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Die "Pipi-Damen" kämpfen um ihren Job

Ärger um Luxus-Toiletten in Paris Die "Pipi-Damen" kämpfen um ihren Job

Die Toiletten in Pariser Sehenswürdigkeiten wie der Kathedrale Notre-Dame sollen zu Boutiquen umgebaut werden, damit Touristen dort Accessoires einkaufen. Für die Toilettenfrauen ist dann kein Platz mehr. Sie kämpfen deshalb um ihren Job.

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Ihre Dienste sind nicht mehr erwünscht: Toilettenfrau Gabrielle Adams. 

Quelle: afp

Paris. Jahrzehntelang verbrachten sie ihre Arbeitstage "in den Toiletten von Paris", wie sie sagen. Neben einem Schälchen für die Münzen empfingen sie am Eingang die Touristen, die ein dringendes Bedürfnis aufs stille Örtchen trieb. Sie wischten den Boden und über die Kloschüsseln, während ihre Besucher sich wieder prächtigeren Orten zuwendeten: der Basilika Sacré-Cœur, der Kathedrale Notre-Dame oder dem Triumphbogen. "Pipi-Damen" werden sie genannt, nach dem in Frankreich gängigen und nicht nur von Kindern benutzten Ausdruck "faire pipi", "Pipi machen".

Es gibt glamourösere Jobs – aber die Mitarbeiterinnen wollten den ihren behalten. Trotzdem stehen sie nun auf der Straße, seit der Betreiber der öffentlichen Toiletten an den Pariser Touristenattraktionen gewechselt hat und sich der neue weigert, die bisherigen Angestellten zu übernehmen.

"Man behandelt uns, als existierten wir nicht mehr", klagt die 45-jährige Mahliya Fiokouna. "Ich schlafe nicht mehr, ich habe drei Kinder und eine Miete zu bezahlen." Gabrielle Adams sagt: "Wir werden weggeworfen wie alte Lappen. Wieso finden wir uns in einer solchen Lage wieder?"

Die elf betroffenen Frauen haben geringe Chancen auf eine andere Anstellung. Neun von ihnen wehrten sich, protestierten vor einer ihrer einstigen Arbeitsstellen im belebten Montmartre-Viertel und zogen mit einem Eilantrag vor das Pariser Arbeitsgericht – das diesen nun ablehnte.

Das Unternehmen, das Toiletten betreibt, will die stillen Örtchen in "Toilettenboutiquen" umwandeln und sie auch für den Verkauf von Accessoires wie Klopapierrollenhalter oder Plüschtiere nutzen. In das neue Konzept passen die bisherigen Mitarbeiterinnen nicht mehr. "Sie sagen, dass wir nicht das erwünschte Profil haben, und wollen, dass man mehrere Sprachen spricht", erklärt Mahliya. Und das für einen Nettolohn von 1250 Euro im Monat.

Von Birgit Holzer

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