Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Rentnerin füllt Kreuzworträtsel-Kunstwerk aus

Neues Museum Nürnberg Rentnerin füllt Kreuzworträtsel-Kunstwerk aus

"Insert Words" stand auf dem Kreuzworträtsel-Kunstwerk. Eine 91-jährige Besucherin nahm das wörtlich und zückte ihren Kugelschreiber. Sie konnte auch mehrere Felder ausfüllen. Aber jetzt hat sie Ärger mit dem Neuen Museum Nürnberg und der Polizei.

Voriger Artikel
Pilzsammler finden Plastikeimer mit Uran im Wald
Nächster Artikel
Internet-Millionär stirbt bei Flugzeugabsturz

Kunstwerk beschädigt: Die 91-jährige Museumsbesucherin nahm die Aufforderung des Künstlers allzu wörtlich – und füllte kurzerhand das Kreuzworträtsel auf einem Bild von Arthur Köpcke aus.

Quelle: Daniel Karmann dpa

Nürnberg. Das englische Wort für Mauer wurde gesucht. Die 91-jährige Besucherin habe nicht lange überlegen müssen, berichteten die "Nürnberger Nachrichten" am Donnerstag. Die Frau habe einen Kugelschreiber herausgeholt und "Wall" eingetragen. Auf dem Bild stand schließlich: "Insert Words" – auf deutsch: "Setze Wörter ein". Wenig später wurde die Frau trotzdem von zwei Polizisten abgeführt. Denn das Kreuzworträtsel, das die Seniorin lösen wollte, war ein Kunstwerk.

Die 91-Jährige hatte am Mittwoch zusammen mit anderen Mitgliedern der "Literaturwerkstatt" eines Seniorenzentrums die Ausstellung des Neuen Museums Nürnberg besucht. Dort werden Werke verschiedener Kunstrichtungen gezeigt, unter anderem das etwa 150 mal 80 Zentimeter große Bild des Malers Arthur Köpcke, der 1977 gestorben ist.

Werk mit 80.000 Euro versichert

Das Werk stammt aus dem Jahr 1965, trägt den Titel "Reading-work-piece" und zeigt einen Ausschnitt eines Kreuzworträtsels. "Einige Kästchen hat der Künstler bereits vorausgefüllt", sagte Museumssprecherin Eva Martin. Andere noch unausgefüllte Rätselfragen habe die ältere Dame mit Kugelschreiber beantwortet.

Wie viele Kästchen die Rentnerin ausgefüllt habe, blieb zunächst offen. Es seien aber mehrere Kreuzworträtsel-Lösungen eingetragen worden, erklärte die Museumssprecherin. Mitarbeiter hätten das beschädigte, mit 80.000 Euro versicherte Bild sofort in das Depot gebracht. Man gehe davon aus, dass man das Bild wieder restaurieren könne, sagte Martin.

Frau war sich keiner Schuld bewusst

Im Museum sei man schon erstaunt, dass kein Teilnehmer der Gruppe Anstoß daran genommen habe – dabei sollte doch eigentlich jedem Besucher klar sein, dass man Kunstwerke keinesfalls beschriften dürfe, sagte Martin. "Wir können doch nicht neben jedem Kunstwerk einen entsprechenden Hinweis aufstellen."

Die Rentnerin war sich offenbar keiner Schuld bewusst. Nach Angaben des Museums musste der Frau erklärt werden, was sie gerade angerichtet hat. Ihre Begleiterinnen beschwerten sich in den "Nürnberger Nachrichten" über die Art, wie die 91-Jährige behandelt worden sei.

Museum erstattet Strafanzeige

Wie eine Schwerverbrecherin sei die Seniorin abgeführt worden, als sie von der Polizei vernommen wurde, kritisierte eine Frau gegenüber der Zeitung. Das Museum erstattete Strafanzeige gegen die Rentnerin. Die Kripo ermittelt wegen des Verdachts der "gemeinschädlichen Sachbeschädigung", wie ein Polizeisprecher erklärte.

"Uns ist schon klar, dass die ältere Dame das nicht böse gemeint hat. Trotzdem sind wir als staatliches Museum um eine Strafanzeige nicht herumgekommen. Schon aus versicherungsrechtlichen Gründen mussten wir den Vorfall der Polizei melden", erklärte die Museumssprecherin.

Das Museum wies noch grundsätzlich darauf hin: Wenn Besucher an einm Kunstwerk Hand anlegen dürften, stünde das ausdrücklich dabei.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Kunstwerk unabsichtlich beschädigt wird.

  • Anfang des Jahres hatte eine Putzfrau Folienteile aus einer Ausstellung in eine Mülltonne geworfen. Was sie übersehen hatte: Diese Folienteile gehörten zu dem Kunstwerk mit dem Titel "Behausung 6/2016".
  • 2011 schrubbte eine Putzfrau in Dortmund Teile eines Kunstwerks weg: Die Arbeit des Künstlers Martin Kippenberger bestand aus einem menschenhohen Holzplattenturm und einem Gummitrog mit einem weißlichen Kalkfleck – diesen wischte die Frau weg.

dpa/afp/RND/wer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Panorama
Familiendrama mit sechs Toten in Österreich

Ein Familiendrama erschüttert Österreich. Eine Frau soll mehrere Angehörige erschossen haben.