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Eurovision Song Contest

Marke Lena muss neu erfunden werden


Die Reaktionen auf den ersten Grand-Prix-Vorentscheid mit Lena waren verhalten. Kein Wunder, sagt der Marketingexperte Thorsten Hennig-Thurau, das Format der Sendung sei absurd.

Ob nun die Dame im Abendkleid oder das Mädchen in den zerfledderten Jeans: „Das sollte Lena schon selbst wissen", gibt der Experte zu bedenken.

© dpa (Archiv)

Der Vorentscheid für den Eurovision Song Contest mit Alleinunterhalterin Lena ist aus Sicht des Wirtschafts- Wissenschaftlers Professor Thorsten Hennig-Thurau missglückt. „Das Format der Sendung ist etwas absurd und hat mich gelangweilt“, sagte der Marketingexperte von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster der Nachrichtenagentur dpa. Und wie bei Unternehmen berge der Imagewechsel eines Produkts auch bei der „Marke Lena“ große Risiken.

„Das ist eine gigantische Dauerwerbesendung für das neue Album von Lena“, sagte Hennig-Thurau und kritisierte auch Lenas Entdecker Stefan Raab. „Es ist ein Format, in dem der Macher, der Komponist, sein eigenes Werk beurteilt. Das ganze gemischt mit etwas Schulfernsehen, Fach Musik.“ Lena hatte am vergangenen Montag auf ProSieben die ersten sechs von zwölf Liedern - davon zwei aus der Feder Raabs - vorgestellt. Das von den Zuschauern ausgewählte Siegerlied soll die 19-Jährige bei ihrer Titelverteidigung im Eurovision Song Contest am 14. Mai in Düsseldorf singen.

„Die Frau „Lena“ hat das große Problem, dass sie eine Marke ist, die durch ihre große Authentizität und Spontanität uns alle begeistert hat“, sagte der Spezialist für Marken und Medien. „Nach einem Jahr im Showbusiness kann sie diese große Spontanität natürlich nicht mehr haben. Damit bricht ein großer Teil des Markenkerns weg.“

„Jetzt ist sie auf der Suche nach einem neuen Selbstbild, einem neuen Ich. Da tritt eine Lena auf, die nicht mehr die Frau ist, die man kennt. Zugleich ist aber die neue Lena noch nicht erkennbar. Diese Suche nach sich selbst ist ja durchaus etwas Ehrenwertes.“ Die Frage sei aber, ob das um diese Zeit live im Fernsehen gezeigt werden müsse, gab der 43-Jährige zu bedenken. „Wir suchen zwar alle mit, verlieren aber etwas das Interesse.“

Der Forscher findet es befremdlich, dass die Zuschauer das Ergebnis der Lena-Neuerfindung bestimmen sollen. „Wir leben zwar im Boy-Group-, Girl-Group-, Ich-wähle-den-Superstar-Zeitalter“, räumte Hennig-Thurau ein. „Eigentlich stelle ich mir das aber so vor, dass ein junger Mensch, der gerade durch seine Originalität und Authentizität bekanntgeworden ist, sich nicht von uns sagen lässt, wer er ist.“ Ob nun die Dame im Abendkleid oder das Mädchen in den zerfledderten Jeans: „Das sollte Lena schon selbst wissen.“ dpa

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