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Grand-Prix-Siegerin

Zurück von den Sternen: Warum Lena keinen Hype braucht

Von Imre Grimm

Karriereknick bei Lena Meyer-Landrut aus Hannover? Der Boulevard feixt. Das Ende des Hypes erscheint vielen Lena-Verweigerern als Beleg für die These vom Glück als Illusion. Dabei ist in Wahrheit etwas Gutes passiert: Eine heißgelaufene Karriere schwenkt ein auf Normaltempo.
Grand-Prix-Siegerin Lena Meyer-Landrutaus Hannover.

Grand-Prix-Siegerin Lena Meyer-Landrutaus Hannover.

© dpa

Der Tag, an dem Alexander Rybak nicht mehr konnte, was ein düsterer, trüber Wintertag in Oslo im Februar 2010. Ein halbes Jahr zuvor hatte der Norweger den Eurovision Song Contest (ESC) gewonnen, galt europaweit als putziges Märchenwesen aus dem Norden, als charmanter Troll mit seinen weit aufgerissenen Augen, der Geige und dem Wuschelkopf. Und nun saß er im schwedischen Malmö im Studio und schlug mit den Fäusten gegen die Wand, immer wieder, bis sie bluteten.

„Ich brauche eine Pause“, schrieb er seinen Fans via Facebook. „Ich sitze tief in der Scheiße. Am Mittwoch hatte ich einen Nervenzusammenbruch. Die großen Bosse sind alle gegen mich, und ihr verlangt einfach zu viel von mir. Bitte schreibt mir nicht mehr.“ Rybak meldete sich ab. Sendepause. Depression. Neuaufbau.Es war der Tiefpunkt eines harten Absturzes. Ein Absturz, wie ihn nicht wenige auch Lena prognostizieren. „Gerät Lenas Karriere jetzt schon ins Stocken?“, feixte diese Woche die „Bild“-Zeitung. Die „Berliner Morgenpost“ schlug in dieselbe Kerbe: „Lena droht zu scheitern“. Der Kartenvorverkauf für ihre Tour 2011 laufe schleppend, die zweite Single hänge im Niemandsland der Download-Charts. Zahllose Promi-Billigblogs im Netz plapperten den Unfug nach. Der Abgesang hat begonnen.

Es ist ein typischer Boulevard-Reflex, das Abflauen eines Hypes gleich mit dem Karriereende gleichzusetzen. Übertreibung gehört zum Geschäft. Also mal kurz Luft holen: Was ist passiert? Nichts. Außer, dass Lena Meyer-Landrut nicht gerade gestern den Grand Prix gewonnen hat, sondern schon vor ein paar Wochen. Außer, dass ein Medienhype, der dieses Land an den Rand des nationalen Deliriums geführt hat, seinen Zenit überschritten hat.

Außer, dass ein flirrend heißes Liebesfieber in eine stabile Künstler-Fan-Beziehung mündete. Außer, dass aus einer allseits zum neuen deutschen Fräuleinwunder erklärten europäischen Überfliegerin eine ganz normale, weiterhin sehr sehenswerte, professionelle Künstlerin geworden ist. Es ist eine gesunde Entwicklung. Nebenbei: „Touch a New Day“ stand am Mittwoch in den iTunes-Charts auf Platz fünf. Von Krise keine Spur.

Auch Lena selbst sieht’s gelassen. Sie wäre die Allerletzte, die dem Ausnahmezustand von Oslo eine Träne nachweinen würde. Dutzende Journalisten am Mittwoch in Köln, Kamerateams, Pressekonferenz. Lena trägt ein rosafarbenes Hello-Kitty-Plastikköfferchen, auch an ihrem Handy bamselt ein Hello-Kitty-Anhänger. „Jaja, meine Karriere bricht ja jetzt grad ab ...“, sagt sie, lächelt – und stellt gleich mal klar: „Der Kartenverkauf läuft! Wir sind alle komplett zufrieden. Und es sind noch acht Monate bis zum Tourstart.“ Ihre neue Single sei „auf jeden Fall’n super Sommerlied“, sagt sie. Ansonsten: Ihre Lieblingsschuhe sind kaputt. So’n Mist. „Hier, kaputt! Ich bin ganz traurig. Naja.“ Und ein kleiner Lena-Moment am Rande: Hat sie einen Trick, damit sie in der Straßenbahn nicht erkannt wird, fragt jemand? „Ja, ich fahr’ Auto.“

Sie weiß das ja selbst: Im Vergleich zum Sieg in Oslo sieht alles, was danach kommt, zwangsläufig wie ein Niedergang aus. Aber man kann eben nicht jeden Tag den Eurovision Song Contest gewinnen. Eine Karriere ist ein fragiles, rätselhaftes Konstrukt aus Zahlen, Mythen, Moden, „Erfolgen“. „Es gibt Zeiten, da läuft’s besonders gut, und andere“, sagt Lena.

