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Angehörige beerdigen erste Opfer der Attentate in Norwegen

Nach Massaker Angehörige beerdigen erste Opfer der Attentate in Norwegen

Während die Polizei den 32-jährigen Andres Behring Breivik am Freitag erneut vernahm, wurden die 18 Jahre alte Bano Rashid und der 19-jährige Ismail Haji Ahmed als erste Opfer des Massakers beerdigt. Rashid war Kandidatin für die Arbeiterpartei bei den Mitte September anstehenden Kommunalwahlen.

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Andres Behring Breivik hat insgesamt 77 Menschen getötet.

Quelle: dpa

Oslo. Andres Behring Breivik hatte noch weitere Terrorziele im Visier. Sein Verteidiger Geir Lippestad sagte der Zeitung „Aftenposten“ am Freitag, der 32-Jährige habe „noch mehrere Pläne in unterschiedlicher Größenordnung“ gehabt. Außer der Bombe im Regierungsviertel der norwegischen Hauptstadt und dem Massaker auf der Insel Utøya habe Breivik beabsichtigt, zwei weitere Gebäude „zu bombardieren“. Doch aus nicht bekannten Gründen gerieten seine Zeitpläne offenbar durcheinander. Die Pläne seien „genauso konkret“ gewesen wie die beiden vollendeten Anschläge, sagte sein Anwalt.

Der Attentäter hatte am Freitag vor einer Woche um 15.26 Uhr direkt vor dem Osloer Regierungshochhaus eine Autobombe detonieren lassen. Acht Menschen starben. Zwei Stunden später begann er auf der 40 Kilometer entfernten Insel Utøya mit einem Massaker an Teilnehmern eines sozialdemokratischen Jugendlagers. Er tötete dort bis zu seiner Festnahme 69 Menschen, wie die Polizei am Freitag mitteilte. Damit hat Breivik nach neuen und endgültigen Angaben insgesamt 77 Menschen getötet. Sein Verteidiger sagte, Breivik habe bei seinen Anschlägen unter Drogen gestanden: „Er nahm Drogen, um das zu schaffen, was er dann getan hat.“

Während die Polizei den 32-Jährigen am Freitag erneut vernahm, wurden die 18 Jahre alte Bano Rashid und der 19-jährige Ismail Haji Ahmed als erste Opfer des Massakers beerdigt. Rashid war Kandidatin für die Arbeiterpartei bei den Mitte September anstehenden Kommunalwahlen. Sie hatte sich mit etwa 600 anderen Jugendlichen am jährlichen AUF-Sommerlager auf der Fjordinsel Utøya beteiligt, das Breivik mit einem Schnellfeuergewehr und einer Pistole stürmte. Bei ihrem Begräbnis in der Ortschaft Nesodden südlich von Oslo hob Norwegens sozialdemokratischer Außenminister Jonas Gahr Støre das politische Engagement der Tochter einer kurdischen Zuwandererfamilie aus dem Irak in der Jugendorganisation der sozialdemokratischen Partei hervor. Freunde sagten, sie habe Juristin werden wollen. Ihr Traum aber sei es gewesen, Parlamentsabgeordnete zu werden.

Der ebenfalls am Freitag in der Stadt Hamar nördlich von Oslo beerdigte Ismail Haji Ahmed war in Norwegen als Teilnehmer des TV-Wettbewerbes „Norske Talenter“ bekannt geworden.

Bei einer Trauefeier in der Zentrale seiner sozialdemokratischen Arbeiterpartei sagte Ministerpräsident Jens Stoltenberg: „Vor genau einer Woche hat das Böse Norwegen getroffen.“ Über die Reaktion der Bevölkerung sagte er: „Eine ganze Nation und ein politisch geeintes Norwegen antworten auf die Angriffe, indem sie eine Welle an Demokratie und Engagement schaffen.“

Es sind herzzerreißende Szenen, die sich am Sonntag im Osloer Dom abspielen: Bei einem Gottesdienst versuchen die Menschen Halt zu finden, doch am Ende obsiegt die Trauer und die Frage nach dem Warum.

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Am Morgen war Breivik unter strengen Sicherheitsvorkehrungen in einem Jeep hinter abgedunkelten Fenstern von der Haftanstalt Ila zur Polizeizentrale nach Oslo gebracht worden. Dort wurde er zum zweiten Mal vernommen. Polizeisprecher Pål Hjort Kraby beschrieb Breivik als weiter „ausgesprochen ruhig“. Kraby sagte: „Er ist mehr als willig, alles zu erklären.“ Zwei Rechtspsychiater sollen Breivik auf seine Schuldfähigkeit untersuchen und bis 1. November ihr Gutachten vorlegen.

Unterdessen hat ein britischer Rechtsextremist nun erstmals zugegeben, Verbindungen zu Breivik gehabt zu haben. Der frühere Aktivist der extrem rechten Gruppierung British Defence League sagte der Zeitung „The Times“, seine strikte Anti-Muslim-Ideologie habe Breivik möglicherweise inspiriert. Sollte dies so gewesen, tue ihm das leid.

Auch Breiviks Vater meldete sich zu Wort. In einem nach seinen Angaben letzten Interview mit den Medien sagte er der südfranzösischen Zeitung „La Dépêche du Midi“, er wolle nicht mehr über seinen Sohn sprechen. Er habe „mit diesem Terroristen nichts mehr zu tun“. Sein Kind hätte besser Selbstmord begangen, statt „so viele Menschen zu töten“, sagte der ehemalige Diplomat weiter. Der 76-Jährige verbringt seinen Lebensabend in einem kleinen südfranzösischen Dorf Cournanel. Das Dorf sei nun sein Asyl, sagte er. „Ich werde niemals nach Norwegen zurückkehren können.“ Seine Gefühle ließen sich mit Worten nicht beschreiben, sagte er. Die Zeitung beschrieb ihn als zutiefst traurigen Mann.

dpa

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