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Panorama Der Kampf der Eulen
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07:06 24.08.2015
Von Dirk Schmaler
7 Uhr – och nö: Die meisten deutschen Kinder sind Spätaufsteher. Quelle: Patrick Pleul/dpa
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Hannover

Wenn nun bald das neue Schuljahr startet, beginnt für viele wieder die Quälerei. Nicht nur, weil die Hausaufgaben sie schaffen oder die nächsten Klausuren ihnen Sorge bereiten. Es ist vor allem das frühe Aufstehen, das Schülern ernsthaft Probleme bereitet. Der Grund ist genetisch bedingt: Zwei Drittel der Jugendlichen gehören chronobiologisch gesehen zum „Eulen“-Typ. Beim Unterrichtsstart – meist zwischen 7.30 Uhr und 8 Uhr – sind Körper und Geist weder ausgeschlafen noch aufnahmefähig. Chronobiologe Till Roenneberg spricht gar von „genetischer Diskriminierung“ durch den frühen Unterrichtsbeginn, der für manche in die Tiefschlafphase fällt. 

Forderungen, etwa von der ehemaligen Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) und der aktuellen Manuela Schwesig, die Schulzeit eine Stunde nach hinten zu verlegen, blieben in den zuständigen Ländern bisher ungehört. Dabei sind die Folgen des „sozialen Dauerjetlags“ enorm. Studien belegen, dass die Kinder erfolgreicher lernen und Jugendliche zu weniger Nikotin und Koffein greifen, wenn die Schule später beginnt. Experte Roenneberg schreibt in seinem Buch „Wie wir ticken“, ein Leben gegen die innere Uhr „bedroht unsere Gesundheit und Lebensqualität“.

Eulen-Typ Schröder sieht ihre Chronogattung in Deutschland kulturell benachteiligt gegenüber den Lerchen. Obwohl Forscher herausgefunden hätten, dass ausgeschlafene Kinder leistungsfähiger, gesünder und stressresistenter seien, sei frühes Aufstehen noch immer eng mit Fleiß und Disziplin verbunden, erklärte die Bundestagsabgeordnete kürzlich. Sie will nun für Oberstufenschüler ein Pilotprojekt beginnen, um einen Schulstart um 9 Uhr zu erproben.

Doch die Widerstände sind groß. Busfahrpläne müssten angepasst werden, Schulen müssten Mittagessen anbieten und den Unterricht noch stärker in den Nachmittag verlegen. Eltern hätten womöglich ein frühmorgendliches Betreuungsproblem, weil ihre Arbeitgeber die Zeitverschiebung nicht mitmachten. Und auch viele Lehrer sträuben sich gegen veränderte Abläufe. Das Problem der Eulen: Der Biorhythmus verändert sich im Laufe der Jahre. Die über 50-Jährigen, oft die Entscheidungsträger, sind Studien zufolge mehrheitlich zu Lerchen geworden.

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