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Im Lendenschurz berühmt geworden

Elijah Alexander Im Lendenschurz berühmt geworden

Fast nackt sitzt Elijah Alexander Tag für Tag auf der Parkbank am „Lafayette Square“ unweit des Weißen Hauses. Der 70-Jährige trägt weder Hemd noch Schuhe, nur eine zerschlissene kurze Jeanshose, die eher an einen Lendenschurz erinnert. Der seltsame Mann hat sich in den vergangenen Jahren zu einer Institution der US-Hauptstadt entwickelt.

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Der Mann der leisen Töne: Elijah Alexander auf seiner Bank gegenüber dem Weißen Haus.

Quelle: dpa

Washington. Zumeist liest er die „Washington Post“, wenn er nicht gerade in ein Gespräch mit Passanten verwickelt ist. Polizisten grüßen ebenso wie Regierungsmitarbeiter. Immer betont freundlich und selten um einen Ratschlag verlegen, erscheint Alexander wie ein Gegenentwurf zur Machtzentrale der westlichen Welt. „Wir sollten uns von allem Ballast befreien und uns auf das Wesentliche im Leben konzentrieren“, lautet eine seiner Weisheiten. In subtropischen Regionen wie im District of Columbia sei Kleidung – zumindest an den meisten Tagen – ebenso überflüssig wie der überwiegende Teil der materiellen Güter. Wie Alexander, der in Washington auch den Beinamen „Nature Boy“ trägt, gern erzählt, verzichte er daher seit mehr als 30 Jahren auf Oberbekleidung und Schuhe. Wenn es ihm zu kalt werde, ziehe er sich in ein kleines Appartement zurück, das ihm Wohlfahrtsverbände seit zwei Jahren finanzieren. 

Wer Passanten nach ihrer Einschätzung über Alexander befragt, erhält erstaunliche Antworten: „Elijah ist der einzige aufrichtige Mensch im Umkreis von fünf Meilen“, sagt Jason Brandner, ein 35-jähriger IT-Experte im Regierungsdienst. Tatsächlich wirkt der Mann mit den langen weißen Haaren und dem weißen Rauschebart nicht nur skurril, sondern auf eine spezielle Weise auch besonders: „Es ist wie eine kurze Mahnung, sich selbst in der schnelllebigen Welt nicht zu verlieren“, meint Maren McCarter. Die junge Frau kommt mit ihrem kleinen Sohn mehrmals die Woche am „Lafayette Square“ vorbei und lässt sich gern auf ein kurzes Gespräch mit dem alten Mann ein. Die Botschaften, die Alexander parat hält, sind allerdings keineswegs nur oberflächlich. Er habe mehrere Jahre im Vietnamkrieg gedient und anschließend nicht mehr den Einstieg ins bürgerliche Leben gefunden. Während sich täglich Demonstranten zwischen dem „Lafayette Square“ und dem Weißen Haus versammeln und lautstark gegen die unterschiedlichsten Missstände protestieren, wählt Alexander die leise Tonart.

Erst nach einem Gespräch deutet der Stadtstreicher an: „Amerika ist ein reiches Land. Wer aber Hilfe in einer psychiatrischen Klinik sucht, wird oftmals abgewiesen, wenn er nicht sofort zahlen kann.“ Sein „Büro“ auf der Parkbank allerdings möchte Elijah Alexander schon bald wechseln. 2016 will er eigentlich als Präsident ins Weiße Haus ziehen. Die erste Amtshandlung? Weltfrieden.

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