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Wie süß darf es sein?

Alternativen zum Zucker Wie süß darf es sein?

Zucker hat unter ernährungsbewussten Menschen nicht gerade einen guten Ruf. Deswegen boomen derzeit zahlreiche Alternativen zum Haushaltszucker – gesünder sind sie aber nicht unbedingt.

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Zucker steckt in vielen Lebensmitteln – auch dort, wo man ihn gar nicht erwartet.

Quelle: Fotolia, dpa, pixabay (7)

Hannover. Ein Leben ohne ihn ist kaum vorstellbar, macht er doch viele Speisen deutlich süßer und damit schmackhafter: Zucker. Er steckt nicht nur in Schokolade, Kuchen und Joghurts. Schnell gewöhnt sich der Körper daher an die tägliche Portion Zucker. Vom gesundheitlichen Standpunkt her kann das problematisch sein. Zu viel Zucker macht dick, Folgeerkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck sind vorprogrammiert. Außerdem verursacht das Lebensmittel Karies und kann sich laut Expertenmeinung sogar zur Sucht entwickeln. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat deswegen im März die empfohlene tägliche Zuckermenge von 50 auf 25 Gramm gesenkt. Das entspricht etwa sechs Teelöffeln, also 5 Prozent der täglichen Kalorienzufuhr.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) ist hingegen etwas zaghafter. „Wir empfehlen ungern so klare Mengenangaben“, sagt Ökotrophologin Isabelle Keller von der DGE. „Stattdessen raten wir zu einem moderaten Zuckerkonsum.“ Das sei für Verbraucher zwar etwas schwammig, aber es komme vor allem auf die gesamte Ernährung an. „Es ist wichtig, ausgewogen zu essen. Deswegen haben wir zehn Regeln, die zusammen eine gesunde Ernährungsweise ergeben.“ Eine davon besagt: Zucker und Salz in Maßen.

Zucker hat unter ernährungsbewussten Menschen einen zunehmend schlechten Ruf. Alternativen stehen hoch im Kurs. Welche sind das – und halten sie ihr versprechen?

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Dabei verweist die DGE auch auf die unterschiedlichen Zuckerformen. Denn der Trend geht zu Alternativen wie Agavendicksaft, Kokosblütenzucker oder Vollrohrzucker – doch diese sind nicht unbedingt gesünder. „Ernährungsphysiologisch macht es kaum einen Unterschied, ob man Honig, weißen Zucker, braunen Zucker oder Ahornsirup zum Süßen nimmt“, sagt Keller. „Der Kaloriengehalt der Produkte unterscheidet sich unwesentlich. Es ist auch nicht wissenschaftlich belegt, dass die Zuckerformen unterschiedlich vom Körper verarbeitet werden.“

Anders sei das zumindest bei Obst. Früchte enthalten zwar oft viel Zucker, aber auch Ballaststoffe, sekundäre Pflanzenstoffe oder Vitamine, die gut für die Gesundheit sind. Dennoch: Wer große Lust auf etwas Süßes hat, sollte sich das nicht verwehren. „Natürlich ist es sinnvoll, sparsam mit Zucker umzugehen. Aber der Körper lässt sich nicht unbedingt mit einem Stück Apfel abspeisen, wenn ihm eigentlich nach einem Schokoriegel gelüstet“, erklärt Keller. Sofern man auf die anderen Ernährungsregeln achte, schade etwas Süßes ab und zu aber nicht.

Auch die oft negativ beurteilten Süßstoffe kritisiert die DGE nicht grundsätzlich. „Die vermeintlich schädliche Wirkung von Aspartam ist nicht ausreichend wissenschaftlich belegt“, schätzt Keller ein. „Auch dass künstliche Süßstoffe den Appetit anregen, konnte bisher in Experimenten nicht bestätigt werden.“ Gerade hinsichtlich krebserregender Wirkungen seien alle vorhandenen Studien von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) noch einmal geprüft worden. „Im Dezember 2013 veröffentlichte die EFSA ihre erste vollständige Risikobewertung zu Aspartam. Das Gutachten gelangte zu dem Schluss, dass Aspartam und seine Abbauprodukte für die allgemeine Bevölkerung (einschließlich Säuglingen, Kindern und Schwangeren) unbedenklich sind“, heißt es im Bericht. Diese Einschätzung gilt auch für die DGE.

Dennoch sei das kein Freibrief, Zucker einfach durch künstliche Süßstoffe zu ersetzen. „Wenn man zum Beispiel Zucker reduzieren möchte, um abzunehmen, kann man sicher mal etwas Süßstoff in den Kaffee geben“, erklärt Keller. Dabei sollte man aber bedenken, dass es so keine Entwöhnung vom süßen Geschmack gäbe. „Viele Personen sind so sehr an den Geschmack gewöhnt, dass sie immer weiter Süßes essen möchten.“

Josephine Heinze

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