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Übergriffe auf Frauen auch im Ausland

Wie in Köln Übergriffe auf Frauen auch im Ausland

Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich und der Schweiz haben Frauen Anzeige wegen sexueller Übergriffe in der Silvesternacht erstattet. Die Slowakei will wegen der Vorfälle in Köln keine muslimischen Flüchtlinge mehr aufnehmen.

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 Übergriffe auf Frauen wie die in der Kölner Silvesternacht haben sich auch in Österreich und der Schweiz ereignet.

Salzburg/Zürich. Dass die Übergriffe mehrere Tage danach noch angezeigt wurden, habe vermutlich mit der umfangreichen Medienberichterstattung über die Vorfälle in Köln zu tun, erklärte Valerie Hillebrand, Sprecherin der Salzburger Polizei. "Das Landeskriminalamt prüft, ob es organisierte Übergriffe gegeben hat oder sich Zusammenhänge zwischen einzelnen Tätern oder Tätergruppen ziehen lassen." Nach Angaben der Polizei haben mehrere Frauen in Salzburg Anzeige erstattet.

Österreichs Innenministerin Johanna Mikl-Leitner versprach, die Polizei werde jedem Fall "mit Null Toleranz" nachgehen. "Eines steht jedenfalls fest: Wir Frauen lassen uns sicher keinen Millimeter in unserer Bewegungsfreiheit im öffentlichen Raum einschränken", sagte die Ministerin.

Mindestens sechs Fälle in der Schweiz

Nach den Medienberichten zu den Übergriffen in Köln hätten auch in Zürich mehrere Frauen der Polizei ähnliche Straftaten gemeldet, berichtete die Schweizer Nachrichtenagentur sda am Donnerstag. Es seien zunächst zwei Dutzend Anzeigen über Diebstähle eingegangen. Bei der Abklärung habe sich ergeben, dass Frauen in etwa sechs dieser Fälle sexuell belästigt wurden. Ein Polizeisprecher bestätigte die Angaben, nannte aber unter Hinweis auf die laufenden Ermittlungen keine weiteren Einzelheiten.

Aufgrund der Aussagen gehe man davon aus, dass es noch weitere Opfer sexueller Übergriffe in der Schweiz gebe, die bislang noch nicht bereit waren, Anzeige zu erstatten. Die gemeldeten Übergriffe ereigneten sich auf der größten öffentlichen Schweizer Silvesterparty. Auf der Festmeile in Zürich waren nach Angaben der Veranstalter 120.000 Besucher gekommen.

Konsequenzen in der Slowakei

Die Slowakei will keine muslimischen Flüchtlinge aufnehmen. Das kündigte Regierungschef Robert Fico am Donnerstag als Reaktion auf die Übergriffe in Köln und Hamburg an. Die Slowakei werde nicht nur weiterhin die Durchsetzung verpflichtender EU-Quoten zur Aufnahme von Flüchtlingen bekämpfen, sondern auch verhindern, dass in der Slowakei eine geschlossene muslimische Gemeinschaft überhaupt entstehen könne. "Wir wollen nicht, dass auch in der Slowakei etwas wie in Deutschland geschehen kann", erklärte Fico in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in Bratislava.

dpa

Was wir bisher wissen – und was nicht

Was ist in der Silvesternacht geschehen?

In Köln, Hamburg und anderen Städten sollen Männern in Gruppen Frauen umzingelt, sexuell belästigt und ausgeraubt haben.

Um wie viele Fälle geht es?

In Köln wurden inzwischen mehr als 120 Anzeigen erstattet, in Hamburg über 70, in Düsseldorf 15, in Stuttgart mehr als 10, in Dortmund 3, in Frankfurt 7. In drei Viertel der Fälle in Köln geht es um Sexualstraftaten, teilweise verknüpft mit Diebstahl. Die übrigen Strafanzeigen beziehen sich auf Körperverletzung und Diebstahl. In zwei Fällen ermittelt die Polizei wegen Vergewaltigung.

Wer sind die Täter?

In Köln hat die Polizei bislang 16 Verdächtige ermittelt. Es handle sich um junge Männer, die weitestgehend aus dem nordafrikanischen Raum stammten, teilten die Ermittler mit. Die meisten von ihnen seien noch nicht namentlich bekannt, aber auf Bild- oder Videoaufnahmen klar erkennbar, sagte ein Polizeisprecher. Einige seien vorübergehend festgenommen worden, jedoch vor allem wegen Diebstählen. Zum Verlauf der Ermittlungen in Hamburg sagte ein Polizeisprecher: „Wir haben noch keine zweifelsfrei ermittelten Tatverdächtigen." Die Polizei sei noch dabei, das Bildmaterial auszuwerten und Zeugen und Opfer zu befragen. Die Opfer hätten die Täter als "südländisch oder arabisch aussehend" beschrieben.

Warum konnte die Polizei die Übergriffe nicht verhindern?

Aus Einsatzprotokoll eines leitenden Bundespolizisten geht hervor, dass die Verantwortlichen Ausmaß und Dramatik der Lage in der Kölner Silvesternacht frühzeitig gekannt haben müssen. Demnach seien die Bundespolizisten bereits am Silvesterabend vor 22.45 Uhr von "vielen aufgewühlten Passanten" über "Schlägereien, Diebstähle, sexuelle Übergriffe" informiert worden. Aber wegen der zahlreichen Vorfälle hätten sich die Beamten "auf die Lagebereinigung mit den notwendigsten Maßnahmen" beschränken müssen.

Wurde in der Silvesternacht niemand festgenommen?

Etwa hundert Menschen sollen kontrolliert und viele von ihnen auch vorübergehend festgenommen worden sein. Das sagten Kölner Polizisten, die in der Silvesternacht im Einsatz waren, der "Welt am Sonntag". Sie widersprachen damit der Darstellung der Polizeispitze. "Es wurden, anders als öffentlich dargestellt, sehr wohl von zahlreichen Menschen die Personalien aufgenommen", sagte ein Beamter der Zeitung. "Die meisten waren frisch eingereiste Asylbewerber", sagte ein anderer. Aus den vorgelegten Dokumenten ergebe sich, dass nur eine Minderheit Nordafrikaner gewesen seien, die meisten dagegen Syrer. Auch der "Kölner Stadt-Anzeiger" berichtet, es seien in Mitteilungen der Polizei Angaben zur Herkunft kontrollierter Männer verschwiegen worden.

Welche Konsequenzen werden gezogen?

Die Polizei will in Köln und in Hamburg ihre Präsenz erhöhen. Außerdem will sie mobile Videoüberwachung einsetzen. Außerdem wird darüber diskutiert, ob Deutschland ausländische Straftäter konsequenter abschieben sollte.

dpa/epd

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