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25.000 Euro für ein Menschenleben

Schmerzensgeld nach Germanwings-Unglück 25.000 Euro für ein Menschenleben

Lufthansa hat den deutschen Hinterbliebenen pauschal 25.000 Euro als Schmerzensgeld angeboten. Zusätzlich sollen nächste Angehörige der Opfer wie Eltern, Kinder oder Lebenspartner ohne weitere Prüfung jeweils ein individuelles Schmerzensgeld von 10.000 Euro erhalten

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Erinnerungen: Am Flughafen Düsseldorf haben Angehörige Briefe und Kerzen zum Gedenken an die Opfer hinterlassen.

Quelle: Federico Gambarini

Frankfurt/Düsseldorf. Gut drei Monate nach dem Absturz der Germanwings-Maschine ziehen Experten erste Schlüsse. So sollen die Anlaufstellen für Mitarbeiter mit psychischen Problemen bei den Fluggesellschaften gestärkt werden. Außerdem soll geprüft werden, wie die Kontrollen auf Medikamente, Drogen oder Alkohol intensiviert werden können, sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) bei der Vorstellung des Zwischenberichts einer Arbeitsgruppe gestern in Berlin. Der Sicherheitsmechanismus der Cockpittür soll demnach unverändert bleiben. Die Vorgabe, dass sich immer zwei Personen im Cockpit aufhalten müssen, wird vorerst beibehalten.

Bei dem Absturz am 24. März in den französischen Alpen kamen alle 150 Menschen an Bord ums Leben, darunter viele Deutsche. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft sperrte der Copilot seinen Kollegen aus dem Cockpit aus und brachte die Maschine absichtlich zum Absturz. Der 27-Jährige hatte nach Überzeugung der Ermittler psychische Probleme und Suizidgedanken. Eine Krankschreibung für den Absturztag hatte er vor seinem Arbeitgeber verheimlicht. Die vielen Mediziner, die er aufsuchte, behielten ihre Diagnosen wegen der ärztlichen Schweigepflicht für sich.

Die Arbeitsgruppe unter dem Dach des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) war kurz nach dem Unglück eingesetzt worden. Dobrindt betonte: „Wir haben die einhellige Einschätzung, dass die Sicherheitsstandards in der Luftfahrt bereits heute außerordentlich hoch sind.“ Handlungsbedarf sehen die Experten vor allem bei der Beurteilung der Flugtauglichkeit. Alle Beteiligten müssten verstärkt für psychische Erkrankungen sensibilisiert werden, raten sie in ihrem Bericht. Anlaufstellen für Crewmitglieder, die psychische Probleme haben oder bei Kollegen feststellen, sollten EU-weit verbindlich vorgeschrieben werden. Ob es bei Piloten künftig Zufallskontrollen auf Medikamente, Alkohol oder Drogen geben soll, ist noch offen. Wichtig wäre aus Sicht der Experten außerdem, dass Mediziner, Psychologen und Aufsichtsbehörden einen Überblick über die Krankengeschichte bekommen können. Derzeit gehen solche Daten nur pseudonymisiert an Behörden. Nun soll geprüft werden, ob Alternativen denkbar sind, ohne den Datenschutz oder die ärztliche Schweigepflicht zu verletzen.

Die betroffene Fluggesellschaft Lufthansa hat den deutschen Hinterbliebenen pauschal 25.000 Euro als Schmerzensgeld angeboten. Zusätzlich sollen nächste Angehörige der Opfer wie Eltern, Kinder oder Lebenspartner ohne weitere Prüfung jeweils ein individuelles Schmerzensgeld von 10.000 Euro erhalten, wie die Fluggesellschaft am Dienstag mitteilte. Das Schmerzensgeld solle nicht mit den bereits geleisteten 50.000 Euro Soforthilfe verrechnet werden, erläuterte ein Lufthansa-Jurist. Das Schmerzensgeld werde zusätzlich zu den Leistungen aus dem Opferentschädigungsgesetz fließen, für das sich Angehörige an den Staat wenden müssen. Der Mönchengladbacher Anwalt Christof Wellens nannte das Angebot nicht angemessen: „Ich kann mir kaum vorstellen, dass auch nur eine Opferfamilie das annimmt“, sagte Wellens, der 15 Opferfamilien vertritt.

Die Fälle der Todesopfer aus anderen Ländern müssten nach dem jeweiligen nationalen Recht behandelt werden, erläuterte die Lufthansa. In Spanien würden materielle wie immaterielle Schäden über die sogenannte Baremo-Tabelle abgewickelt. Ob britische oder US-amerikanische Gerichte über Entschädigungen ihrer Staatsbürger entscheiden könnten, sei noch offen. Bei dem Absturz des Germanwings-Jets am 24. März, der den Ermittlern zufolge vom lebensmüden Copiloten Andreas Lubitz herbeigeführt wurde, kamen in den französischen Alpen alle 150 Menschen an Bord ums Leben. Ein Versicherungskonsortium mit der Allianz an der Spitze hat 278 Millionen Euro zur Schadensregulierung zurückgestellt.

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