Nach der Loveparade-Katastrophe in Duisburg ist die Zahl der Todesopfer auf 21 gestiegen. In der Nacht zum Mittwoch starb eine 25 Jahre alte Frau aus Heiligenhaus bei Essen im Krankenhaus. Das sagte der Duisburger Staatsanwalt Rolf Haferkamp. Unterdessen berichtete die „Süddeutsche Zeitung“, dass das nordrhein- westfälische Innenministerium den Veranstaltern um Fitness- Unternehmer Rainer Schaller große Verantwortung für das Unglück zuweist. Das Blatt beruft sich auf einen vorläufigen Untersuchungsbericht. Innenminister Ralf Jäger (SPD) wollte ihn am Nachmittag vorstellen.
Schaller ist Gründer und Geschäftsführer von Lopavent, die das Raver-Fest am Samstag organisiert hatte. Wie die „Südddeutsche“ schreibt, soll sich Lopavent mehrfach über Bedenken der Behörden hinweggesetzt haben. So habe die Firma völlig falsch berechnet, wie sich die Besucherströme auf dem Gelände verteilen.
Auch die Situation rund um den Unglückstunnel sei von den Machern falsch eingeschätzt worden. Und das, obwohl die Behörden Lopavent auf mögliche Engpässe im Eingangsbereich hingewiesen hätten. Außerdem sollen die Veranstalter in ihrem Sicherheitskonzept 150 Ordner für den Bereich der Rampe und des Tunnels versprochen haben. Vermutlich seien dann aber weniger Ordnungskräfte eingesetzt gewesen, schreibt das Blatt am Mittwoch.
Der Unternehmer Rainer Schaller hat dagegen bisher betont, alle Auflagen der Behörden erfüllt zu haben. Er selbst will Fehler der Polizei bei der Kontrolle der Menschenmassen an den Zugängen ausgemacht haben.
Zur Todesursache des 21. Opfers machte Staatsanwalt Haferkamp zunächst keine Angaben. Inzwischen sind 13 Frauen und 8 Männer nach der Katastrophe tot. Sie waren zwischen 18 und 38 Jahre alt. Mehr als 500 Menschen wurden verletzt.
Die Massenpanik ist das nunmehr schwerste Unglück in Nordrhein- Westfalen seit fast 40 Jahren. Am 27. Mai 1971 starben 46 Menschen in Radevormwald im Bergischen Land bei einem schweren Eisenbahnunfall.
Am Dienstag hatte die Duisburger Staatsanwaltschaft berichtet, dass die bis dahin 20 Todesopfer durch Brustquetschungen ums Leben kamen. Sie seien erstickt. „Anhaltspunkte für Stürze aus großer Höhe als Todesursache haben sich nicht finden lassen“, teilte die Behörde mit.
Auf Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland wächst weiterhin der Druck. Der CDU-Politiker will einem Zeitungsbericht zufolge nicht an der geplanten Trauerfeier am Sonnabend teilnehmen. Sauerland wolle „die Gefühle der Angehörigen nicht verletzen und mit seiner Anwesenheit nicht provozieren“, sagte ein Sprecher der Duisburger Stadtverwaltung der „Rheinischen Post“. Die Stadt bestätigte diese Angaben.
Die Zeitung zitierte zudem Polizeikreise, dass auch Sicherheitsbedenken zu der Absage geführt hätten. Es seien Morddrohungen gegen Sauerland ausgesprochen worden. Sauerland steht im Zentrum heftiger Kritik, da Duisburg die Loveparade unbedingt in der Stadt haben wollte und das Riesenfest genehmigte.
Den Gedenkgottesdienst für die Toten werden der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck und der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland und EKD-, Nikolaus Schneider, leiten. Er ist auch Amtierender Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.
Unterdessen werden die Rufe nach Konsequenzen für künftige Großveranstaltungen lauter. So will das Land Nordrhein-Westfalen neue bundeseinheitliche Regelungen für solche Events erreichen. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) kündigte am Dienstag in Düsseldorf an, sie wolle sich bundesweit für einen besseren Umgang mit Großveranstaltungen einsetzen.
Die Innenexperten von SPD und CDU, Dieter Wiefelspütz und Wolfgang Bosbach, verlangten Mitspracherechte für übergeordnete Behörden bei solche Großveranstaltungen. Entsprechend äußerten sie sich im „Kölner Stadt-Anzeiger“ beziehungsweise in der „Rheinischen Post“.
dpa
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Kommentare
Mal schön langsam jk – 28.07.10
So einfach wie die Mitschuld von Schaller als Veranstalter jedem klar sein dürfte - und diese wird nun umgehend nach weiter unten zu den einzelnen Ordnern durchgereicht werden - so einfach sollte auch die Verantwortung von Bürgermeister, Polizei und Landespolitik klar sein.Wirklich einzig und alleine verantwortlich gezeigt hat sich der Duisburger Baudezernatsleiter Jürgen Dressler, der aufgrund der ihm vorliegenden Informationen jede Verantwortung für diese Veranstaltung im Vorfeld ablehnte, weil er den Wahnsinn kommen sah und sich auch nicht unter Druck setzen ließ.
