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Erfolgreichstes Glücksspiel hat Geburtstag

60 Jahre Lotto Erfolgreichstes Glücksspiel hat Geburtstag

Seit dem 9. Oktober 1955 bestimmen sechs kleine Bälle über großen Geldsegen für Glücksspieler. Zum Lotto-Auftakt zog Waisenkind Elvira Hahn in einem Hamburger Hotel die Glückszahl 13. Als Lohn bekam sie Kakao und Kuchen.

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Am 9. Oktober 1955 um 16 Uhr wirft Notar Walter Kuckuck (l.) die Plexiglaskugeln mit den verschlossenen Losröllchen in das Ziehungsrad, Ausspielleiter Jürgen Klawitter (r.) zeigt einen Kasten, in dem die 49 Kugeln liegen. Waisenmädchen Elvira Hahn (Mitte) zog die erste Kugel.

Hamburg. Das deutsche Lotto hat eine bewegende Geschichte hinter sich. An diesem Freitag wird das Konzept "6 aus 49" bereits 60 Jahre alt. Ein kleiner Rückblick zum Jubiläum:

  • Die erste Glücksfee war die zwölfjährige Elvira Hahn. Das Waisenmädchen zog am 9. Oktober 1955 im Hamburger Hotel "Mau“ die ersten deutschen Lottozahlen. Hahn bekam als Lohn eine Tasse Kakao und ein Stück Kuchen.
  • Die 13 war die erste Lottozahl, die 1955 gezogen wurde.
  • Die Zahlen standen damals auf Losen, die verschlossen in 49 große Plexiglaskugeln gesteckt wurden. Sie wurden dem Publikum vor Ort in einer Kiste präsentiert und stichprobenartig geöffnet. Dann warf der Notar sie in die hölzerne Lostrommel.
  • Heute sind Lottokugeln schlicht mit Zahlen bedruckte Tischtennisbälle.
  • Sechs Richtige hatte am ersten Ziehungstag kein Spieler. Das passierte erst am 13. November 1955 – und zwar gleich dreifach. Jeder Gewinner erhielt knapp 60 000 Mark. Zum ersten Millionär wurde am 2. September 1956 ein Bremer.
  • In der ehemaligen DDR wurde seit dem 9. Januar 1972 Tele-Lotto gespielt. Die Sendung präsentierte die Ziehung der Zahlenlotterie „5 aus 35“. Mit dem Ende der DDR wurde Tele-Lotte eingestellt.
  • Die Zusatzzahl wurde erst ein Jahr später im Juni 1956 eingeführt. Drei Monate später, im September 1956, wurde die Lottoziehung erstmals live im Fernsehen übertragen.
  • Das moderne Zahlenlotto „6 aus 49“ hat sein Vorbild in Italien, genauer gesagt 1575 in Genua. Dabei ging es eigentlich um die Wahl der Senatoren. Man schrieb 90 Namen auf Lose, fünf wurden gezogen. Die Bürger konnten auch Wetten darauf abschließen, wer in den Rat gewählt werden würde. Im Laufe der Zeit übernahm die Stadt die Organisation dieser Wetten in eigener Regie. Aus der Senatorenwahl entwickelte sich nach und nach das bekannte Lotto mit der Spielformel „5 aus 90“, was sich nach und nach über ganz Italien ausbreitete.
  • Die am häufigsten gezogenen Zahlen in Deutschland sind seit 1955 die 3, 6, 11, 22, 38, 49. Am seltensten fielen die Kugeln mit der 12, 21, 28, 44, 45 und der 46.
  • Der bisher größte Jackpot lag bei 45,4 Millionen Euro. Im Dezember 2007 wurde er an drei Tipper ausgespielt.
  • Die Wahrscheinlichkeit, sechs Richtige plus Superzahl zu tippen, beträgt rund 1 zu 140 Millionen, die Chance auf einen Sechser etwa 1 zu 15,5 Millionen.
  • Am 23. Januar 1988 tippten 222 Menschen dieselben sechs Richtigen und zwar die 24, 25, 26 sowie die 30, 31 und 32. 1999 wurden bei einer Ziehung die fünf richtigen Zahlen 2, 3, 4, 5, 6 von 38 000 Spielern getippt. Sie erhielten jeweils 380 Mark. 2014 wurde mit 9, 10, 11, 12, 13 zum dritten Mal in der Lottogeschichte eine Zahlenreihe gezogen. Drei Spieler lagen richtig.
  • Das Phänomen, dass viele Spieler eine Zahlenreihe tippen, kommt häufiger vor. Denn Menschen spielen gerne in Systemen. Die meisten tippen Geburtstage, Reihen oder Primzahlen. Am häufigsten werden beispielsweise die Zahlen 7, 13, 19, 15, 31 und 37 getippt.
  • Diese Pannen und Kuriositäten bleiben unvergessen: Im Juni 1977 wurden dieselben Gewinnzahlen der niederländischen Lotterie eine Woche später beim Lotto „6 aus 49“ in Deutschland gezogen. Sechs Richtige gab es damals gleich 205-mal, weil viele Spieler die Zahlen einfach übernommen hatten.
  • Im April 2013 kam es zur wohl schwersten Panne: Beim Mittwochslotto im ZDF rollten nicht alle Kugeln in die Trommel, zwei blieben hängen. Die Zahlen wurden für ungültig erklärt, die Ziehung wiederholt.
  • Lottomillionäre mit Pechsträhne gab es auch einige. Der prominenteste Fall dürfte Lotto-Lothar sein. Der Arbeitslose aus Hannover gewann 1994 umgerechnet 2 Millionen Euro, kaufte sich einen Rennwagen und verprasste sein Geld auf Partys und für Alkohol. Fünf Jahre später war „Lotto-Lothar“ tot.
  • Elvira Hahn, die Glücksfee der ersten Ziehung, spielt ebenfalls bis heute Lotto. „Die 13 ist immer dabei, aber ich habe noch nie gewonnen“, sagte die 72-Jährige.

Der Erfinder

Lothar Lammers ist der Erfinder des modernen Lottospiels wie man es heute kennt. Doch Lammers erlebt das 60. Jubiläum seiner Formel "6 aus 49" nicht mehr: Vor mehr als drei Jahren starb der Vater des Kreuzchen-Glücksspiels mit 86 Jahren.

1926 wurde Lammers im ostwestfälischen Höxter geboren. Nach seiner Rückkehr aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft im Jahr 1947 begann er ein Studium in Köln – und sein Leben für das Glücksspiel. Als Hilfskraft jobbte er zunächst nebenbei in der Wettscheinauswertung bei der Westdeutschen Fußball-Toto GmbH.

Mit einem Freund, dem mathebegabten Journalisten Peter Weiand, entwickelte er bald die Idee für das heutige Lotto als Alternative zum Fußball-Tippspiel. Glücksspiel sollte einfacher sein, kein Spezialwissen voraussetzen. Weil sie mit dem Konzept bei den Fußball-Toto-Chefs immer wieder abblitzten, gründeten sie schließlich ihre eigene Lotteriegesellschaft.

"6 aus 49" war nur der Anfang: Bis zur Rente im Jahr 1986 war Lammers an der Entwicklung zahlreicher Lotto-Produkte beteiligt.

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