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Zahl der Toten in Tunesien erhöht sich auf 37

Terrorakt in Tui-Hotel Zahl der Toten in Tunesien erhöht sich auf 37

Beim blutigsten Terroranschlag in Tunesiens jüngerer Geschichte sind 37 Menschen getötet worden, darunter mehrere ausländische Touristen. Nach Angaben der tunesischen Regierung sind auch deutsche Urlauber unter den Opfern.

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Bei einem Terrorakt in einem tunesischen Hotel sind 28 Menschen getötet und zahlreiche verletzt worden.

Quelle: afp
  • Mindestens 37 Menschen sind bei einem Angriff auf ein Hotel im tunesischen Urlaubsort Sousse getötet worden.
  • Das Auswärtige Amt richtete einen Krisenstab ein. Eine Hotline ist unter der Telefonnummer 030-5000-3000 geschaltet.
  • Bei dem Hotel handelt es sich um das „Imperial Marhaba“ der Riu-Kette in Sousse, das zum Tui-Konzern gehört. Tui hat für seine Kunden die Hotline 0511/567 80 00 eingerichtet.

Sousse. Wie ein Sprecher des Innenministeriums mitteilte, wurden bei dem Angriff auf das Strandhotel „Imperial Marhaba“ nahe der Stadt Sousse am Freitag zahlreiche weitere Menschen verletzt.

Unter den 37 Opfern des Terrorangriffs in Tunesien sind nach Angaben der tunesischen Regierung auch deutsche Urlauber. Das berichteten staatliche Medien am Freitag unter Berufung auf das Gesundheitsministerium in Tunis. Vom Auswärtigen Amt gab es dafür zunächst keine Bestätigung. Den tunesischen Angaben zufolge stammen die Todesopfer aus Deutschland, Großbritannien, Belgien und Tunesien. 36 Verletzte seien auf verschiedene Krankenhäuser im Großraum Sousse verteilt worden.

Anschlag in Lyon

Ebenfalls am Freitag verübten Terroristen einen Anschlag auf eine Gasfabrik nahe Lyon.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mahnte zu einem entschlossenen Kampf gegen den internationalen Terrorismus. „Die Meldungen machen uns allen noch einmal klar, vor welchen großen Herausforderungen wir stehen, wenn es um den Kampf gegen Terrorismus und islamistischen Terrorismus geht.“ Ebenso wie die Kanzlerin sprach auch Bundespräsident Joachim Gauck den Tunesiern sein Beileid aus. 

Der Angriff auf das Hotel in Sousse - 120 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Tunis - geht nach Angaben des tunesischen Innenministeriums auf das Konto von zwei Terroristen. Nach Angaben von Augenzeugen begann der Überfall am vollbesetzten Strand, wo die beiden Männer wild um sich schossen. Einer der Angreifer wurde von Sicherheitskräften getötet. Der zweite Mann wurde festgenommen.

Nach Angaben des tunesischen Gesundheitsministeriums sind unter den Opfern Deutsche, Briten und Belgier. Im Auswärtigen Amt hieß es dazu zunächst nur, die Botschaft arbeite „mit Hochdruck“ an Aufklärung. Der Reisekonzern Tui berichtete von aktuell etwa 260 deutschen Urlaubern in Sousse. Leider müsse man davon ausgehen, dass auch Tui-Kunden unter den Opfern seien.

Die deutsche Botschaft riet allen Staatsbürger in einer per E-Mail versandten Mitteilung, die Umgebung des von tunesischen Sicherheitskräften abgeriegelten Tatorts zu meiden. Salwa al-Kadri, eine Reiseführerin, die sich nach der Tat in dem Hotel aufhielt, sagte der Deutschen Presse-Agentur am Telefon, unter den Toten seien mehrere Deutsche. Die meisten Opfer stammten jedoch aus Großbritannien, fügte sie hinzu.

Tunesien brauche Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus, sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). „Der heutige Anschlag kann uns darin nur bestärken“, fügte er hinzu.

Hotel gehört zu Tui-Konzern

Bei dem Hotel, das Ziel eines Terroranschlags wurde, handelt es sich um das „Imperial Marhaba“ der Riu-Kette in Sousse, das zum Tui-Konzern gehört. Aktuell befinden sich rund 260 Urlauber des Veranstalters in der Region. Insgesamt befinden sich etwa 3800 Tui-Gäste in Tunesien.

