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Panorama Ätzende Rauchwolke über Oberhausen
Nachrichten Panorama Ätzende Rauchwolke über Oberhausen
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13:16 16.02.2017
Die sichtbare Wolke hat eine Ausdehnung von mehreren hundert Metern. Quelle: dpa
Oberhausen

Eine gefährliche Säurewolke ist nach einem Zwischenfall in einem Chemiebetrieb über Teile von Oberhausen im Ruhrgebiet gezogen. Die Behörden warnten die Anwohner, ihre Wohnungen nicht zu verlassen und Fenster und Türen geschlossen zu halten.

150 wegen Atemwegsbeschwerden behandelt

Ein Sprecher der Feuerwehr berichtete von einer „drückenden Wetterlage“, die dafür sorge, dass sich die gefährliche Wolke in Bodennähe befinde. Die Stadt Oberhausen richtete eine Bürgertelefon ein.

Bei einem Unfall in einem Chemiebetrieb in Oberhausen werden gefährliche Stoffe frei. Die Behörden warnen die Bevölkerung.

Mehr als 150 Menschen wurden wegen Atemwegsbeschwerden behandelt. „Sie haben Atemwegsreizungen, aber es sind leichte Fälle“, sagte ein Sprecher der Feuerwehr Oberhausen. Unter den Betroffenen seien 110 Mitarbeiter der Wirtschaftsbetriebe Oberhausen, die in der Nähe einen Werkhof unterhalten. Die anderen 40 Betroffenen, die sich mit Atemwegsreizungen meldeten, seien Mitarbeiter des Unternehmens, in dem der Unfall passierte.

Feuerwehr bekämpft Säurewolke mit Wasserwerfern

Aus einem Tank mit 600 Kubikmetern Fassungsvermögen war 96-prozentige Schwefelsäure ausgetreten. Dabei seien Dämpfe und eine Schwefelsäure-Wolke entstanden, teilte die Feuerwehr mit. Die Ursache für den Zwischenfall war zunächst unklar. Die sichtbare Wolke habe eine Ausdehnung von mehreren Hundert Metern und ziehe in Richtung Nordost, sagte ein Sprecher. Die Einsatzkräfte setzten Wasserwerfer ein, um sie zu bekämpfen.

Die Behörden sicherten den Bereich weiträumig ab. Dadurch kam es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. „Mehrere Hauptverkehrsadern sind gesperrt“, sagte ein Polizeisprecher.

Erhebliche Verkehrsbehinderungen

Die Folgen sind erheblich: Im direkten Umkreis der Firma wurden Menschen in Sicherheit gebracht, laut Medienberichten wird das gesamte Gewerbegebiet evakuiert.

In der Umgebung wurden zahlreiche Straßen gesperrt, darunter auch die Autobahn A42. Das Einkaufszentrum Centro wurde nach Polizeiangaben geschlossen. Die Deutsche Bahn rechnete damit, dass auf der Linie von Wesel nach Düsseldorf und Koblenz zwischen dem Hauptbahnhof Oberhausen und Sterkrade bis zum Nachmittag keine Züge fahren können. Im Nahverkehr wurde der Betrieb mehrerer Bus-Linien vorübergehend eingestellt. Auf dem Rhein-Herne-Kanal wurde der Schiffsverkehr gestoppt.

Warum der Behälter mit der Säure gebrochen ist, war zunächst unklar. Der Tank soll relativ voll gewesen sein. Er sei aber nicht komplett leer gelaufen. Nachdem er im oberen Bereich geborsten war, lief die Säure in ein Auffangbecken. Dabei entstanden den Einsatzkräften zufolge die gefährlichen Dämpfe.

Später berichtete die Feuerwehr, dass die Säurewolke über Oberhausen „weitestgehend niedergeschlagen“ worden sei. Es werde aber noch ein bis zwei Stunden dauern, bis es gesicherte Informationen gebe, ob von dem gebrochenen Säuretank weiterhin eine Gefahr ausgehe, sagte Feuerwehrleiter Gerd Auschrat. Der geborstene Tank in einer Chemiefabrik wird nun mit Tanklastwagen geleert. Das werde noch viele Stunden dauern. Insgesamt seien rund 130 Sicherheitskräfte im Einsatz.

Gefährliche Schwefelsäure

Schwefelsäure ist einer der wichtigsten Grundstoffe in der chemischen Industrie. Verwendet wird sie zur Herstellung von Dünger, Wasch- oder Arzneimittel sowie von Sprengstoffen.

Beim Umgang mit der aggressiven, in reinem Zustand öligen und farblosen Säure ist Vorsicht geboten: In konzentrierter Form zerstört sie organisches Gewebe wie Haut oder Fleisch. Gelangt die Säure in die Augen, droht Blindheit. Vermischt sich konzentrierte Schwefelsäure mit Wasser, wird starke Hitze freigesetzt, so dass die Mischung zu kochen beginnen kann.

Übrigens haben Autofahrer meist Schwefelsäure mit an Bord - wenn auch in verdünnter Form: Als Batteriesäure ist sie wichtiger Bestandteil von Autobatterien.

Von dpa/RND/zys