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Panorama Hitze – und ihre Schattenseiten
Nachrichten Panorama Hitze – und ihre Schattenseiten
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08:18 07.08.2015
Bewässerung von Weinstöcken in Baden-Württemberg: Angesichts der Hitze drohen viele Pflanzen zu vertrocknen. Quelle: Wolfram Kastl/dpa
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Hannover

Wer sommerliche Hitze liebt, muss in diesem Jahr in den Ferien nicht verreisen. In Süddeutschland ist es zeitweise heißer als am Mittelmeer. Hierzulande gibt es seit Wochen Sonne satt, das mag Urlaubern gefallen. Aber das Wetter hat auch Schattenseiten

Trockenheit

In vielen Regionen ist es nicht nur heiß, sondern es hat auch viel zu wenig geregnet. Zahlreiche Grünanlagen sind braun, Rasenflächen verdorrt. Jeder dritte im Frühjahr frisch gepflanzte Baum droht zu vertrocknen - heißt es zumindest über die Wälder in Hessen. Auch ausgewachsene Bäume haben Probleme und werden anfällig für Schädlinge und Krankheiten. Im Schlosspark von Potsdam-Sanssouci sorgen sich die Gärtner um jahrhundertealte Bäume, viele davon aus der Zeit von Preußenkönig Friedrich dem Großen (1712-1786). "Für Pflanzen und Grünflächen ist das Wetter purer Stress", sagt der Sprecher der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Frank Kallensee.

Gesundheit

Für den menschlichen Organismus ist Hitze eine Riesenbelastung. Das Herz leiste Schwerarbeit, und zwar Tag und Nacht, sagt Medizinmeteorologin Angelika Grätz vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Um den Körper zu kühlen, wird Schweiß produziert und auf die Haut geleitet. Dort verdunstet er und sorgt für Kühlung. Ohne Wind - wenn die Luft "steht" - fließt er in Strömen am Körper hinunter, die Kühlung funktioniert dann nicht. Ein Kreislaufkollaps droht. Grätz rät, bei Hitze mindestens doppelt so viel zu trinken wie sonst. Um das Herz nicht zu überfordern, sollte man sich langsam bewegen und wenn möglich in der größten Mittagshitze eine Siesta machen.

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Trinken, Trinken, Trinken: Jeder weiß es, doch viele befolgen es dennoch nicht: Bei hohen Temperaturen verliert der Körper viel Flüssigkeit. Die Reserven müssen wieder aufgefüllt werden. "Der Flüssigkeitsbedarf ist bei der Hitze größer, man sollte mehr trinken als sonst", sagt Prof. Urs Leonhardt, Internist im Friederikenstift Hannover. Sonst könne es zu Schwindel, Müdigkeit oder Konzentrationsschwäche kommen. Grundsätzlich empfehlen Ärzte, am Tag 2 Liter Flüssigkeit zu sich zu nehmen - in diesen Tagen sollte es ruhig das Doppelte sein. Jedoch sollte man auf zuckerhaltige Getränke verzichten, sondern vor allem auf Wasser, Kräutertees und verdünnte Säfte zurückgreifen.

Algen

Mit den steigenden Wassertemperaturen wachsen in vielen Badeseen Algen besonders stark und verwandeln das Wasser in eine schleimige Brühe. Im Buga-See in Kassel etwa ist deshalb das Baden verboten. Bestimmte Blaualgen können nach Angaben der Stadt Giftstoffe enthalten. Hautreizungen und im Einzelfall auch ernste Gesundheitsprobleme seien möglich. Auch an einigen Seen in Schleswig-Holstein trüben Blaualgen und Saugwürmer das Badevergnügen.

