Wenn wir in den vergangenen Wochen etwas gelernt haben, dann dies: Es gibt einen schönen und einen leidigen Winter. Der Mittwoch gehörte ganz unzweifelhaft in die erste Kategorie. Wenn die Wetterweissager recht behalten – wer möchte ernsthaft daran zweifeln –, dann war er bis auf Weiteres der letzte seiner Art. Der schöne Winter wird sich davonmachen, sagen sie. Er wird seinen Pulverschnee mitnehmen und den blauen Himmel.
Aber weil er am Mittwoch eben noch da war, haben wir ihn einzufangen versucht. Am Kronsberg zum Beispiel, wo die Ponys noch bis zu den Hufen im Schnee standen. Oder in Herrenhausen, wo Julia Stenger mit ihrem Hund Dotwin unterwegs war, und ihn Schneebälle fangen ließ. Wir sahen einen Langläufer am niederländischen Pavillon vorbeigleiten – eine der wenigen Gelegenheiten übrigens, den verwitterten Bau in malerischer Pose zu erwischen. Bei GehrdenLemmie im Calenberger Land ließen wir die Sonne schüchtern durch den Morgennebel auf ein Bataillon Windräder linsen und in Herrenhausen auf eine junge Dame aus Edelmetall. Wir fanden ein Stillleben aus Verkehrsschildern zwischen Wülferode und Laatzen und frierende Möwen in der Leine bei Linden. Währenddessen beschnitt man in Herrenhausen bereits die Bäume.
Selbstverständlich holten wir Auskunft darüber ein, ob es wirklich zu Ende geht mit unserem Märchenwinter. Zu hören bekamen wir folgendes: Es wird ein bisschen milder nach der Eiszeit, aber die Meteorologen machen keine Hoffnung auf Abschied vom Winter. Für die kommenden Tage erwarten sie eher „Schmuddelwetter“ mit Temperaturen um den Gefrierpunkt. Am heutigen Donnerstag könnte es nach Angaben von Meteorologin Dorothea Paetzold vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach Schnee oder Regen geben, sie warnt vor Glatteis.
„Das Tief Susanne bringt ungemütliches Wetter“, sagte gestern auch Karsten Brandt vom Wetterdienst Donnerwetter.
Bis zum Wochenende pendelt nach den bisherigen Prognosen die Temperatur um den Gefrierpunkt, ab und zu könnte ein Teil der Schnee- und Eismassen wegtauen, aber es könnte auch neuer Schnee hinzukommen. Für den Montag rechnet Brandt mit einem Sturm – wie heftig der ausfallen wird, ist noch unklar. Kurzzeitig werde es dann milder. Anschließend könnte es deutlich kälter werden, meint Brandt. „Dann muss man auch in Hannover wieder mit Neuschnee rechnen“, sagte er.
Das klingt alles nach leidigem Winter. Die Diskussionen um Streusalz und Räumpflicht werden uns erhalten bleiben. Wir werden noch weiter durch den Matsch und Patsch auf den Straßen stapfen; und die Autofahrer unter uns werden im Berufsverkehr noch manchen Fluch äußern. „Der Frühling ist noch nicht in Sicht“, meinte Paetzold. Donnerwetter-Chef Karsten Brandt macht dennoch Hoffnung, dass der außergewöhnlich kalte Winter langsam ein Ende findet. Es gebe einen entscheidenden Unterschied zu den vergangenen Monaten, sagte er. „Die Sonne hat jetzt schon so viel Kraft, dass sie auch bei extremen Kaltluftlagen wie am Dienstag oder am Mittwochvormittag die Temperaturen auf positive Werte bringt.“ So werde der Winter nach und nach verdrängt.
„Verdrängt“ also wird unser Winter. Trotz allem: Wir werden ihn vermissen – zumindest den Winter der ersten Kategorie.
Mathias Klein
Felix Harbart
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