Das Auswärtige Amt rät in seinem aktualisierten Reisehinweis für Tunesien zu besonders umsichtigem Verhalten. Eine Reisewarnung sprach die Behörde nicht aus. Der Deutsche Reiseverband (DRV) hat derzeit noch keine weitere Informationen zur Lage vor Ort. Die DER Touristik-Gruppe bot ihren Kunden kostenlose Stornierungen und Umbuchungen für alle Tunesien-Reisen mit Abflug bis zum 10. Juli an. Gleichzeitig organisierte das Unternehmen nach eigenen Angaben Flugkapazitäten, um Gäste, die das Land vorzeitig verlassen wollten, nach Deutschland zurück zu fliegen. Die deutschen Veranstalter der Thomas Cook AG machten Kunden bis Abflug 24. Juli das gleiche Angebot. Tui bietet ebenfalls kostenlose Stornierungen und Umbuchungen für bereits gebuchte Reisen an.

Anschlag auf Bardo-Museum im März

Erst im März waren in Tunesien bei einem Terrorangriff auf das berühmte Bardo-Museum in der Hauptstadt mehr als 20 Menschen getötet worden. Im April 2002 waren bei dem bis dahin schwersten Terroranschlag in Tunesien auf eine Synagoge in Djerba 21 Menschen ums Leben, darunter 14 deutsche Urlauber.
In Tunesien sind sowohl Anhänger des Terrornetzwerk Al-Kaida sowie der IS-Miliz aktiv. Am Montag ist der erste Jahrestag der Gründung des „Kalifats“ in Syrien und dem Irak durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Vier Jahre nach Arabischem Frühling

Tunesien kommt auch mehr als vier Jahre nach dem Beginn der „Arabellion“ und dem Sturz des autoritär regierenden Staatschefs Zine El Abidine Ben Ali nicht zur Ruhe. Bei einem Angriff auf ein Hotel im tunesischen Urlaubsort Sousse erschoss ein Mann am Freitag 27 Menschen, darunter ausländische Touristen. Hier ein Überblick über die Entwicklung seit Ende 2010:

17. Dezember 2010: Der Gemüsehändler Mohamed Bouazizi zündet sich an, weil er sich von den Behörden seiner Lebensgrundlage beraubt sieht. Die Verzweiflungstat gilt als Auslöser der folgenden landesweiten Massenproteste.
14. Januar 2011: Unter dem Druck der Massenproteste flieht der seit 23 Jahren amtierende Präsident Zine El Abidine Ben Ali nach Saudi-Arabien.
25. Februar 2011: Regierungsfeindliche Proteste zwingen Ministerpräsident Mohamed Ghannouchi, den letzten aus der Ära Ben Ali, zum Rücktritt.
27./28. Oktober 2011: Nach Bekanntgabe der Ergebnisse der ersten freien Wahlen erschüttern gewaltsame Unruhen die Stadt Sidi Bouzid. Die islamistische Ennahda-Partei geht als Sieger aus den Wahlen hervor.
14. September 2012: Vier Menschen werden bei gewaltsamen Protesten vor der US-Botschaft gegen einen islamkritischen Film getötet.
6. Februar 2013: Der prominente Oppositionsführer Chokri Belaid wird erschossen. Das Attentat führt erneut zu schweren Unruhen, der islamistische Ministerpräsident Hamadi Jebali tritt als Konsequenz zurück.
25. Juli 2013: Ein weiterer Oppositionsführer, Mohamed Brahmi, wird erschossen. Auch hinter diesem Attentat werden islamistische Extremisten vermutet.
2. August 2013: Die Streitkräfte starten eine Offensive gegen islamistische Aufständische am Berg Chaambi an der Grenze zu Algerien.
4. Februar 2014: Der mutmaßliche Mörder Belaids wird bei einer Polizeirazzia getötet. Er ist einer von sieben schwer bewaffneten Extremisten, die bei dem Einsatz erschossen werden.
16. Juli 2014: Am Berg Chaambi an der Grenze zu Algerien töten Dschihadisten 15 Soldaten. Es ist der tödlichste derartige Angriff in der Geschichte der tunesischen Streitkräfte.
21. Dezember 2014: Der anti-islamistische Politikveteran Béji Caid Essebsi gewinnt die erste freie Präsidentschaftswahl in Tunesien.
18. März 2015 : Bei einem Anschlag schwer bewaffneter Angreifer auf das Nationalmuseum von Bardo in Tunis sterben 21 ausländische Touristen, ein Polizist und zwei Attentäter. Obwohl die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) sich zu dem Anschlag bekannte, machte die tunesische Regierung die mit dem rivalisierenden Al-Kaida-Netzwerk verbündete islamistische Brigade Okba Ibn Nafaa dafür verantwortlich.
26. Juni 2015: Ein bewaffneter Mann erschießt in einem Hotel im Urlaubsort Sousse 27 Menschen, darunter ausländische Touristen. Der Angreifer wurde getötet.

dpa

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