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Panorama Braune Hochwasser-Brühe dringt in die Altstadt Hann. Mündens
Nachrichten Panorama Braune Hochwasser-Brühe dringt in die Altstadt Hann. Mündens
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10:23 11.01.2011
In Hann. Münden hat man Hochwassererfahrung, wie die Pegelstände von 1909 und 1946 zeigen. Quelle: dpa

Überflutete Straßen, vollgelaufene Keller, gesperrte Wege und überall braune Brühe: Rund um die Dreiflüssestadt Hann. Münden herrscht weiterhin „Land unter“. Tauwetter und Regen hatten am Wochenende innerhalb weniger Stunden die Pegelstände stark ansteigen lassen, sodass Werra, Fulda und Weser über die Ufer traten. Sonntagabend um 21.15 Uhr war der bislang höchste Pegelstand erreicht: 6,20 Meter. Danach habe sich die Lage etwas stabilisiert, berichtete Ordnungsamtsleiter Jürgen Liebrecht. Bis zum Montagmorgen sank der Pegel um vier Zentimeter auf 6,16 Meter. „Wir hoffen auf eine leichte Entspannung“, sagte Liebrecht. Allerdings laufe kaum Wasser ab, deshalb sei vermutlich noch bis in die Abendstunden mit starkem Hochwasser zu rechnen.

Damit lag das Hochwasser zwölf Zentimeter unter der Pegelmarke vom „Jahrhunderthochwasser“ des Jahres 1995, als ein Spitzenwert von 6,32 Metern erreicht wurde. Damals waren sogar mehrere Häuser von den Wassermassen eingeschlossen gewesen und nur noch per Boot zu erreichen.

So schlimm ist es diesmal nicht geworden. Die hochwassererprobten Mündener hatten frühzeitig Vorkehrungen getroffen. Bereits am Freitag hatte erstmals der Krisenstab getagt, ab Sonnabendmorgen war er durchgehend im Einsatz.

Rund 200 Helfer von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk packten stundenlang Sandsäcke ab, insgesamt rund 6000 Stück. Zahlreiche Bewohner der flussnahen Gebäude bauten damit Barrieren vor ihren Eingängen auf. An vielen Stellen drang allerdings die braune Brühe in die Häuser. Vor allem am Rande der Altstadt und im Wohngebiet Blume wurden Keller überflutet. Auch zahlreiche Kleingartenanlagen stehen unter Wasser. Die Schäden hielten sich jedoch bislang in Grenzen, sagte Ordnungsamtsleiter Liebrecht.

Wegen des Hochwassers mussten mehrere Straßen gesperrt werden, unter anderem die Bundesstraße 80. Auch der Campingplatz auf der Tanzwerder-Insel musste geräumt werden. Der Pächter hatte sich nicht mehr rechtzeitig in Sicherheit bringen können, sodass ihn Mitglieder des Technischen Hilfswerks mit einem Boot evakuieren mussten. Eine weitere Rettungsaktion gab es am Montagvormittag: Feuerwehrleute evakuierten aus einer überfluteten Kleingartenanlage zehn Hühner und mehrere Kaninchen. Wirklich freuen konnten sich nur die Schulkinder: Am Montag blieben die Schulen in Hann. Münden wegen des Hochwassers geschlossen.

Nach Angaben des Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) bewegt sich die Hochwasserwelle auf der Weser flussabwärts und soll am Mittwochmorgen Bremen erreichen. In den kommenden Tagen werde an allen Pegelständen entlang des Flusses die Meldestufe drei erreicht, was die Gefahr einer größeren Überschwemmung bedeute.

In Hann. Münden sank der Pegel am Dienstag um 9 Uhr auf 5,50 Meter. "Wir rechnen damit, dass es bis zum Wochenende so bleibt", sagte Bürgermeister Klaus Burhenne am Dienstag. Zum Wochenende rechnet er mit der nächsten Welle auf "hohem Niveau. Wir stochern im Nebel, wenn es um die Auswirkungen der nächsten Regenfront geht", sagte Burhenne, der sich am Dienstag erneut ein Bild von den betroffenen Gebieten machen wollte. 6,20 Meter werde man aber nicht mehr erreichen, glaubt der Bürgermeister, von Entspannung könne jedoch keine Rede sein. Einige Schulen blieben daher geschlossen, Bundes-, Land- und Kreisstraßen waren am Dienstagmorgen noch gesperrt.

