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"Ich halte die Zügel gern in der Hand"

Barabara Schöneberger im Interview "Ich halte die Zügel gern in der Hand"

Barbara Schöneberger gilt als Allzweckwaffe der deutschen Funk- und Fernsehlandschaft. Im Interview spricht die 42-Jährige über Männer, Mehrfachmütter, Musik von Helene Fischer und die Echo-Moderation.

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Barbara Schöneberger gilt als die Allzweckwaffe der deutschen Funk- und Fernsehlandschaft.

Quelle: Ingo Wagner/dpa

Berlin. Frau Schöneberger, Sie moderieren und moderieren und moderieren: Echo, ESC, Fernsehpreis, NDR-Talkshow oder Gottschalk gegen Jauch. Können Sie auch Nein sagen?

Oh ja. 95 Prozent aller Angebote lehne ich ab. Ich sage, um ehrlich zu sein, nur die richtig großen Sachen zu. Die machen einfach am meisten Spaß. Da weiß ich inzwischen auch, was ich brauche, um zu funktionieren: auf jeden Fall keinen Co-Moderator. Ich kann am besten moderieren, wenn ich allein auf der Bühne stehe. Die Zügel halte ich gern selbst in der Hand.

Was würden Sie denn niemals moderieren?

Ich moderiere nichts, was irgendwie nach Unterhaltungsshow riecht. Mein Steckenpferd sind Galas und Preisverleihungen. All die Castingshows, Comedysendungen oder seltsamen Meditationsshows, die mir tagtäglich angeboten werden, sind nichts für mich. Ich halte mein Gesicht nur noch ins Fernsehen, wenn das Format sinnvoll ist. Ich weiß ja, was passiert, wenn eine Sendung floppt.

Anfang April sind Sie zum vierten Mal Gastgeberin beim Musikpreis Echo. Plagt Sie noch Lampenfieber?

Nein, mein Lampenfieber ist überschaubar. Im Gegenteil: Ich freue mich auf den Moment, die Bühne zu betreten – und ich versuche, diese Freude ins Publikum zu transportieren. Meine Nerven flattern nur, wenn ich mit Kollegen moderieren muss.

Auf welchen Gast freuen Sie sich am meisten?

Ich freue mich immer auf Helene Fischer. Die ist eine Show. Bei Helene werde ich zum Mädchen: Was hat sie heute an? Wie hat sie die Haare? Ich gucke sie wahnsinnig gerne an.

Sind Sie ein Fan von Helene Fischers Musik?

Nö, aber bestimmten Ohrwürmern kann man sich ja nicht entziehen. Für mich ist Helene weit über die Musik hinaus ein Phänomen. Sie ist ein echter Star. Sie liefert ab, arbeitet hart. Ich habe einen Bombenrespekt vor ihr.

Mit wem trinken Sie nach der Show ein Bier?

Mit meinem Visagisten, meinem Autor und meiner Managerin – die kommen danach in meine Garderobe. Aber da ich direkt neben der Echo-Location wohne, liege ich spätestens um halb zwölf zu Hause im Bett. All die After-Show-Partys schenke ich mir. Meine Arbeit ist dann getan. Sobald die Anspannung wegfällt, werde ich schlagartig sehr müde.

Sie haben mal gesagt: Frauen mit vier Kindern sind Göttinnen. Sie selbst haben erst zwei Kinder, einen sechsjährigen Sohn und eine dreijährige Tochter. Gilt Ihre Familienplanung also noch nicht als abgeschlossen?

Doch, die ist abgeschlossen. Ich bin 42. Den Göttinnen-Status werde ich also nie erreichen. Aber vor Frauen mit vier Kindern ziehe ich wirklich meinen Hut: allein, was das körperlich bedeutet. Vier Schwangerschaften, vier Geburten, vier Mal stillen. Da hält kein Managementjob mit.

Mit dem Magazin „Barbara“ gibt es Sie seit Herbst auch in gedruckter Form. Suchten Sie eine neue Spielwiese?