Wespen

Sie werden im Spätsommer lästig, und in diesem Jahr gibt es wegen der Wärme besonders viele der schwarz-gelben Insekten. Bis zu 2000 Tiere können nach Angaben des Naturschutzbundes Nabu in einem Nest leben. Wenn die Entwicklung der Brut abgeschlossen ist und die Arbeiterinnen keine Larven mehr füttern müssen, kommen sie Menschen besonders nah. Sie fliegen dann auf Süßes. Angst vor Stichen ist aus Sicht von Experten aber eigentlich unbegründet: Wespen verfolgten immer eine Abwehr- und nie eine Angriffsstrategie. Stiche sind in der Regel ungefährlich, falls keine Allergie vorliegt. In diesem Fall aber können schwere Reaktionen bis zur Bewusstlosigkeit auftreten, so dass der Notarzt gerufen werden muss. Bis zu drei Millionen Menschen sind nach Angaben von Medizinern der Universitätsklinik Frankfurt allergisch gegen Insektenstiche.

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Laut Insektenexperte Julian Heiermann vom Naturschutzbund begünstigt die heiße, trockene Witterung das Wachstum der Wespen- und Hornissenstämme. Auch der kurze Winter hat dazu beigetragen - "da konnten die Wespen früher mit der Koloniebildung starten".

Badetote

"Wenn es draußen sehr heiß ist, kann es in tieferem Wasser mehr als 20 Grad kälter sein als an der Luft", sagt ein Sprecher der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG). Der Kreislauf könne kollabieren. "Wer bewusstlos ist und nicht atmet, der kann leicht ertrinken." Deshalb sollten sich Badende vor dem Sprung ins Wasser abkühlen. Außerdem rät er: "Nicht den Helden spielen und zu weit rausschwimmen, nach Besonderheiten der Gewässer fragen - also tiefere Stellen, Strömung oder Strudel; und die Kombination von Wasser, Alkohol und Hitze ist keine gute Idee." Im vergangenen Jahr sind in deutschen Gewässern laut DLRG 391 Menschen ums Leben gekommen.

Unwetter

Hitze ist eine Bedingung für schwere Unwetter. Tennisballgroß können Hagelkörner werden, die sich in Gewitterwolken bilden. Hagel entsteht laut DWD, wenn in Gewitterwolken heftige Aufwinde kleine Wassertröpfchen nach oben wirbeln. Dort gefrieren sie zu Eis und fallen abwärts. Dann geht es im Aufwind wieder retour nach oben, die kleinen Eiskörnchen nehmen Wassertröpfchen mit, die dann die zweite Eisschicht bilden. Wenn der Aufwind die Hagelkörner nicht mehr tragen kann, fallen sie zu Boden. Schwerpunktregionen für Hagel sind laut DWD der "Südwesten, Sachsen, das Erzgebirge und Berlin".

Trockene Flüsse und Seen

Wenn Regen ausbleibt, bekommt die Schifffahrt Probleme. Frachtschiffe können bei Niedrigwasser weniger laden. Der nordhessische Edersee verliert derzeit täglich fast zwei Millionen Kubikmeter Wasser. Mit dem Wasser, das er abgibt, wird der Pegel auf der Weser für die Schifffahrt konstant gehalten. Ohne Niederschläge könnten in eineinhalb Wochen viele Schiffe nicht mehr fahren, sagt Odo Sigges vom Wasser- und Schifffahrtsamt Hann. Münden. Auch am Mittelrhein sinkt der Wasserspiegel. An der Elbe wird derzeit extremes Niedrigwasser registriert, der Fluss führt so wenig Wasser wie seit 51 Jahren nicht mehr, die Schifffahrt ist ausgebremst. Auch kleine Flüsse in Sachsen seien vom Austrocknen bedroht - "Fische und Pflanzen bekommen dann richtig Stress", sagte Uwe Höhne, Leiter des Landeshochwasserzentrums in Sachsen.

Waldbrände

Hitze und Trockenheit haben die Waldbrandgefahr fast überall in Deutschland dramatisch verschärft: Für Freitag rief der DWD in Teilen des Südens und Ostens die höchste Gefahrenstufe aus, anderswo galt die zweithöchste Gefahrenstufe. Auch auf Wiesen besteht Brandgefahr. "Beim Grasbrand sind ungemähte Grasflächen mit verdorrten Grasresten gefährdet", sagte eine DWD-Expertin. Schon ein Funke könne reichen, um eine solche Fläche zu entzünden.

Von Sabine Ränsch und Judith Hoppermann

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