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Nirgends mehr Angriffe auf Bahn-Mitarbeiter als in Hannover

Hauptbahnhof Nirgends mehr Angriffe auf Bahn-Mitarbeiter als in Hannover

Mehr als 2000 Übergriffe auf ihre Mitarbeiter zählte die Deutsche Bahn im Jahr 2016 – und damit rund ein Viertel mehr als noch im Jahr zuvor. Zu 80 Prozent der Zwischenfälle kommt es bei der Durchsetzung des Hausrechts oder bei Fahrkartenkontrollen. 

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Immer häufiger werden Bahnmitarbeiter das Ziel gewalttätiger Übergriffe – allen voran Kontrolleure.
 

Quelle: dpa

Berlin. Diese Zahlen liegen dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) exklusiv vor. „Wir bemerken eine zunehmende Verrohung der Gesellschaft, die Hemmschwelle für Gewalt sinkt“, sagte ein Bahnsprecher auf Nachfrage. „Es kann nicht sein, dass die bloße Frage nach der Fahrkarte auch bei scheinbar normalen Menschen zu Gewaltausbrüchen führt.“ Ähnlich äußern sich Gewerkschaftsvertreter: „Schon bei Nichtigkeiten wird mittlerweile gepöbelt, beleidigt, geschlagen und gespuckt. Das ist völlig inakzeptabel“, sagte Klaus-Dieter Hommel, Vize-Vorsitzender der Eisenbahn- und Verkehrsgesellschaft (EVG), dem RND.

Meiste Zwischenfälle an Umsteigebahnhöfen wie Hannover

Rückläufig ist die Zahl der Angriffe von Fußballfans auf Bahn-Mitarbeiter sowie Vandalismus in Zügen und Bahnhöfen. 150 solcher Fälle wurden in der Hinrunde der Saison 2016/17 registriert, 60 weniger als in der Hinrunde der Vorsaison. Das liegt laut Bahn an neuen Konzepten sowie einer verbesserten Steuerung der Fan-Reiseströme. Allerdings habe die Härte von Angriffen und die Brutalität gegenüber Menschen, Fahrzeugen und Anlagen zugenommen. Die meisten Zwischenfälle gab es an Umsteigebahnhöfen wie Hannover. 28 Bahn-Mitarbeiter wurden von randalierenden Hooligans angegriffen, acht teils schwer verletzt. 70 Mal schloss die Bahn Fans von der Beförderung aus. 350 Mal gab es eine Abmahnung.

Pilotversuche mit Bodycams

Als Reaktion auf die zunehmende Zahl der Angriffe will die Bahn 500 zusätzliche Sicherheitskräfte einstellen und ausbilden. Auch Schutzhunde werden angeschafft: „Hunde stärken die Autorität auch gegenüber denjenigen, denen sonst alles egal ist“, erklärte ein Bahnsprecher.

Neben Tieren soll auch Technik rabiate Kunden zur Räson bringen. In Berlin und Köln wurden in Pilotversuchen Bodycams (die Bahn nennt sie „Körperkameras“) ausprobiert. Noch in diesem Jahr sollen die Kameras nach Auswertung der Pilotversuche flächendeckend eingeführt werden. Die ersten Erfahrungen seien sehr positiv. Die EVG fordert zudem mehr Personal: „In Problemzügen sollten immer zwei Zugbegleiter im Einsatz sein, die sich gegenseitig helfen können. Und da, wo es nötig ist, auch gut ausgebildete Sicherheitskräfte.“

Von RND/Jan Sternberg

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