Früheren Eurovisions-Siegern erging es nicht anders. Viele brauchten einen langen Atem nach der Show ihres Lebens. Die zweite Single der Schwedin Charlotte Perelli (damals: Nilsson), ESC-Siegerin von 1999 („Take Me To Your Heaven“), landete in ihrem Heimatland nur auf Chartplatz 38. Auf ihren ersten Nummer-1-Hit musste sie zehn lange Jahre warten. Trotzdem schloss sich eine solide Karriere an.

Sertab Erener, türkische Siegerin von 2003, landete mit ihrem Siegertitel „Everyway That I Can“ in sieben Ländern in den Top Ten – und mit der Single dann nur noch auf Platz 58 in Schweden. Trotzdem ist sie noch gut im Geschäft. Nicht alle hielten durch: Die Griechin Helena Paparizou, Siegerin von 2005 („My Number One“), legte mit ihrem international angelegten Album „Mambo!“ nach dem ESC-Triumph einen veritablen Flop hin. 2009, nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters am Weihnachtsabend, erkrankte sie an Depressionen. Es ist nicht nur „Alexander Zwieback“ (Lena-Sprech), dem der Druck zu schaffen macht. Rybaks zweites Album erreichte in Norwegen Platz 7. Inzwischen läuft’s wieder.

In Lenas Fall ist das leicht durchschaubare Motiv für die Entzauberungsversuche durch „Bild“ & Co. nicht mehr nur die Missgunst über den Erfolg der 19-Jährigen. Was wir erleben, ist eine Art Medienkater. Als geniere man sich plötzlich für die Lenamania im Frühling. Lena bot und bietet als weitgehend geschichtsloses, aus dem Nichts gekommenes Wesen die ideale Projektionsfläche eben nicht nur für jene, die selbst klug, frech und hübsch sein wollen, sondern auch für alle Arten von Selbsthass, für Neider und Nörgler, die Unbeschwertheit und Attraktivität schlicht nicht aushalten. Lena provoziert, weil sie mit sich im Reinen ist. Glückliche Menschen aber stehen unter Generalverdacht. Sie werde der Realitätsverweigerung verdächtigt, seien blind für die Wahrheiten des Lebens. Das Ende des Hypes erscheint vielen Lena-Verweigerern als Beleg für die These vom Glück als Illusion. Dabei ist in Wahrheit etwas Gutes passiert: Eine heißgelaufene Karriere schwenkt ein auf Normaltempo. Wir erleben eine Konsolidierung, die der Nachhaltigkeit dienen könnte. Oslo lief von selbst. Die echte Arbeit hat spätestens am Mittwoch in Köln begonnen.

Montag fährt Lena erst Mal in den Urlaub. „An den Strand. Mit noch ein paar Leuten zusammen. Schön gemütlich zwei Wochen Nichtstun.“ Keine Hektik, keine Termine. Und kein Internet, bitte.

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  • Artikel Webwolf – 12.08.10
    Toller Artikel :)
  • Lena X – 06.08.10
    Gerade eben habe ich Lena im MoMa live mit ihrem Song "Touch a new Day" gesehen und gehört, boah das geht garnicht.
  • Lena und kein Ende Stafford – 06.08.10
    Hilfe, ist das die HAZ, oder sind wir in Entenhausen, was bitte ist " Lena sprech", ist die Gute denn nicht mal fähig, einen Namen korrekt auszusprechen?
    Bitte,bitte, keinerlei Dumm - News über dieses Wesen mehr!
  • @ Leser der Commander – 05.08.10
    Sorry, da hast du mich falsch verstanden! Lena-Bashing?... nicht mit dem Commander! "Freie Fahrt"
  • @tesa von pattex – 05.08.10
    Die Logik verstehe ich nicht. Was haben denn Üstra und ein Redakteur der HAZ miteinander zu tun?
  • @commander Leser – 05.08.10
    Ach, wie schade...! Nach der großen Ankündigung dachte ich, jetzt käme der ultimative Bashing-Beitrag.

