Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama 14 Jahre Haft für Mörder von Bad Reichenhall
Nachrichten Panorama 14 Jahre Haft für Mörder von Bad Reichenhall
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:05 10.07.2015
Feuerwehrleute und Polizisten sicherten am 14. Juli 2014 den Tatort in Bad Reichenhall. Quelle: aktivnews/dpa
Anzeige
Traunstein

Er tat es aus purer Mordlust. Während ganz Deutschland in der Nacht zum 14. Juli 2014 den Sieg der DFB-Elf bei der Fußball-WM feierte, nahm der Soldat sein Kampfmesser aus dem Spind, ging in die Stadt und erstach auf der Straße wahllos einen Rentner. Keine halbe Stunde später verletzte er eine Jugendliche in Bad Reichenhall lebensgefährlich.

Das Opfer ist seitdem auf dem linken Auge blind. Für die tödlichen Messerstiche auf den 72-Jährigen und den Überfall auf die 17-Jährige muss der Täter 14 Jahre ins Gefängnis. Das Landgericht Traunstein verurteilte den 21-Jährigen am Freitag nach dem Jugendstrafrecht wegen Mordes und schwerer Körperverletzung.

"Er wollte töten"

Es erkannte auf besondere Schwere der Schuld, weil die Merkmale Mordlust und Heimtücke gegeben seien. "Man kann von einem mehrfachen Overkill sprechen", sagte der Vorsitzende Richter Klaus Weidmann in seiner Urteilsbegründung. "Er wollte töten, um sich stark und überlegen zu fühlen", charakterisierte er den Angeklagten, der das Urteil ohne erkennbare Regung aufnahm.

Die junge Frau saß währenddessen neben ihren Anwälten und verfolgte die Urteilsbegründung mit gesenktem Kopf. Äußern wollte sie sich anschließend nicht. Entgegen der Anklagebehörde sah die Jugendkammer im Fall des Messerangriffs auf die junge Frau keinen Mordversuch. Weil der Angeklagte dem Opfer, das in einen Hauseingang floh, hätte nachsetzen und die Tat vollenden können, es aber unterließ, erkannte das Gericht einen Rücktritt vom Mordversuch.

Therapie nach Haft wird geprüft

Zusätzlich nahm das Gericht in sein Urteil den Vorbehalt der Sicherungsverwahrung auf. Nach Verbüßung der Haft muss geprüft werden, ob der aus Morbach in Rheinland-Pfalz stammende Mann eingesperrt bleibt. Die Haft soll der Mann, dem Gutachter eine Reifeverzögerung attestierten, in einer jugendtherapeutischen Einrichtung verbringen.

Der Vorsitzende appellierte an den Angeklagten, die Therapie anzunehmen: "Es ist die Chance für Sie, Ihr Leben in die Hand zu nehmen." Den Vorbehalt der Sicherungsverwahrung begründete das Gericht mit dem hohen Gefahren- und Wiederholungspotenzial bei dem aus der Bundeswehr entlassenen Soldaten.

Sogar Verteidiger plädierte auf Mord

Nur wenn die Therapie erfolgreich verläuft, hat der nach Verbüßung der Haft etwa 35-Jährige die Chance auf Freiheit. Außerdem verurteilte die Kammer den 21-Jährigen zu 175.000 Euro Schmerzensgeld an das Opfer. Am Ende des dreimonatigen Prozesses hatte neben Staatsanwaltschaft und Nebenklägern sogar der Verteidiger auf Mord plädiert. Zu erdrückend waren die Beweise.

Im Spind des Elitesoldaten – der Täter war bei den Gebirgsjägern der Bundeswehr in Reichenhall stationiert – wurden die zum Tatmesser gehörende Scheide und seine blutverschmierte Hose gefunden. Zudem hatte die junge Frau den Angeklagten bei ihrer Vernehmung vor Gericht als Täter erkannt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Alle Prozessparteien prüfen, ob sie in Revision gehen.

Paul Winterer und Nadja Wolf

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Panorama Mann erschießt in Mittelfranken zwei Menschen - Amokschütze besaß einen Waffenschein

In Mittelfranken erschießt ein Amokläufer eine Frau und einen Radfahrer. Aus einem Auto heraus bedroht der Schütze weitere Menschen und flüchtet. Kurz darauf Aufatmen: Der Mann ist gefasst. Er wird jetzt psychiatrisch untersucht, teilte die Polizei mit.

10.07.2015
Panorama Unfälle nehmen zu - So gefährlich sind Selfies

In vielen Freizeitsparks und Museen sind Selfiesticks bereits verboten. Aber nicht nur für Kunstwerke, sogar für das eigene Leben kann das Selbstporträt zur Gefahr werden - wie aktuelle Fälle zeigen. Das russische Innenministerium hat sogar Regeln für sichere Selfies herausgegeben.

10.07.2015
Panorama Co-Pilot der Germanwings-Unglücksmaschine - Insolvenz-Verfahren gegen Andreas Lubitz

War Andreas Lubitz verschuldet? Gegen den Co-Piloten des Germanwings-Fluges 4U9525 ist ein Insolvenzverfahren eröffnet worden. Gläubiger können sich nun melden. Lubitz hatte im März 149 Menschen mit in den Tod gerissen.

10.07.2015
Anzeige