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Schrille Kostüme und ein Plädoyer für die Ehe für alle

CSD in Berlin Schrille Kostüme und ein Plädoyer für die Ehe für alle

An diesem Thema kam niemand vorbei: Die Demonstranten beim Christopher Street Day forderten vom deutschen Gesetzgeber die Ehe für alle. Ein Urteil aus den USA kam ihnen da gerade recht.

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Viel Lack und Leder, viel nackte Haut, aufwendige schrille Kostüme in lila, rosa, gold oder pink. Viele Feiernde kamen in auffallenden Outfits.

Quelle: doa

Berlin. Auf einer dreistöckigen Hochzeitstorte tanzen zwei Paare. Es sind zwei Männer und zwei Frauen - frisiert und geschminkt wie Zuckerguss-Figuren. Das kunstvoll gestaltete Szenario auf dem Pickup der US-Botschaft stand für das alles überragende Thema beim Christopher Street Day (CSD) am Samstag in Berlin. Einen Tag zuvor hatte in den USA das höchste Gericht die Homo-Ehe in allen 50 Bundesstaaten für zulässig erklärt. Nun war die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare auch in Deutschland eine der Hauptforderungen der 1600 CSD-Demonstranten. Etwa eine halbe Million Zuschauer säumte - nach Veranstalterangaben - die Straßen, als sich der bunte Zug vom Kurfürstendamm in Richtung Brandenburger Tor bewegte.

Viel Lack und Leder, viel nackte Haut, aufwendige schrille Kostüme in lila, rosa, gold oder pink. Viele Feiernde kamen in auffallenden Outfits. Doch bei aller Schrillheit - beim CSD stehen die politischen Ziele im Mittelpunkt. Zum inoffiziellen Motto der Parade, die jährlich weltweit für die Rechte von Lesben, Schwulen und Trans-Menschen eintritt, mauserte sich diesmal der Slogan der Initiative „Ehe für alle“: „Mein Ja habt ihr!“. Plakate mit der Parole klebten auf zahlreichen Umzugswagen, die Demonstranten hatten sich entsprechende Buttons an die Brust geheftet und trugen Schilder der Initiative.

Auch die queerpolitische Gruppe der CDU warb auf ihrem Wagen für die „Ehe für alle“. Innerhalb der Union gibt es bisher keine Mehrheit für eine Gleichstellung. Aus Rücksicht auf den Koalitionspartner hält sich die SPD zurück.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) fand bei der Eröffnung der CSD-Parade, die an einen Aufstand von Schwulen, Lesben und Trans-Menschen am 28. Juni 1969 in der New Yorker Christopher Street erinnert, klare Worte: „Ein bisschen Gleichstellung geht nicht.“ Es sei überfällig, dass Berlin bei dem Thema vorangehe. Das Land hatte sich Mitte Juni bei einer Abstimmung im Bundesrat enthalten, weil die Berliner CDU erst ihre Mitglieder dazu befragen will.

Dass Regenbogenfamilien längst der gelebten Wirklichkeit entsprechen, zeigte bei der Parade am Samstag der Lesben- und Schwulenverband: Eingeklemmt zwischen den großen Trucks fuhr der Verband mit einer Bimmelbahn, in deren Waggons sich Eltern mit ihren Kindern drängten, zum Brandenburger Tor.

Es ist eine Realität, zu der auch Müllers Vorgänger Klaus Wowereit (SDP) beigetragen hatte. Im Jahr 2001 outete sich der heute 61-Jährige mit den Worten „Ich bin schwul und das ist auch gut so“. Seitdem sei offene Homosexualität in der Spitzenpolitik kein Thema mehr, sagte CSD-Sprecherin Tatjana Meyer. Die Veranstalter zeichneten Wowereit, der am Samstag auf dem Doppeldeckerbus der Berliner Aids-Hilfe mitfuhr, deshalb in diesem Jahr mit dem den „Soul of Stonewall“-Award aus.

Dass sich in anderen Ländern noch viel grundlegendere Dinge ändern müssen, daran erinnerte die Schleppe der diesjährigen Miss CSD. Das 40 Meter lange Tuch war zusammengesetzt aus den Flaggen von über 70 Staaten, in denen homosexuelle Handlungen strafrechtlich verfolgt werden.

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