranger“ so ein klarer Hallenfavorit war am Montag?
Nee, eigentlich nicht. Ich fand den Song von Anfang an total geil! Wir hatten hier eine Listening Session, um die Titel für das Album auszusuchen. Als „Taken By A Stranger“ begann, war ich gerade kurz draußen. Weil wir aber alle Nummern ordentlich laut aufgedreht haben, hatte ich genug Sound. Und ich fand’s total cool. Und dann kam ich wieder, und alle fanden’s doof. Und ich hab’ dann gesagt: „Aber Leute! Stellt euch doch mal vor was man da für ‘ne Show zu machen kann!“ Und dann haben wir’s genommen.

Würdest du es gerne in Düsseldorf singen?
Es ist mir eigentlich egal, welches Lied am Ende gewinnt. Drei sind jetzt eh schon von den Zuschauern rausgewählt. Ich mag die Lieder alle. Ich hab sie mir ja alle zwölf ausgesucht.

Den von dir selbst geschriebenen Titel „What Happened To Me“ mochte das Publikum auch. Wie ist der entstanden?
Ich war zu Hause und hab geräumt oder geputzt, als mir die Melodie eingefallen ist. Dazu habe ich mir irgendwelche Worthülsen überlegt und habe das aufs iPhone gesungen. Und irgendwann saßen wir bei Stefan Raab im Studio, und er fragte: „Hast du nicht noch ‘ne Idee für’n Song?“ Und ich hab gesagt: „Ja, ich hab’ was auf dem Handy, aber ich will dir das nicht vorspielen, das ist mir peinlich...“ Und er sagte: „Doch! Mach es!“ Und dann habe ich meinen inneren Schweinehund überwunden und so ist es zu dem Lied gekommen. Es entspricht jetzt ziemlich genau eins zu eins dem Ursprungsentwurf. Melodie und Text von Bridge und Chorus hab ich selber sofort gemacht, die Strophen haben wir zusammen entwickelt.

Und plötzlich bist du Songwriterin.
Ja! Ist doch super. Und besonders gut finde ich, dass es angekommen ist. Das heißt, dass ich weitermache mit dem Liederschreiben.

Was erwartet uns in der Show am Montag?
Das sind wieder sechs tolle Songs, diesmal ist auch was in Richtung Soul und R&B dabei. Unter anderem ein Titel, den Aloe Blacc extra für mich geschrieben hat, von dem auch „I Need A Dollar“ ist.

Sie könne nur verlieren, hieß es, als bekannt wurde, dass Lena nach ihrem Sieg erneut antreten werde. Merkwürdige Reflexe sind jetzt zu beobachten: Manche Medien verhalten sich, als fühlten sie sich um etwas Großes betrogen, um eine Sensation wie 2010. Als blockiere Lena eine neue „Topstory“, wie sie selbst eine ist. Symptom einer zunehmenden Hysterisierung – im Positiven wie im Negativen. Und Lena selbst? Wirkt gelassen.

Es gibt viel Gegenwind für dich im Moment. Die Resonanz auf die erste Ausgabe von „Unser Song für Deutschland“ fiel eher kritisch aus. Bisher hattest du nicht viel Kritik auszuhalten. Warst du auf das negative Echo vorbereitet?
Naja, es gab auch viele positive Stimmen. Klar gibt es Menschen, die sagen: „Das ist ‘ne Scheißidee, noch mal anzutreten.“ Ich fand’s gut.

Du kriegst jetzt etwas ab, was gar nicht direkt auf dich abzielt, sondern eher auf das Gesamtvorhaben. Aber du stehst nun mal im Mittelpunkt des Unternehmens. Hast du einen Mechanismus, mit dem du Kritik besser aushältst?
Ich krieg’ das ganz gut hin, dass ich herausfiltere, was für mich nützlich ist und was nicht, was annehmbare Kritik ist und was einfach nur Gelaber. Man darf sich das alles halt nur nicht zu sehr zu Herzen nehmen.

Vor ein paar Monaten hast du das Gleiche über die Lobeshymnen gesagt.
Genau.

Hast du denn eine Erklärung dafür, dass die Kritik so heftig ausfällt?
Ich glaube, das ist etwas ganz Natürliches. Erst sagen alle „Ja“, und darauf muss dann auch ein „Nein“ folgen. In diesem Geschäft ist Gegenwind normal. Und dann macht man irgendwann etwas, dass dann plötzlich doch wieder alle gut finden. Und dabei ist das dann nichts anderes als das, was man bisher auch schon gemacht hat.

Vor genau einem Jahr hattest du deinen ersten Einsatz in „Unser Star für Oslo“. Ist Routine gut oder schlecht für dich?
Es ist nicht so, dass ich jetzt total relaxt wäre und mich das alles gar nicht mehr kümmern würde. Aber natürlich kann ich mich jetzt nicht mehr genauso fühlen wie am allerersten Tag, als ich auf der Bühne stand. Das wäre ja absurd. Ich entwickle mich ja weiter im Leben – genau wie jeder andere Mensch. Ich bin einfach ich selber, Veränderungen eingeschlossen.

