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Wenn der Chef bügeln muss

Unternehmensstrategie Wenn der Chef bügeln muss

In einer dänischen Wäscherei müssen Abteilungsleiter bügeln und waschen – damit die Produktivität des Unternehmens wächst.

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Neue Regel für die Chefs: Einmal bügeln, bitte!

Quelle: Franziska Gabbert

Kopenhagen. Man stelle sich die möglichen Auswirkungen für Betriebsklima und Lohnverhandlungen vor: Der Krankenhausleiter hilft den Patienten beim Anziehen.  Der Chef eines Autokonzerns geht selbst ans Fließband. Der Vorsitzende eines Versicherungsunternehmens greift nachts der Putzkolonne unter die Arme.

Unvorstellbar? In Dänemarks größtem Wäschereibetrieb Midtvask in Aarhus ist der Wunschtraum mancher Arbeitnehmer nun Wirklichkeit. Ab sofort müssen sämtliche Beschäftigte, inklusive Chefs und Büropersonal, 10 bis 20 Prozent ihrer monatlichen Arbeitszeit mit Waschen und Bügeln verbringen.

Das Unternehmen möchte damit Zusammenhalt, Wohlfühlen und Produktivität verbessern, sagt Wäschereichefin Pernille Lundvang. So würden etwa Beschluss- und Realisierungswege deutlich verkürzt, wenn der Produktionschef selbst mit anpackt. „Es sind ja dann nur noch fünf Minuten von der Strategie bis zur Durchführung von Verbesserungen“, sagt Lundvang. Der Produktionschef könne dann quasi Entscheidungen direkt am laufenden Band fällen. Das sei effektiver als vom Schreibtisch aus oder eine Powerpoint-Präsentation eines emsigen Assistenten der Geschäftsführung im grauen Konferenzsaal.

Gleichzeitig sollen sich auch die Mitarbeiter in der Produktion in Führungsfragen engagieren und bei Interesse etwa im Bereich Strategie oder Ökonomie mitarbeiten können. Dies aber auf freiwilliger Basis.

Derzeit ist die Wäscherei Midtvask das einzige Unternehmen in Dänemark, das eine solche Regel eingeführt hat. Die Wäscherei hat insgesamt 180 Mitarbeiter und wird von der Region Mitteljyttland betrieben. Sie ist die größte Wäscherei Dänemarks und sieht sich seit Langem als „Musterarbeitsplatz“ im Bezug auf Integration, Personalentwicklung und Arbeitsmilieu.

Der Arbeitgeberverband der dänischen Industrie ist nicht sonderlich begeistert von dem Projekt. Es sei ja nicht ungewöhnlich, dass Chefs, etwa einer Supermarktkette, mal einen Tag lang an einer Kasse sitzen. Aber regelmäßig und dann gleich 10 bis 20 Prozent der Arbeitszeit, das gehe doch zu weit und sei nicht effektiv, heißt es von dort.

von Andre Anwar

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