    Gruß vom

    Enttäuschten Leser
  • Lena der Commander – 05.08.10
    Die Kritik hat sich ja diesmal in Grenzen gehalten. Deshalb will ich's kurz machen. Ich empfehle allen Lena-Kritikern sich auf der Webseite von 'Unser Star für Oslo' noch mal Ihre Interpretation von "Mr. Curiosity" anzuhören. Überhaupt wundert es mich, dass Einige hier Lena immer noch ihr Talent absprechen wollen, obwohl die versammelte deutsche Musikwelt ihr genau dieses betätigt hat. Ich kann mich da nur den Kommentaren von Jan Delay und Westernhagen anschließen. "Menschen werden Dich (Lena) lieben" ... so auch der Commander
  • Identität tesa – 05.08.10
    Wer schon zu anderen Themen meinen Kommentar gelesen hat (z.B. Üstra), der würde diese Vermutung nicht anstellen.
  • @tesa Pattex – 05.08.10
    Sind Sie das, Herr Grimm...?
  • commander tesa – 05.08.10
    Nicht nur anscheinend den Artikel nicht verstanden oder er erscheint einem zu positiv bezgl. Lena, sondern auch die Ankündigung vom Commander falsch interpretiert.
    So, nun bin ich aber erst mal ruhig.
  • Lenabashing @ tesa – 05.08.10
    wart nur, bis commander sich äußert.....
    hahaha
  • Politik tesa – 05.08.10
    @ich: die Rubrik (siehe Betreff) bisher nicht entdeckt? Da gibt es u. a. von gestern Abend einen Artikel zu den Lehrerstellen. Der Lena-Artikel fällt unter Medien. Warum sollte die HAZ diesen Bereich nicht mit dieser analysierenden Betrachtung bedienen? Eine lokale Presse darf nicht über lokale Künstler (im Rampenlicht Stehende) berichten. Seit wann und warum? Etwa weil die lokale Presse keine ausreichende Distanz hat? Das würde zu einem absurden Nichtinhalt führen.
  • @Ich wue – 05.08.10
    Dann wünsche ich frohes Schämen! - Mir hat der Artikel sehr gut gefallen, weil er tatsächlich einige Wahrheiten bringt, die man hier im HAZ-Forum auch bestens nachvollziehen kann. Dass sich hier einige Leute am Erfolg Lenas "abarbeiten" und v.a. wie sie es tun, ist schon sehr aufschlussreich und sagt - natürlich - mehr über diese als über Lena aus.
  • naja naja – 05.08.10
    Lieber tja,

    dass Sie den Artikel nicht verstanden haben, liegt vielleicht daran, dass Sie so schlecht lesen wie Sie schreiben ...
  • Lenaische Allgemeine Ich – 05.08.10
    Anstatt nur eine Umfrage laufen zu lassen zu dem stupiden Kürzungsprogramm der Landesregierung muss die Lenaische Allgemeine, selbsterklärte Hüterin und Schützerin ihres Hannoversch Mädels, die Meyer-Landrut vor jeder Kritik schützen. Jah nicht darf jemand denken, Lena sei in einem Tief, sie sei nicht mehr so präsent, was man von Stars und Sternchen in Einig Lena Land erwarten dürfte, NEIN: Sie ist und bleibt die größte, schönste, klugste, etc. pp.
    Auch schöne Beispiele mit anderen Künstlern: Sertap beispielsweise: In Europa Top Ten, aber in Timbuktu leider nur 22...

    Ich schäme mich als Hannoveraner, dass diese Zeitung den Namen der Stadt trägt...
    Besinnt euch auf wichtige Themen.
  • beleuchtet tesa – 05.08.10
    sollte es zu den Aspekten heißen. Bei tja und Co. ist zappenduster. Typen, denen der Hype vorher nervte, scheinen den Inhalt nicht verstehen zu können. Solche Leser hat die Printausgabe der HAZ nicht, weil solche sich eher Bildchen anschauen. Mir selbst ist es fast unangenehm, so einen Artikel hier kostenlos lesen zu können.
  • tja tja – 05.08.10
    liebe haz redaktion

    KÖNNT IHR MAL AUFHÖREN SO EINE SCHEISSE ZUSCHREIBEN..

