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00:17 12.09.2015
Gleichnis auf den Untergang des Sozialismus: Aufnahme vom Lenin-Denkmal 1991 beim Abriss. Quelle: dpa
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Berlin

Jetzt emigriert auch Lenin in den Westen. Und wie es bei Flüchtlingen oft der Fall ist, wird die Reise kein glanzvoller Auftritt. Verhüllt in Plastikplanen auf der Ladefläche eines Lastwagens fährt der Begründer der Sowjetunion in die Zitadelle Spandau im Westen Berlins. Dort wird Lenin, genauer: der tonnenschwere Kopf seines früheren Kolossaldenkmals aus dem Osten der Stadt, Teil der Dauerausstellung "Enthüllt – Berlin und seine Denkmäler" sein.

Die Bundeshauptstadt stellt sich mit der Schau ihrer Geschichte seit dem 18. Jahrhundert, deren Fragmente oft entsorgt wurden. Auch das Lenin-Denkmal gehört dazu. Im Auftrag der DDR-Regierung wurde es von Nikolai Tomski, ehemals Präsident der Akademie der Künste der Sowjetunion, aus rotem ukrainischem Granit gehauen und zu Lenins 100. Geburtstag 1970 im Stadtteil Friedrichshain aufgestellt.

Gleichnis auf den Untergang

Als die DDR unterging, verschwand auch der steinerne Lenin. 1991 wurde die 19 Meter hohe Statue in 129 Einzelteile zerlegt und im Berliner Müggelwald vergraben. Nun wird der Kopf wieder ausgebuddelt, und etwa 20 Zaungäste dürfen dabei sein. 1970, bei der feierlichen Enthüllung, waren noch 200.000 Ost-Berliner anwesend – viele wohl auch nicht ganz freiwillig.

Berühmt wurde das Denkmal durch den Spielfilm "Good Bye, Lenin!" und die Szene, in der der Kopf an einem Hubschrauber hängend davonschwebt – ein Gleichnis auf den Untergang des real existierenden Sozialismus.

Eine gewisse Satire veranstaltete die Berliner Stadtverwaltung auch im Vorfeld der Bergung. Zunächst hieß es, man wisse nicht mehr, wo genau der steinerne Lenin vergraben sei. Dann wurden auf dem Hügel, unter dem die Denkmalteile liegen, Zauneidechsen gesichtet. Sie wurden auf einen anderen Hügel umgesiedelt und "eidechsensicher" eingezäunt – das ganze begleitet von einem zwölfseitigen Gutachten einer Biologin, einer siebenseitigen Ausnahmegenehmigung der Obersten Naturschutzbehörde und einem 17-seitigen Bergungskonzept. Dieses schreibt unter anderem vor, dass der eingesetzte Kran mit biologisch abbaubarem Öl geschmiert wird.

Lenin selbst wäre über die Pedanterie der Berliner Bürokratie wohl nicht erstaunt gewesen. "Wenn diese Deutschen einen Bahnhof stürmen wollen, kaufen die sich noch eine Bahnsteigkarte", soll er einst gehöhnt haben.

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