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Stau soll Weltkulturerbe werden

Bahn-Werbespot Stau soll Weltkulturerbe werden

Der tägliche Verkehrsstau im Berufsverkehr treibt Brüsseler Autofahrer in den Wahnsinn. Warum nicht in die Bahn umsteigen? Die sorgt mit einem Werbespot für skurrile Schlagzeilen.

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Auch deutsche Autofahrer haben im Berufsverkehr mit Stau zu kämpfen.

Quelle: Jürgen Mahnke

Brüssel. Beim Abhören der bundesweiten Verkehrsmeldungen fallen ein paar Ansagen auf, die einen Prominentenstatus unter den Meldungen verdient hätten. Der ewigwährende Stau am Mörsenbroicher Ei zum Beispiel. Die morgendlichen und abendlichen Staus auf den Ein- und Ausfallstraßen der europäischen Metropole Brüssel jedoch sollen nun eine besondere Bedeutungshöhe erklimmen, gewissermaßen eine Ebene mit der Chinesischen Mauer und dem Kölner Dom. In Brüssel nämlich sollen die täglichen Staus zum Weltkulturerbe erhoben werden.

Im belgischen Fernsehen und Radio laufen Reklamespots für diese Idee, die an Werbepoesie kaum zu überbieten sind: "Ein unbezähmbares Ungeheuer, so großartig, so überwältigend – diese gewaltige Verbindung von Gummi und Metall, geben Sie ihr die Chance, die sie verdient."

Wer sich nun gerade zähfließend fortbewegt, dürfte sich beim Anhören solcher Sprüche gehörig auf den Arm genommen fühlen, andererseits dürfte der Brüsseler Staumensch in der Mehrzahl der Gemeinschaft jener Bürokraten angehören, die sich unentwegt solche Dinge ausdenken: Autostau als Weltkulturerbe! In diesem Fall sind die EU-Bürokraten aber tatsächlich unschuldig. Hinter der Idee steckt in Wahrheit unter anderem die belgische Staatsbahn SNCB, die offenbar auf das Gleis der Ironie setzt und so die Autofahrer zum Umdenken und Umsteigen bewegen möchte.

Zugverspätungen als Weltkulturerbe

Tatsächlich sind die Straßen von Brüssel und Antwerpen nach manchen Untersuchungen die am meisten verstopften in Europa. In einem Bericht des "Wall Street Journal" über die belgische Stau-Kultur-Idee wird sinnigerweise die in Brüssel ansässige EU-Kommission zitiert, der Stillstand koste das Land jährlich ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

So witzig wie die Bahnwerbung ist die Autofahrerlobby allemal. Prompt fährt sie eine Gegenkampagne auf, die belgischen Zugverspätungen und Bahnstreiks ebenfalls bei der Unesco anzumelden: "Unsere Zugverspätungen haben einen unbezahlbaren historischen Wert, und manche Waggons sind nicht weniger als Museen auf Rädern", heißt es auf der Website. Aber wer weiß: Womöglich könnte ja eine ähnliche Aktion für den Düsseldorfer Stadtteil Mörsenbroich das Ei des Kolumbus sein.

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