    in hamburg ist ne bockwurst geplatz..
  • @wen interessiert's tesa – 05.08.10
    Einfach traurig, wenn man aus dem Artikel scheinbar nur herausließt, Lena würde nun erst mal Urlaub machen (Sack Reis). Ich meine traurig für dich! Nebenbei ist es auch noch eine ungerechtfertigte Abwertung der Leistung des Autors - nicht realisiert, was der hier für Komlimente bekommt? Es werden unterschiedlichste Aspekte beleutet, sehr gut herausgearbeitet.
  • @commander Leser – 05.08.10
    He he , klingt vielversprechend! Ich warte mal gespannt ab, vielleicht toppe ich es dann....
  • Zurück von den Sternen... Charly – 05.08.10
    Mein Kompliment zu diesem hervorragenden Artikel an Imre Grimm !! Dem ist aus meiner Sicht nichts hinzuzufügen.
  • @ ich der Commander – 05.08.10
    Das war schon nicht schlecht, geht aber noch fieser. Ich warte lieber noch!
  • Lena Toky – 05.08.10
    Nach meinen Informationen hat sich Lena schon bei dem TV Sender Neun Live beworben. ein zweites Standbein ist immer gut! ;) :D
  • oh mein Gott ich – 05.08.10
    Wen interessiert bitte diese dusselige Tante? Die kann nichts und die hat nichts in der Birne.
    Sie hat nur Glück gehabt, dass sich gute Marketing-Leute ihrer angenommen haben und mit ihr den treudoofen "Fans" die Kohle aus den Taschen ziehen. Das verdient Respekt.
  • Lena ... mit dem Commander – 05.08.10
    Ich mag Lena (!) und warte erstmal die ganzen negativen Kommentare ab, bevor ich mich im Detail äußern werde! Bis dahin ... euer Commander
  • ...und in China wen interessiert's – 05.08.10
    ... ist wieder ein Sack Reis umgefallen...
  • Des Pudels Kern Nachtfalke – 05.08.10
    Ganz hervorragender Artikel zur aktuellen Situation. Ferner erlaubt er einen Blick über den Tellerrand der Lena-Story hinaus. Eine Projektionsfläche "für alle Arten von Selbsthass, für Neider und Nörgler, die Unbeschwertheit und Attraktivität schlicht nicht aushalten" bietet nämlich nicht nur ein Lena. ("Glückliche Menschen [...] stehen unter Generalverdacht.") Die Mechanismen und Folgen sind immer ähnlich, aber werden bei Lena besonders deutlich. Vielen Dank für die Veranschaulichung dieses Phänomens (am Beispiel Lena). Dieser Artikel hat zweifellos Referenzcharakter.
  • Alexander kommt wieder hoch, Lena hoffe ich nicht mehr Maike – 04.08.10
    Nun, der Alexander kann was und wird daher immer wieder hoch kommen. Auch Marit ist echt und kann wirklich was.
    Bei Lena dagegen war es wie bei den maskierten finnischen Sieger und dieser deutsche Kömiker mit den langen wilden Haaren, die nur gewonnen haben, weil sie es die Jugend einmal cool fand.
    Werden diese erwachsen, wird aus den einstigen Fans auch nur Marit und Alexander-Fans.
    Können ist auch in Zeiten perverser Kapitalismus, wo es nur ums Zocken geht und nicht um Unternehmensentwicklung, bei allen fähigen Menschen in diesem Land von größter Bedeutung.
    Wenigstens haben wir in der Musik die Wahl die Fähigen zu halten und damit genau das Gegenteil der aktuellen Realität zu leben.
  • Lena Lolo – 04.08.10
    Herr Grimm, wollten Sie das Sommerloch mit diesem Artikel füllen?
  • toller artikel wiebke – 04.08.10
    bin begeistert von diesem tollen artikel... :) kompliment!!
  • Ei, ei wiki – 04.08.10
    Herr Grimm: Toller Artikel!

    Lena, falls Du mal reinschaust: Einen wunderschönen Urlaub!

    C U!



  • Lena mb – 04.08.10
    Herr Grimm, was soll ich sagen? Das stimmt alles!
  • prima tesa – 04.08.10
    Artikel. So isses, nur next year same procedure as this year (Wiederantritt) - da kann man nur warnen. Und wenn's doch nicht berauschend weiter laufen sollte: da ist ja noch das Schauspieltalent.
    Sie ist weiterhin erfrischend sympathisch (nur nicht für diejenigen, welche im Artikel gut beschrieben sind).
  • Lena in Action Herta – 04.08.10
    Ja ja ja
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