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Panorama Autofahrer: Darum filmen wir mit einer Dashcam
Nachrichten Panorama Autofahrer: Darum filmen wir mit einer Dashcam
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11:39 26.02.2019
Eine sogenannte Dashcam, befestigt an der Windschutzscheibe, filmt Straßenverkehr aus einem Auto. Quelle: Wolfgang Kumm/dpa
Rostock

Bei Unfällen ist die Beweislage oft schwierig. Seit 2018 sind die Bilder sogenannter Dashcams als Beweis vor Gericht zulässig. Auch Silvio Seiffert hat so eine Kamera in seinem Auto. „Für den Fall, wenn was passiert“, sagt er. 3500 Kilometer ist der Wismarer jeden Monat unterwegs, 2000 davon auf der Autobahn. „Ich habe schon einige Beinaheunfälle erlebt, zum Glück ist bisher alles glimpflich ausgegangen“, betont Seiffert gegenüber derOstsee-Zeitung. Seine Mini-Kamera hat er mit Blick nach vorne ausgerichtet.

Eine zweite soll dazu kommen, um auch das Geschehen hinter ihm aufzuzeichnen. Kommt es zu einem Unfall, hätte er einen Beweis, wie der sich ereignet hat.

Seit 2018 als Beweis vor Gericht zulässig

Die Deutschen stehen der Nutzung von Dashcams recht offen gegenüber. Einer Umfrage des IT-Branchenverbandes Bitkom zufolge sind zwei Drittel der Ansicht, dass die Kameras zur Verkehrssicherheit beitragen. Acht Prozent aller Autofahrer setzen sie bereits ein. Weitere 13 Prozent wollen diese in Zukunft auf jeden Fall nutzen, 25 Prozent könnten es sich vorstellen.

Seit Mai vergangenen Jahres sind die Aufnahmen durch ein Urteil des Bundesgerichtshofes auch als Beweis vor Gericht zulässig. Doch das bedeute nicht, dass jeder Verkehrsteilnehmer eine Kamera pausenlos laufen lassen darf, erklärt Markus Schäpe vom ADAC: „Wer ohne Anlass und ohne automatisches Überschreiben im Straßenverkehr filmt, verstößt gegen Bestimmungen des Datenschutzes und riskiert ein Bußgeld“, so der Leiter der juristischen Zentrale des Autoclubs.

Interview

Datenschützer zu Dashcams: „Das ist eine schwierige Grauzone“

Das bedeutet: Es müssen Kameras eingesetzt werden, die ihre Aufnahmen regelmäßig löschen, zum Beispiel nach jeder Minute – doch selbst das ist rechtlich umstritten. „Bei einer Vollbremsung oder einem Zusammenstoß wird dieser Löschvorgang abgebrochen und weiter gefilmt“, erklärt ADAC-Sprecher Christian Hieff. Wichtig sei: Die Kameras sollten gut befestigt sein. Einige Saugnäpfe hätten bei einem Test nicht gut abgeschlossen, die Dashcams seien bei Zusammenstößen verrutscht und hätten nur den Himmel gefilmt.

Lkw-Fahrer übergibt Video der Polizei

In Mecklenburg-Vorpommern haben Dashcam-Aufnahmen bereits zu Ermittlungsverfahren geführt. Ein Lkw-Fahrer hat Anfang Februar auf der Autobahn 20 einen Geländewagen aufgenommen, der ihn zunächst rechts überholt und dann rabiat ausbremst hat. Der Lkw-Fahrer musste so stark abbremsen, dass sein Sicherheitsgurt blockierte. Er hat sein Filmmaterial der Autobahn-Polizei übergeben. Den Fahrer des Geländewagens erwartet nun ein Ermittlungsverfahren wegen Nötigung und Gefährdung des Straßenverkehrs.