Um eine Spielwiese zu sein, ist das Projekt ein bisschen zu groß. „Barbara“ ist ein neues Standbein – man weiß ja nie, wie es im Fernsehen weitergeht. Als ich sagte, ich gründe ein Printmagazin, haben alle gelacht. Die dachten, ich starte einen selbstgedruckten Zwölfseiter. Aber „Barbara“ hat Erfolg, die Leserinnen lieben es.

Neben moderieren, singen, werben und schauspielern, düsen Sie jetzt freitags zur Redaktionskonferenz, schreiben Editorials, posieren für Covershootings oder führen Interviews. Kriegen Sie Mann und Kinder überhaupt noch zu Gesicht?

Ja! Die Leute denken immer, dass ich die ganze Zeit weg bin. Das stimmt überhaupt nicht. Die meisten meiner Jobs erledige ich hier in Berlin. Ich frühstücke zu Hause, bringe die Kinder in den Kindergarten und dann geht es los. Vieles ist zeitlich so angelegt, dass ich nachmittags wieder daheim bin. Es wirkt nur so, als wäre ich wahnsinnig viel unterwegs.

Ihr Magazin sei kein normales Frauenmagazin, sagen Sie. Ein Blatt ganz ohne Diäten, Workouts und To-Do-Listen. Das Spiegelbild Ihres eigenen Lebens?

Im Prinzip ja. Weil ich zuletzt ein paar Pfunde verloren habe, witterten die Leserinnen aber gleich Verrat: „Frau Schöneberger, Sie machen ja doch Diät!“ Ich schwöre, ich habe keine Diät gemacht, ich habe nur angefangen, Sport zu machen. Ich sage nicht: Werdet alle dick und macht keinen Sport mehr. Mir geht es darum, einen Rückzugsort zu schaffen. Meine Zeitschrift soll keinen Druck machen auf dem Weg zur perfekten Bikinifigur, zur perfekten Sexbeziehung und perfekten feinporigen Haut.

Sie sind eine laute, forsche Frau. Schreckt das Männer zuweilen auch ab?

Bestimmte Männer hält mir mein lautes Mundwerk vom Leib. Das ist so. Es gibt immer noch viele Männer, die sagen wollen, wo es langgeht – und Wert darauf legen, mehr zu verdienen. Es gibt aber inzwischen auch fortschrittlichere Männer. Einen solchen galt es zu finden.

Gibt es Momente, in denen Sie Ihr Humor verlässt?

Klar, ich bin ja nicht bescheuert. Es gibt Etliches, bei dem ich ausflippe. Aber ich habe keine Ticks, die mich schwierig machen. Ich nehme das Leben leicht: Es geht nicht um Menschenleben, es ist eine Musikpreisverleihung. Negative Gefühle lasse ich selten an mich heran. Ich bin dankbar für ein Leben, das so überirdisch von Sonne beschienen ist, dass ich mich manchmal allerdings frage: Wann kommt wohl die Quittung?

Zur Person: Barbara Schöneberger

Jetzt schreibt sie auch noch: Barbara Schöneberger, 1974 in München geboren, gilt als die Allzweckwaffe der deutschen Funk- und Fernsehlandschaft. Ihr neuestes Projekt jedoch heißt "Barbara“: Das „nicht normale Frauenmagazin“ aus dem Verlagshaus Gruner und Jahr erscheint zehnmal jährlich – mit Barbara drin und Barbara drauf. Die Moderatorin, die einst zehn Semester lang Soziologie und Kommunikationswissenschaft studierte, übt sich außerdem als Sängerin. Seit 2007 hat Schöneberger drei Alben veröffentlicht. Die Echoverleihung in Berlin moderiert die 42-Jährige am kommenden Donnerstag (7. April, 20.15 Uhr, live im Ersten) zum vierten Mal. Schöneberger wurde 2015 für ihr Engagement bei Terres des Hommes das Bundesverdienstkreuz verliehen. Anfang 2016 bekam sie den Deutschen Fernsehpreis. Schöneberger lebt mit ihrem Mann  und den gemeinsamen zwei Kindern in Berlin.

Interview: Sophie Hilgenstock

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