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Eltern rufen zum Schwänzen auf

Großbritannien Eltern rufen zum Schwänzen auf

Großbritannien droht am Dienstag ein Schulboykott: Viele Eltern protestieren gegen zu schwere Tests und Leistungsdruck. Die Mütter und Väter wollen deshalb, dass ihre Kinder den Unterricht schwänzen.

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"Was ist drei Viertel von 60?": In Großbritannien werden Grundschüler zu sehr gedrillt, sagen Eltern (Symbolbild).

Quelle: Oliver Berg dpa/lnw

London. Für Schüler ist es ein Traum, der höchst selten in Erfüllung geht: Einfach mal den Unterricht sausen lassen, den Lehrern eine Nase drehen, ganz locker den schönen Tag genießen – und all das mit ausdrücklicher Erlaubnis der Eltern.

Für Tausende Zweitklässler in Großbritannien ist es am Dienstag so weit: Ihre Eltern wollen, dass sie die Schule schwänzen. "Lasst eure Kids am 3. Mai zu Hause!", fordert die Elternvereinigung "Let Our Kids Be Kids" und ruft per Internet zum landesweiten Schulboykott auf.

Deutlich schwierigere Klausuren

"Nichts anderes scheint zu funktionieren – niemand achtet auf die Stimme von Eltern, Lehrern, Schuldirektoren oder Gewerkschaften, die sagen, dass das Schulsystem ein Schlamassel ist", begründen sie den Schulstreik. Grund für den Ärger sind die sogenannten SAT-Tests. Dabei handelt es sich um sechs Klausuren in Englisch und Mathematik, die in diesem Jahr deutlich schwieriger gemacht worden sind.

Grundschullehrer haben schon Monate vorher ihre Zöglinge darauf vorbereiten müssen. Das habe zu einem Leistungsdruck geführt, argumentieren die Eltern, der den Kindern das Lernen verleide. Manche würden sich selbst als Versager bezeichnen und weinen, wenn sie zur Schule gehen müssen.

Protest gegen den Leistungsdruck

Tatsächlich sind einige der Testfragen anspruchsvoll. Zum Beispiel beim Satz "Poppy hält das Babykaninchen sanft im Arm". Welche Wortart ist das Wort "sanft": ein Adjektiv, ein Adverb, ein Nomen oder ein Verb? Und was ist drei Viertel von 60? Ein Sechsjähriger sei mit diesen Fragen völlig überfordert, meinen die Eltern. Die Kinder sollten nicht auf diesem Niveau gedrillt werden. Stattdessen sollten sie lieber draußen spielen, singen, Freundschaften schließen und die Freude am Lernen entdecken.

Zwei Petitionen gegen die Tests haben die Eltern in Umlauf gebracht. Auf "Change.org" erreichte man 38.000 Unterschriften, auf der Petitionsseite des Parlaments sind es 26.000. Das Erziehungsministerium gab sich allerdings ungerührt. Man habe die SAT-Tests schwieriger gemacht, um sie den höheren Standards des nationalen Lehrplans anzupassen und mit den international besten Normen gleichzuziehen. Die Abfuhr hat die Eltern noch wütender gemacht: Sie setzen jetzt auf den Schulboykott.

Von Jochen Wittmann

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