Während es an Aller und Oker sowie im oberen Leinegebiet Entwarnung gab und die Pegelstände sanken, war die Hochwasserlage gestern auch an der Elbe kritisch. Dort behinderte das Hochwasser den Deichschutz am Rande des Flusses. Rund um Bleckede (Kreis Lüneburg) bereiten schnell wachsende Weiden zwischen den Deichen der Stadtverwaltung und den Anwohnern Sorgen, sagte gestern ein Sprecher der Stadt. Nach jahrelangem Streit um den Umgang mit den Pflanzen wurde im vergangenen Jahr festgelegt, dass die Bäume regelmäßig zurückgeschnitten werden sollen. Naturschutzgesetze schreiben vor, dass die Weiden nur bis Ende Februar zurückgeschnitten werden dürfen. In diesem Jahr verhindert dies das Hochwasser der Elbe. Wenn sich in den Weiden Treibgut festsetzt, können sie das Wasser zusätzlich aufstauen.

Ende der Woche könnte es in den niedersächsischen Städten entlang der Elbe kritisch werden. Die Pegel des Flusses steigen nach Angaben des NLKWN im oberen Lauf an und könnten dafür sorgen, dass am Wochenende die unterste Alarmstufe ausgerufen wird. „Dann wird möglicherweise auch die Sechs-Meter-Marke überschritten“, sagte die Sprecherin des NLKWN.

Für die kommenden Tage bringt die Wettervorhersage für die Hochwasserregionen keine guten Nachrichten. Erneute Regenfälle könnten die Pegel der Flüsse weiter ansteigen lassen und die Situation verschlimmern. Heute und morgen sei im ganzen Bundesland wieder mit Regen zu rechnen, heißt es beim Wetterdienst.

Heidi Niemann, Manuel Becker

Altstadt in Wertheim überflutet - Lage unter Kontrolle
Die historische Altstadt von Wertheim ist in der Nacht vom Hochwasser des Mains überflutet worden. Rund 450 Häuser mit etwa 1000 Einwohnern waren betroffen. Die Stadt im Norden Baden- Württembergs hatte vorgesorgt: Anwohner und Geschäftsleute sicherten ihre Häuser und räumten Gegenstände aus der Gefahrenzone. Ruhig blieb die Lage auch in anderen Hochwasserregionen.

Die Wertheimer haben sich an die wiederkehrenden Hochwasser angepasst: Viele Läden haben mobile Warenständer und Fliesen statt Teppichböden. Dank eines Wegesystems aus etwa 400 Metern Stegen bleibt die Altstadt an zentralen Punkten passierbar. Zudem stehen Boote bereit. Der Pegelstand des Mains hatte am Montagabend die kritische Grenze überschritten, Wasser war in die Stadt geströmt. Der Höchststand wird in der Nacht zum Mittwoch erwartet.

In Brandenburg veränderten sich die Wasserstände kaum, 20 von 28 Pegeln im Land zeigten Hochwasser an. Einige überflutete Straßen blieben gesperrt. An der Oder wurde mit Spannung beobachtet, wie sich das aufbrechende Eis der Warthe auswirken wird. Der Fluss mündet in die Oder, seine Eisschollen könnten sich zu gefährlichen Barrieren türmen. Vier Eisbrecher sind im Einsatz, um dies zu verhindern. Nach wie vor galt für einige Abschnitte der Oder die höchste Alarmstufe 4.

In Sachsen-Anhalt wurde damit gerechnet, dass die frostigen Temperaturen die Lage stabilisieren. An der Saale, der Schwarzen und der Weißen Elster galt an einigen Stellen die Alarmstufe 4. In Halle sollte im Laufe des Tages der vorläufige Höchststand der Saale erreicht werden. Für die zweite Wochenhälfte erwartete das Landeshochwasserzentrum bei ansteigenden Temperaturen einen erneuten Anstieg der Wasserstände.

An den Flüssen in Sachsen stabilisierte sich die Situation weiter. Fast überall gingen die Pegelstände zurück, hieß es beim Landeshochwasserzentrum. Lediglich an der Elbe steige das Wasser noch leicht an. Auch an den Flüssen in Thüringen entspannte sich die Hochwasserlage weiter.

Glimpflicher als zunächst angenommen kamen die Rhein-Anwohner davon. In Koblenz erreichte das Hochwasser am Montagnachmittag seinen Höchststand, der etwa einen halben unter den prognostizierten acht Metern lag. Dennoch standen viele Straßen und Keller in der Rhein- Mosel-Stadt unter Wasser. Die Bundesgartenschau rechnet mit Kosten von mehreren hunderttausend Euro, nachdem einige ihrer Baustellen am Deutschen Eck überspült wurden.

Auch in Köln ging das Wasser des Rheins langsam zurück. Das Hochwasserschutzamt der Stadt hat am Montagabend einen Höchststand von 8,91 Metern gemessen. Seitdem falle der Pegel etwa einen Zentimeter pro Stunde, hieß es.

In einigen Moselorten begannen bereits die Aufräumarbeiten. Mit einem erneuten Anstieg in den kommenden Tagen wurde trotz weiterem Regen nicht gerechnet, da die Schneepolster inzwischen abgeschmolzen sind.

dpa

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