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So schön kann Natürlichkeit sein

"Atlas der Schönheit" So schön kann Natürlichkeit sein

Frauen sollen einem bestimmten Schönheitsideal entsprechen – das zumindest suggeriert die Gesellschaft. Doch schöne Frauen gibt es fernab aller Konventionen – das beweist die Fotografin Mihaela Noroc in ihrem Bildband "Atlas der Schönheit".

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Die Fotografin Mihaela Noroc reist um die Welt und fotografiert Frauen in ihrem Alltag.

Quelle: Mihaela Noroc/Montage

Hannover. Es sind gewöhnliche Frauen, an gewöhnlichen Orten irgendwo auf dieser Welt. Selbstbewusste Frauen, keine Models. Und doch zeigen sie, wie natürlich schön Unterschiedlichkeit ist. Für den "Atlas der Schönheit" bereist die 30-jährige Rumänin Mihaela Noroc die Welt. Ihre Botschaft: "Unterschiedlichkeit ist etwas Schönes und kein Grund für Kriege und Konflikte."

Noroc ist Überzeugungstäterin. Vor drei Jahren hat die blonde Rumänin alles hinter sich zurückgelassen, ihre Ersparnisse zusammengekratzt und den Fokus einzig auf ihr Projekt gerichtet. 60 Länder hat sie seitdem bereist, war in brasilianischen Favelas, im kriegsgebeutelten Afghanistan, im Regenwald des Amazonas, in den von Drogenbanden beherrschten Nachbarschaften von Kolumbien – und hat dort, ebenso wie in den Metropolen von New York, Istanbul und Neu-Delhi, Frauen fotografiert. Mal junge, mal alte, mal Mütter, mal Singles. Entstanden sind Eindrücke ohne jeden Photoshop-Filter, ohne Unmengen an Make-up, ohne gekünstelte Posen. "Diese Frauen präsentieren ihre Kultur, ihre Umwelt und ihr Land mit Stolz."

Die Fotografin Mihaela Noroc reist um die Welt und fotografiert Frauen in ihrem Alltag. Mit ihrem "Atlas der Schönheit" hat die Rumänin eines der erfolgreichsten Kunstprojekte geschaffen.

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Persönliche Hommage an die Frauenwelt

Ihre Arbeit versteht die 30-Jährige als persönliche Hommage an die Frauenwelt. Eine Arbeit, die nicht nur besondere Bilder hervorbringt, sondern Mihaela Noroc auch nachdrückliche Erfahrungen gewährt, die sie, wie sie selbst sagt, für das Leben prägen. Eine dieser Begegnungen machte die Rumänin in Äthiopien. Als eine von ganz wenigen Ausländern durfte sie den Stamm der Arbore im Südwesten des Landes besuchen. In dieser Gemeinschaft von 3000 Mitgliedern gilt Tradition, nicht die Technik. Hier prallen Welten aufeinander, es gibt zwar Handyempfang mit LTE-Verbindung, aber keine Schulbildung, keine geregelte Infrastruktur. Oberstes Ziel: überleben.

Im Mai dieses Jahres reiste sie ins Flüchtlingscamp nach Idomeni in Griechenland. Sie sah Hoffnungslosigkeit und Angst. Noroc entdeckte aber auch Gemeinsamkeiten unterschiedlicher Kulturen. "Ich war tief beeindruckt von der wunderbaren Beziehung zwischen freiwilligen Helfern und Flüchtlingen." Dort habe sie gesehen, wie die Menschen Barrieren abgebaut haben und sich mit Toleranz begegnet sind. "Jeden Tag, wenn ich durch die Medien schaue, sehe ich einen Atlas von Kriegen, von Konflikten, von Angst." Die Menschen bekämpften sich einzig, weil sie unterschiedlich seien. Doch genau diese Diversität mache unsere Welt doch so einzigartig, so spannend. Dass es auch anders geht, erlebte die Fotografin in Nordkorea. Unter dem Regime von Kim Jong-un wurde sie auf Schritt und Tritt verfolgt. "Das war beklemmend und verstörend. Wie müssen sich da erst die Menschen in dem Land fühlen?"

Fotografin löst Hype aus

Mit so einem Hype um ihre Arbeit hatte Noroc damals, 2013, nicht gerechnet. Mit dem Rucksack auf dem Rücken und der Kamera über der Schulter machte sie sich damals mit einer Handvoll Followern auf den Weg, heute verfolgen fast eine Million Anhänger die 30-Jährige in den sozialen Medien, teilen ihre Fotos, verbreiten ihre Botschaft. Und die scheint bei den Menschen anzukommen.

Der „Atlas der Schönheit“ zählt zu den erfolgreichsten Fotoprojekten der Welt. Ihre Reisen haben Mihaela Noroc in die entlegensten Winkel der Welt geführt und auf die Couch bei US-Superstar und Talklegende Oprah Winfrey. Ein Erfolg, an den sich die 30-Jährige anfangs nicht einmal zu träumen gewagt hatte, und der sie heute ermutigt, noch weiter zu gehen.

"Ich spüre großen öffentlichen Druck"

Wer so im Fokus steht wie die junge Rumänin, muss auch mit negativen Reaktionen leben. Kritiker werfen ihr vor, dass sich Noroc ihre Fotomotive in den Ländern doch immer nach dem gleichen Typ aussuchen würde und die Diversität durch ihren persönlichen Blick getrübt würde. Vorwürfe, die die Fotografin nicht sonderlich stören. Sie will sich treu bleiben. "Ich spüre schon einen großen öffentlichen Druck", sagt sie. "Ich habe für mich daraus die Konsequenz gezogen, noch härter zu arbeiten und noch deutlicher die Unterschiede zu zeigen." Sie wolle eine Nachricht in die Welt senden, die man nicht nur sehen, sondern vor allem auch umsetzen kann. Für 2017 will sie ihre schönsten Fotos dann auch zu Papier bringen, damit jeder sehen kann, wie natürlich schön unsere Welt ist.

Von Carsten Bergmann, RND

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