Das heißt, du siehst die 18-jährige Lena von damals schon etwas aus der Distanz?
Auf jeden Fall. Aber ein Jahr im Leben macht im Alter von 16 oder 17 bis 25 Jahren ja sowieso einen viel größeren Unterschied, als ob man von 45 auf 46 wechselt. Es ist so viel passiert, ich habe so viel erlebt und gelernt. Da kann es ja gar nicht anders sein, als dass ich mich weiterentwickele.

Und trotzdem verlangt das Publikum, du sollst bitte genau so sein wie damals.
Manche machen’s ja. Die spielen sich selbst in jung. Bei Britney Spears hat das jahrelang geklappt. Nur: Ich habe einfach keinen Bock darauf, jahrelang 18 zu sein.

Jetzt sagen manche: „Lena ist erwachsen geworden, sie ist gereift“. Was denkst du, wenn du so etwas hörst?
Dann denke ich: Ja, danke. Es ist ein Kompliment. Vor einem Jahr fühlte ich mich auch schon erwachsen, da war dieser Job aber eben noch neu für mich. Wenn du ‘ne Bäckerlehre beginnst, dann ist das am Anfang ja auch noch alles neu für dich. Nach einem Jahr Erfahrung fühle ich mich natürlich viel sicherer, und das merkt man mir bestimmt auch an. Finde ich super.

Sie wird Ausdauer brauchen, wenn sie am 13. April in Berlin ihre erste Tournee startet. Am 14 April tritt sie in Hannover auf. Sie hat Respekt davor, aber ihr Selbstvertrauen hilft ihr. Ihr erstes eigenes Livekonzert als Zuschauerin war Britney Spears während der Expo 2000 in der Allianz-Arena. Da war Lena neun Jahre alt. Nun steht sie selbst auf dieser Bühne – und will es ganz anders machen.

Was erwartet uns? Feuerwerk? Tänzer ohne Hemden? Laser? Showtreppe? Konfetti?
Es wird auf jeden Fall Tänzer geben! Es wird getanzt und geshowt ohne Ende! Aber nicht so durchchoreographiert mit auffer Harley und so ...

Begleiten dich die Heavytones von Stefan Raab oder eine neue Band?
Eine neue Band. Die Heavytones sind ja bei „tv total“ im Einsatz.

Ralph Siegel will in Düsseldorf mit einem 15-jährigen Mädchen aus Malta antreten, die dich kopiert. Wie findest du das?
Ja, äh, hübsches Mädchen. Sieht gut aus (kichert). Zufälle gibt’s. Herr Siegel hat einfach ein Gespür für Gutes...

Was ist denn Dein Ziel für Düsseldorf? Stefan Raab setzt auf Sieg, du sagst: nur nicht Letzte werden. Wäre Platz 12 auch okay?
Klar hab’ ich Bock auf die Titelverteidigung! Aber ob Platz 12, 18 oder fünf: Dabei sein ist alles.

Du wirst kurz nach Düsseldorf 20. Cool oder nicht? Und wo wird gefeiert?
Ich finde das cool. Ich finde Geburtstage immer toll. Ich fange jetzt schon an, mich zu freuen. Ich bin ein richtiger Geburtstagsmensch. Als ich in Oslo Geburtstag hatte, mussten ja auch alle Leute Partyhütchen aufhaben, weil mein Geburtstag war. Ich liebe Geburtstage über alles, wirklich: die Party, das Essen, die Geschenke, die Leute … Ich glaube, ich feiere zu Hause, und lade alle Leute ein. In Hannover.

Bist du denn noch öfter in Hannover? Oder meistens in Köln?
Ich würde sagen: zu 96 Prozent in Köln.

À propos 96: du hast gesagt, du seist Fan vom 1. FC Köln. Das geht natürlich gar nicht.
Das liegt einfach nur daran, dass ich mit Fußball noch nichts am Hut hatte, als ich noch in Hannover gewohnt habe. Und hier in Köln kommt man einfach nicht drumherum.

Aber 96 ist doch viel erfolgreicher als Köln.
Aber es geht ja nicht immer um Erfolg.

Du bist direkt nach der Schule im Beruf gelandet. Andere in deinem Alter nehmen sich erst mal eine Auszeit, reisen herum, orientieren sich. Kommt das nach Düsseldorf?
Nach dem ganzen Trubel finde ich eine Auszeit bestimmt gut. Das kommt auf jeden Fall nach Düsseldorf. Ich will dann erst mal weg aus Deutschland, und am besten auch weg aus Europa. Irgendwohin, wo mich keiner kennt.

Und dann?
In ein Café gehen. Und schmatzen. Und schlabbern. Und keinen interessiert’s.
Interview: Imre Grimm

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