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Panorama Bono im Interview: „Wir weinen jede Nacht auf der Bühne“
Nachrichten Panorama Bono im Interview: „Wir weinen jede Nacht auf der Bühne“
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07:25 31.08.2018
Zuhause auf der Bühne: The Edge und Bono. Quelle: Owen Sweeney/AP
Berlin

Sie geben ab Freitag sechs Konzerte in Deutschlands größten Hallen. Wann ist das Rockstar-Ego eigentlich am größten: am Anfang oder am Ende einer Tour?

Bono: Ha! Man würde annehmen, dass es sich auflädt und irgendwann explodiert, wenn du jeden Abend vor 70 000 Leuten stehst. Aber genau das Gegenteil ist der Fall.

The Edge: Das Ego implodiert.

Bono: Ich kann mit absoluter Sicherheit sagen, dass mein Ego am Ende einer U2-Tour kleiner ist als am Anfang. Da ist eine Leere. Und in dem Moment, wenn es sich normal anfühlt, dass dir jede Nacht Zehntausende Leute entgegenkreischen, ist es dann auch nicht mehr gut.

U2 waren die letzten acht Jahre fast konstant auf Tour. Auf der neuen Platte „Songs of Experience“ widmen Sie Ihren besseren Hälften den Song „You’re the Best Thing About Me“. Ihre Form der Entschuldigung?

Bono: Ach, die ist ja gar nicht nötig! Wenn ich heute das Haus verlasse, sehe ich manchmal sogar ein Strahlen in den Augen von Ali und den Kindern. Es ist anders als früher: Wenn wir da auf Tour gegangen sind, haben wir unsere Familien oft Monate nicht gesehen, aber mittlerweile begleiten sie uns auch oft. Meine Frau ist eh sehr unabhängig. Ich glaube, ihr gefällt es sogar, wenn sie mal eine Pause von mir hat.

Ist es schwer, in Würde im Rockzirkus zu altern, wenn man von so viel Zynismus umgeben ist?

The Edge: Ich finde, wir machen unsere Sache ganz gut. Klar, da ist viel Häme. Aber wir lassen uns davon nicht beirren – wir wollen immer noch cool sein! Wir fühlen noch dasselbe wie vor 40 Jahren, als wir anfingen. Wir sind eine Straßengang, die nie erwachsen wurde. Und solange wir das Gefühl aufrechterhalten können ...

Bono: ... können wir auch noch würdevoll erwachsen werden. (lacht)

Sie haben einige der Songs des Albums als Liebesbriefe an Menschen und Orte verfasst, Bono. Ein Dichter gab Ihnen den Tipp, diese so zu schreiben, als seien Sie bereits tot. Wie kommt man auf so eine verrückte Idee?

Bono: Ich hatte vor ein paar Jahren einen schlimmen Fahrradunfall im New Yorker Central Park. Ich wusste nicht mal, ob ich jemals wieder Gitarre spielen könnte. Vor anderthalb Jahren hatte ich eine Nahtoderfahrung. Ich will da nicht konkreter werden, denn dann verkommt man schnell zur Seifenoper. Ich will nicht den Boulevard damit füttern oder mich so anhören, als würde ich in Selbstmitleid versinken. Aber was ich auch nicht will, ist, mir weiterhin vorzumachen, dass ich als Rockstar unsterblich bin. Ich bin nicht unsterblich! Ich muss da die Mitte finden. Der Ansatz, aus der Sicht des Toten zu schreiben, gab den Texten mehr Dringlichkeit.

Wann haben Sie das letzte Mal auf der Bühne geweint?

The Edge: Machen Sie Witze? Jede Nacht! Es ist lustig, dass manche Leute uns nicht abnehmen, dass wir durch unsere Musik eine große emotionale Katharsis erfahren. Das ist der Grund, warum U2-Shows so überwältigend sind. Wir sind also auf gleiche Weise emotional berührt davon wie das Publikum.

Bono: Um diese Songs singen zu können, die tonal meist zu hoch für mich sind, muss ich sogar in ihnen versinken. Und dann bleib ich schon mal drin stecken. Das ging neulich sogar so weit, dass ich kurz vor der Zugabe einfach nach Hause gehen wollte – so sehr war ich in meinem Film. Irgendetwas war im Publikum passiert, was mich nervte. Ich sagte also: „Los, lass uns abhauen.“ Und Edge hat ja immer seine In-Ears im Ohr, damit er mir nicht zuhören muss. Er nahm sie raus und sagte: „Was? Wir müssen zurück auf die Bühne. Da sind noch einige Songs zu spielen, wir haben zahlende Gäste.“

Im Dezember haben Sie Berlin mit einem U-Bahn-Konzert aufgemischt. Hand aufs Herz: Wann sind Sie das letzte Mal privat mit der U-Bahn unterwegs gewesen?

Bono: Es gibt eine U-Bahn in der Nähe meines Hauses in Dublin. Die heißt Dart. Ich setze dort meine Kinder mit dem Auto ab, wenn sie zur Schule müssen. Ich selbst bin seit Jahren nicht mehr mit der Dart gefahren. Aber in New York nehme ich immer noch die Subway, wenn ich ins Studio muss.

Von Katja Schwemmers/RND

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