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Winterdienst

Hannover packt die Glätte an

Von Bernd Haase

Dank zupackender Maßnahmen erfährt Hannovers Eisglätteproblem nach chaotischen Tagen eine leichte Entspannung. Zum ersten Mal sind gestern 100 städtische Mitarbeiter ausgerückt, um beim Winterdienst zu helfen. Auch beim Streusalz gibt es Entwarnung.
Mehr Helfer, neues Salz: Die Eislage entspannt sich in Hannover.

Mehr Helfer, neues Salz: Die Eislage entspannt sich in Hannover.

© Ralf Decker

Die Region hat am Wochenende eine Lieferung bekommen, sodass die Kreisstraßen weiterhin gestreut werden können. „Das reicht mindestens für eine Woche“, teilte ein Sprecher mit.

In Hannover waren gestern Mitarbeiter vor allem aus dem Tiefbau- und dem Grünflächenamt sowie der Stadtentwässerung unterwegs, um dem Entsorgungsunternehmen aha und den von ihm beauftragten Firmen beim Winterdienst zu helfen. Nach Angaben der Stadt haben sich viele sogar freiwillig gemeldet, als bekannt wurde, dass es ohnehin zu Abordnungen kommen würde. Ein Trupp zum Beispiel war in der Alemannstraße in Vahrenwald mit Schaufeln und Kratzhaken unterwegs. „Das ist eine Abwechselung, außerdem spielt das Wetter mit“, sagten die Männer.

Zunächst für eine Woche sollen die 100 Mitarbeiter im Stadtgebiet unterwegs sein. Sie sollen insbesondere Gehwege vor Schulen und Kindertagesstätten, Behindertenparkplätze im Stadtgebiet sowie Überwege und Kreuzungen von Eis und Schnee befreien.

Die Stadt betonte, dass der Einsatz des Sonderkommandos nicht als Pauschalkritik an aha und den anderen Firmen zu verstehen sei, die für den Winterdienst zuständig sind. „Die Situation in diesem Winter ist außergewöhnlich und erfordert entsprechende Maßnahmen“, sagte ein Stadtsprecher. Unabhängig vom Einsatz der städtischen Mitarbeiter werde überprüft, ob einzelne gewerbliche Auftragsnehmer beim Winterdienst sogenannte Schlechtleistungen erbracht hätten – also ihre vertragsgemäßen Pflichten nicht erfüllt haben. Sollte dies der Fall sein, werde man entsprechend Rechnungen kürzen. Bisher sei es dazu aber noch nicht gekommen.

● Einrichtungen geschlossen: Wegen des Winterwetters hat die Stadt bis auf Weiteres den Stadtpark, den Großen Garten in Herrenhausen sowie das Freigelände des Berggartens geschlossen. Zugänglich bleiben dagegen die Schauhäuser im Berggarten sowie das Sea Life.

● Überholstreifen bleibt gesperrt: Während die Region in Sachen Streusalz vorerst Entwarnung gibt, muss die Landesbehörde für Verkehr weiterhin haushalten. Die äußeren Überholspuren auf den Autobahnen 2 und 7 im Raum Hannover bleiben gesperrt und werden weder gestreut noch geräumt. Immerhin: Die zulässige Höchstgeschwindigkeit beträgt nun 100 statt 80 Stundenkilometer.

● Papenburg handelt mit Salz: Dass der Straßen-, Tiefbau und Fuhrunternehmer Günter Papenburg über Geschäftssinn verfügt, hat er jetzt wieder bewiesen. Als er im Radio von der sich ankündigenden Knappheit beim Streusalz hörte, erinnerte er sich an eine kleine Kalihalde auf einem Gelände bei Hope (Landkreis Soltau-Fallingbostel), das er vor Jahren erworben hatte. „Wir haben das Material beproben lassen. Es besteht zu 80 Prozent aus Salz“, sagt Papenburgs Logistikleiter Hartwig Kubsch. Seitdem brechen die Mitarbeiter das hart gewordene Salz aus der Halde, bringen es nach Wedemark-Negenborn und mischen dort Sand bei. Das so entstehende Gemisch darf zwar nicht auf Autobahnen und andere sogenannte übergeordnete Straßen gestreut werden, wohl aber auf kommunale. „Wir haben mit dem Gemisch einen Feldversuch in Wunstorf gemacht, der war erfolgreich“, sagt Kubsch. Seitdem floriert der Handel, Negenborner Streugut kommt beispielsweise in Wuppertal, Dortmund, Kassel, Helmstedt, Berlin und in Schleswig-Holstein zum Einsatz. Einem Zeitungsbericht ist zu entnehmen, dass Papenburgs Lastwagen in Wahlstedt bei Bad Segeberg sogar mit Beifall begrüßt wurden, als sie dort einfuhren und die Fahrer das rare Gut verteilten. „Zurzeit verkaufen wir ungefähr 3500 Tonnen Streugut pro Tag“, berichtet Kubsch. Der Tonnenpreis liegt bei 45 Euro.

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