Wie es im Moment aber scheint, hat man sich auf seiten der Politk und der Polizei auf den Veranstalter Schaller eingeschossen. So wenig ich diesen mag, so einfach ist es eben nicht.
Ich, als Bürger, muß mich auf die Ordnungsbehörden dieses Staates oder/und einer Stadt verlassen können.
Dazu gehört eben auch, dass das Ordnungsamt einer Stadt eine solche Veranstaltung, welche vom Veranstalter nachweislich vollkommen unverantwortlich geplant wurde, eben NICHT genehmigt.
Als letzte Instanz sehe ich die Polizei und den Polizeipräsidenten, welcher aufgrund seiner Position ebenso eine solche Veranstaltung ebenfalls verhindern kann.
All dies ist nicht geschehen.
Diese Amtsträger - Stadt und Polizei - sind für die Sicherheit der Bürger VERANTWORTLICH und haben kraft ihres Amtes dafür zu sorgen, dass wenn ein privater Veranstalter, welcher aufgrund Geldgeilheit oder Unfähigkeit den Überblick verloren hat, dass den Bürgern dennoch kein Schaden entsteht.
Da hilft auch kein Herausgerede, wer für welches Areal in Duisburg verantwortlich war.
Wer erst am Samstagmorgen die Genehmigung für eine am gleichen Tag stattfindende Großveranstaltung mit erwartet 1,4 Millionen Menschen unterschreibt, hatte selber den Wahnsinn vor Augen, nahm eventuelle Todesopfer in Kauf und unterschrieb trotzdem.
Selbst die Gründe, Umstände oder andere Ursachen für eine solche Unterschrift sind vollkommen egal.
Die Unterschrift wurde geleistet und muß nun verantwortet werden. Sie verursachte bis heute 21 tote Menschen und 511 teils Schwerverletzte.
Alle vier Herren der damaligen Pressekonferenz sind vor diesem Hintergrund knastreif, da sie - aus welchen Gründen auch immer - aufgrund der Umstände zu erwartende Todesopfer billigend in Kauf genommen haben.
Ein weiterer Umstand taucht überhaupt nicht mehr in der Presse auf: Die Bundespolizei lies am nächsten Tag sämtliche Unterlagen (Einsatzpläne, Karten, EMails) von ihren Computern verschwinden - Quelle Spiegel !
Warum hören wir davon nichts mehr ?
Ich warte auf den Moment, wo festgestellt wird, dass der Veranstalter ein bis drei gehbehinderte Rentner an den falschen Zugangstoren postiert hatte und diese drei armen Rentner nach Durchlass eines Rettungswagens dieses Tor nicht mehr rechtzeitig schliessen konnten.
Damit ist dann die Politik und die Polizei raus, der Veranstalter gibt die Schadensersatzforderungen an die axa oder an die Rentner weiter und selbige scheiden alsbald aus dem Leben, damit auch die letzte Schuld-Adresse im Sande verläuft.
Eine solche Entwicklung würde mich keinesfalls überraschen.
Vergessen wir übrigens nicht die jetzt allzu schlaue Frau Hannelore Kraft am 25.01.2010 zu zitieren:
"Essen (ots) – NRW-SPD-Chefin Hannelore Kraft fordert von der Landesregierung schnelle und unbürokratische Hilfe, damit die in Duisburg geplante Loveparade 2010 nicht platzt. "Die Loveparade ist ein Stück Jugendkultur, die ins Jahr der Kulturhauptstadt gehört", sagte Kraft im Gespräch mit den Zeitungen der WAZ-Mediengruppe (Montag-Ausgaben). Eine zusätzliche Hilfe könne sein, als Land Sponsoren für die große Techno-Party einzuwerben. "Oberstes Ziel für NRW ist: Die Loveparade 2010 gehört ins Ruhrgebiet", so die SPD-Chefin. Dem Spektakel droht nach 2009 zum zweiten Mal eine Absage, weil die Stadt Duisburg wegen hoher Verschuldung für eine Spaßveranstaltung kein Geld ausgeben darf. Das NRW-Innenministerium prüft derzeit, ob für den Liebesaufmarsch eine Ausnahme ermöglicht werden kann."
Auch die jetzt so schlau daherredende Frau Kraft hat diesen tödlichen Druck mit aufgebaut, der dazu führte, jegliche Bedenken in den Wind zu schlagen.
Sie wäre eine der ersten Personen, welche den Mund halten sollten...