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Muslime dürfen Lehrerin Handschlag verweigern

Integrationsdebatte in der Schweiz Muslime dürfen Lehrerin Handschlag verweigern

In der Schweiz ist ein Steit über den Händedruck ausgebrochen: Eine Schule erlaubt zwei muslimischischen Jungen, dass sie ihrer Lehrerin nicht mehr die Hand geben – im Gegensatz zu allen anderen Schülern. Das Land ist darüber empört.

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Zwei Schüler (Symbolbild) in der Schweiz müssen ihrer Lehrerin nicht mehr die Hand geben. Der Rektor hat es ihnen erlaubt – das Land ist empört.

Quelle: Peter Steffen/dpa

Therwil. An der Sekundarschule in Therwil in der Schweiz haben zwei muslimische Schüler darum gebeten, ihrer Lehrerin nicht mehr die Hand geben zu müssen. Das widerspreche ihrer religiösen Überzeugung. Der Rektor der Schule ist diesem Wunsch nachgekommen. Die beiden Jungen seien vom Händedruck am Anfang und am Ende des Unterrichts befreit worden, berichtet das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF).

Die Entscheidung des Rektors findet europaweit Beachtung – sogar die BBC berichtet über den Zorn in der Schweiz über die Händedruck-Ausnahme. Und in der Schweiz selbst ist eine Integrationsdebatte ausgebrochen. "Dass ein Kind der Lehrperson die Hand nicht gibt, das geht nicht", sagte Justizministerin Simonetta Sommaruga dazu zu Wort. Der Handschlag sei Teil der Schweizer Kultur, er gehöre zum Alltag im Land. "So stelle ich mir Integration nicht vor, auch unter dem Titel Religionsfreiheit kann man das nicht akzeptieren."

Rektor spricht von einem Kompromiss

Auch der Lehrerverband kritisierte die Entscheidung. "Ich halte das für keine gute Lösung, weil für alle Schüler die gleichen Regeln gelten sollten", sagte Beat Zemp, Präsident des Schweizer Lehrerinnen- und Lehrerverbandes, dem SRF. Mit der Sonderregelung werde ein falsches Signal ausgesendet, und zwar auch für die beiden betroffenen Schüler. Im späteren Berufsleben hätten sie ebenfalls mit Arbeitskolleginnen, Chefinnen oder Kundinnen zu tun.

Fußballprofi verweigert Frau den Handschlag

Im November 2015 löste der muslimische Fußballprofi Nacer Barazite eine Debatte aus, als er einer Moderatorin den handschlag verweigerte.

Der Rektor der Schule spricht dagegen von einem Kompromiss. Er habe dem Wunsch der Schüler nicht einfach nachgegeben, sondern mit ihnen vereinbart, dass sie auch den männlichen Lehrern die Hand nicht mehr geben. "Damit ist die Diskriminierungsfrage für uns beseitigt", sagte Jürg Lauener.

Selbst Muslime haben Verständnis für die Kritiker. "Die Hand einer anderen Person nicht zu schütteln, wird in der Schweiz als Respektlosigkeit, Unhöflichkeit oder sogar als Aggression empfunden", sagte Montassar BenMrad von der Förderation Islamischer Dachorganisationen Schweiz (FIDS).

"Händedruck ist erlaubt"

Es sollte nicht akzeptiert werden, dass die Schüler ihrer Lehrerin die Hand nicht geben wollen, sagte er in einem Interview, das die FIDS auf ihrer Homepage veröffentlichte. "Es ist wichtig, dass die betroffenen muslimischen Schüler Respekt gegenüber den Lehrpersonen zeigen, die sie das ganze Jahr über unterrichten." Der Händedruck sei mit dem Glauben vereinbar. "Verschiedene islamische Gelehrte haben klar bestätigt, dass ein gewöhnlicher Händedruck zwischen Mann und Frau theologisch erlaubt ist für eine einfache Begrüßung."

Nach Angaben des SRF wurde die Sonderregelung schon im November vereinbart. Der Rektor informierte damals auch die Schulbehörde, das Basellandschaftliche Bildungsdepartement, und bat um eine Empfehlung für solche Situationen. "Es ist ein Problem, das in allen Schulen auftauchen könnte", erklärte Lauener. Bis er eine Empfehlung der Behörde erhalten hat, will er an der Sonderregelung mit den beiden muslimischen Schülern festhalten. Trotz der Kritik.

wer

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