Wie oft es vorkommt, dass Verkehrsteilnehmer mit Dashcam-Beweisen zur Polizei kommen, wird in den Statistiken der Landespolizei nicht erfasst. Die Aufnahmen würden aber als Beweismittel entgegen genommen, „um sie dem Strafverfahren zuzuführen“, teilt Sophie Pawelke vom Polizeipräsidium Rostock mit.

Die Aufzeichnungen seien dazu geeignet, Sachverhalte und gegebenenfalls Straftaten zu dokumentieren. Anlassunabhängige Daueraufnahmen von Jedermann würden aber den Datenschutz tangieren, „so dass die Verwendung grundsätzlich kritisch zu sehen ist“.

Versicherer begrüßen Kamera-Einsatz

Der Landesverband des Verkehrsgewerbes MV begrüßt hingegen den Einsatz der Kameras, wenn sie dazu beitragen, Unfälle aufzuklären. Das unterstützt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft: Mit Dashcam-Aufnahmen könnte man teure Gutachten und Gerichtsverfahren sparen und schneller zu einem Urteil kommen. Dafür würden schon wenige Minuten Video-Material ausreichen.

Auch Robert Schallock aus Wismar nutzt Dashcams in seinem Auto. Gleich zwei Kameras hat er im Auto – eine nach vorne, eine nach hinten gerichtet. Und er ist froh darüber: Schon in zwei Fällen – bei einem Unfall und einer Sachbeschädigung – habe er sie erfolgreich als Beweismaterial verwenden können.

Thomas Krohn, Inhaber eines Busunternehmens und einer Fahrschule in Grevesmühlen, stimmt zu, dass die Aufnahmen bei Unfällen durchaus hilfreich sein können. „Aber man darf nicht vergessen, dass der Schuss auch nach hinten losgehen kann. Was ist denn, wenn der Kamerabesitzer zu schnell unterwegs war und die Polizei die Aufnahmen sehen will?“ Wie jede Sache habe auch diese zwei Seiten.

Aufnahmen nicht ins Internet stellen

Einfache Dashcams sind im Handel schon für weniger als 50 Euro zu bekommen. Bessere Geräte sind mit zwei Kameras ausgestattet und filmen damit zusätzlich den Innenraum des Fahrzeugs, zeichnen dabei gleichzeitig den Ton auf. Die Spezialkameras sind vor allem in Russland stark verbreitet. Dort sind sie auch 2013 weltweit groß herausgekommen, als Autofahrer damit zufällig einen niedergehenden Meteoriten gefilmt haben.

In den meisten europäischen Ländern sind Dashcams erlaubt: zum Beispiel in Frankreich, Italien, den Niederlanden oder Spanien. Besser ohne Dashcam sollten Sie allerdings nach Belgien, Luxemburg, Portugal, die Schweiz und nach Österreich reisen – denn dort gibt es erhebliche datenschutzrechtliche Bedenken.

In Deutschland dürfen die Aufnahmen auf keinen Fall ins Internet gestellt oder anderweitig genutzt werden, wenn Gesichter oder Kennzeichen zu erkennen sind. Auch dauerhafte Aufnahmen sind verboten. Zeigen die Aufnahmen etwas, was den Dashcam-Besitzer belastet (zum Beispiel, dass er zu schnell unterwegs ist), kann auch gegen ihn ermittelt werden.

Um Unfallhergänge aufzuklären, gebe es zudem andere Mittel und Wege. In einem Reisebus hat Thomas Krohn einen sogenannten Unfalldatenspeicher einbauen lassen. Das ist ein Gerät, dass keine Bilder, sondern technische Daten aufzeichnet. Die Aufnahmen werden regelmäßig und automatisch gelöscht. „Es sei denn, es passiert ein Unfall, dann werden die Daten wie Geschwindigkeit, Pedalstellung, Neigungswinkel und einiges andere mehr gespeichert“, erklärt Krohn. Das System gebe es seit 20 Jahren. Vor allem Speditionen und Vielfahrer würden diesen Unfalldatenspeicher nutzen.

Von RND/Kerstin Schröder/Michael Prochnow

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