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„Unser Song für Deutschland“

Lena hat sechs weitere Lieder vorgestellt


Verspielt, verträumt, vergessen: Lena hat am Montagabend sechs weitere Lieder für den Eurovision Song Contest vorgestellt – doch selten blieb ihre Musik so farblos.
Lena sang gestern wieder gegen Lena. Am Ende gewann Lena – und Stefan Raab.

Lena sang gestern wieder gegen Lena. Am Ende gewann Lena – und Stefan Raab.

© dpa

Das Verhältnis von Lena und ihrer Heimatstadt Hannover hat zuletzt etwas gelitten. Die Sängerin ist nach Köln abgewandert, jubelt jetzt dem 1. FC Köln zu und fährt statt Volkswagen Opel. Lena und die Leine: eine eingeschlafene Fernbeziehung.

Doch seit Montag gibt es Hoffnung. Zum zweiten Mal präsentierte Lena in der TV-Show „Unser Song für Deutschland“ sechs Songs von ihrem Album „Good News“, von denen die Zuschauer drei ins Finale wählen konnten, in dem am 18. Februar über den deutschen Beitrag zum Eurovision Song Contest abgestimmt wird. Unter dem vorgestellten Liedgut: ein Stück Heimat. Erroll Rennalls und Stavros Ioannou haben für Lena den Titel „A Million And One“ komponiert, ein kantiger Popsong mit Streicherbegleitung und lenaesken Sprechgesangseinlagen. Rennalls gründete mit Produzent Mousse T. die Plattenfirma Peppermint Jam, die mit Songs und Remixe für Michael Jackson und Tom Jones Erfolge feierte. Auch Stavros Ioannou bastelte bei Peppermint Stücke für Missy Eliot und Bryan Adams. „Ich habe Lena im Fernsehen gesehen und war von der kleinen Frau begeistert – dann haben wir den Song für sie geschrieben“, sagte Rennalls. Die Jury war beeindruckt. „Man braucht lange, um in den Song zu kommen, dann war ich drin und fühlte mich wohl“, sagte die künftige ESC-Moderatorin Anke Engelke. „Das flutscht mir so“, erklärte Lena. Das Publikum wählte den Song ins Finale.

Das hannoversche Lied war das erste am Abend – und auch fast das letzte. Denn anschließend hatte man das Gefühl, dass die Komponisten gar nicht erst versuchten, Lieder für Lena zu schreiben. Die 19-Jährige verband man einst mit Attributen wie frisch, unkonventionell, anders. Nun wirkte sie musikalisch unaufgeregt, nett, laaaaangweilig! Komponisten von Soulrap-Star Aloe Blacc bis zur Großnichte Judy Garlands, Audra Mae, schufen einen gefühligen Soundtrack zum Mitwippen, Umkleidekabinenpop, der nicht weiter stört. Aufregend wurde es erst mit dem kräftigen Rockpopsong „Mama Told Me“ von Stefan Raab und Lena. „Frech“, lobte Sängerin Joy Denalane. „Die Gute-Laune-Nummer“, sagte Engelke. Das Lied kam weiter.

Trotzdem, wirklich spannend war es am Montag nur, als die Juroren begannen, mit Lobhudelei auf die Komponisten aufzuhören. „Zu seicht“, „Da fehlt etwas“, „Gott, ist das blöd.“, mäkelte Engelke. Dem konnte selbst der in der Sendung sonst so diplomatische Raab nur schwer widersprechen: „Ich bin der Meinung, dass es so scheiße auch nicht war“, sagte er. Das sprach für sich. Ähnlich schien es Moderator Matthias Opdenhövel zu halten, der Lenas CD vorstellte, die es ab Dienstag zu kaufen gibt: „Hey, kann man sogar aufklappen.“ Na dann.

Jan Sedelies

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