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Arzt verdiente mit falschen Krebs-Diagnosen

Prozess in den USA Arzt verdiente mit falschen Krebs-Diagnosen

In den USA erhebt die Staatsanwaltschaft unglaubliche Vorwürfe gegen einen Arzt (49) aus Michigan: Der Onkolge soll Hunderten Menschen gesagt haben, dass sie Krebs haben – damit er sie behandeln kann. Er verdiente viel Geld damit.

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Mehr als 550 Menschen erhielten von einem Arzt in den USA eine falsche Diagnose. Der Mediziner verdiente dann an der Berhandlung der Patienten.

Quelle: dpa/Symbolbild

Rochester/Michigan. "Mir hat er damals gesagt, dass ich Blutkrebs habe", berichtete seine ehemalige Patientin Patricia Hester. Monatelang musste die 61-Jährige zur Behandlung in seine Praxis kommen. Mal bekam sie Spritzen, mal andere Mittel. „Und immer wieder hat er mich vertröstet. Sie müssen Geduld haben.“

Bis zuletzt vertraute sie ihm. Erst nach seiner Verhaftung ging Patricia Hester zu einem anderen Arzt, und der sagte ihr klipp und klar: "Sie haben keinen Blutkrebs. Alles, was der Kollege Ihnen erzählt hat, ist gelogen." Der Onkologe steht deshalb nun vor Gericht.

Schaden von 35 Millionen Dollar

Laut der Anklage hat der Arzt 553 Patienten bewusst falsche Diagnosen gestellt. Nicht alle wegen Krebs, aber alle, um seinen Kontostand zu verbessern. Den Unterlagen zufolge setzte er mehr als 9000 Spritzen und Infusionen, die absolut unnötig und für die Patienten nicht nur schmerzlich und gefährlich, sondern auch noch sehr teuer waren. Ebenso für die Krankenkassen: Ihnen soll ein Schaden von rund 35 Millionen Dollar entstanden sein.

Vor Gericht sageten schon mehrere ehemalige Patienten aus. Zum Beispiel Steve Skrzypczak. Er hatte angeblich Lymphknotenkrebs. Sein Arzt pflanzte ihm ein Messgerät in die Brust und verordnete 25 Behandlungen sowie eine wochenlange Chemotherapie. "Es war grausam, was ich durchgemacht habe. Dabei hatte ich gar keinen Krebs", sagte der 68-jährige Patient vor Gericht.

Einen anderen Patienten quälte der Onkologe ganze fünf Jahre lang mit einer Chemotherapie. Gerichtsgutachter Dr. Dan Longo, von Hause aus Krebsspezialist an der Uni Harvard, schüttelte am ersten Prozesstag nur den Kopf: "Die Behandlung war absolut unnötig."

"Ich wünsche ihm die Todesstrafe"

Patricia Hester sagte: "Was der Mann mir angetan hat, ist unbeschreiblich. Ich bin bestürzt. Manchmal bekomme ich hysterische Anfälle." Ex-Patient Steve Skrzypczak zürnte in einer Verhandlungspause „Ich wünsche ihm die Todesstrafe.“

Soweit wird es wohl nicht kommen. Eher zu einer lebenslangen Haftstrafe. Denn laut Staatsanwaltschaft summiert sich das Strafmass fuer alle Vergehen, die dem Arzt vorgeworfen werden, auf 175 Jahre Haft. Für den Prozess sind aber noch vier Verhandlungstage angesetzt.

Dierk Sindermann

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