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"Die Frisur ist geil, oder?"

Spott für Nordkorea-Diktator Kim "Die Frisur ist geil, oder?"

Kim Jong Un als Punk-Rocker mit Nasenpiercing, als Frau mit langen blonden Haaren oder als Zombie mit blutverschmiertem Mund: Nordkoreas Diktator ist für Chinas Großstadtjugend eine Witzfigur. Trotz seiner Gräueltaten halten sie ihn für eine Lachnummer.

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Einer der zahlreichen Doppelgänger von Nordkoreas Diktator Kim Jong Un.

Quelle: dpa

Qingdao. Jiang Lei streicht sich durch die Haare und lacht. "Die Frisur ist geil, oder?", fragt der pummelige 33-Jährige. Die Seiten an seinem runden Kopf hat der Chinese kurz rasiert, oben trägt er seine schwarzen Haare länger. "Ich will genau so aussehen wie Kim Jong Un", erklärt Jiang vor seinem Taxi in der ostchinesischen Küstenstadt Qingdao. Nordkoreas Machthaber ist zu einem Lieblingsziel fieser Witze bei Chinas Großstadtjugend aufgestiegen. Nun wittern immer mehr potenzielle Kim-Doppelgänger ihre Chance als Comedians.

China gilt als der einzige Verbündete des unberechenbaren Regimes in Nordkorea. Machthaber Kim Jong Un wird als grausamer Herrscher beschrieben. Unabhängige Quellen gibt es in dem abgeschotteten Land keine. Für Millionen Menschen ist das Leben ein täglicher Existenzkampf, denn Lebensmittel sind knapp. Über die Staatsagentur schickt Kim Jong Un Fotos von sich in die Welt, die ein anderes Bild von seinem Land zeigen sollen: Kim lachend im Kreis von Soldaten, oder mit führsorglichem Blick für Patienten in einem Krankenhaus.

Kim als Punk-Rocker oder mit Hitler-Bart

Die Fotos sind ein gefundenes Fressen für Internetnutzer in China. Ein Porträt von Kim Jong Un wird kurzerhand mit Teufelshörnern und Hitler-Bart verziert. Kim als Punk-Rocker mit Nasenpiercing, als Frau mit langen blonden Haaren oder als Zombie mit blutverschmiertem Mund - alles kursiert in sozialen Netzwerken in China. Jiang Lei ist kein Fan von Kim Jong Un. Ganz im Gegenteil: "Kim ist eine Witzfigur", sagt er und spricht damit aus, was viele Chinesen denken. Unter Chinas Großstadtjugend nimmt fast niemand den jungen Machthaber ernst. Für sie ist er keine Bedrohung, sondern eine Lachnummer. Als Taxifahrer in der Hafenstadt Qingdao kommt Jiang Lei gut über die Runden. Aber er hat Größeres vor: "Ich will Darsteller von Kim Jong Un im Fernsehen werden." Derzeit lasse er sich einen Kim-Anzug machen.

Das Lachen über die mysteriöse Diktatur nebenan hat in China eine Eigendynamik entwickelt. Witze über Chinas politische Führung sind tabu. Dafür werden ausländische Staatschefs gerne und viel verspottet. Aber kaum jemand bekommt so viel ab wie Kim Jong Un. Und dabei zielen die Pointen fast immer auf die gleichen drei Themen ab: Kim ist dick, hässlich und dumm. Auf den Weibo genannten Mikroblogs gibt es Dutzende Nutzer, die sich als Fans von Kim ausgeben und die ganze Zeit Scherze und Fotomontagen mit dem Machthaber verbreiten. Ein Witz wird millionenfach geteilt: "Kim Jong Un möchte Kung-Fu lernen und fragt Action-Star Jackie Chan. Der antwortet: "Du hast großes Potenzial." Kim entgegnet: "Warum?" Jackie: "Weil du wie der Kung-Fu-Panda aussiehst.""

Mehrfach kursierten in chinesischen Medien Berichte, dass sich Nordkorea bei China über die fiesen Gags beschwert habe. Aber bislang werden nur wenige Scherze von den Zensoren gelöscht. Auch in Großbritannien soll sich der nordkoreanische Botschafter beschwert haben, als ein Friseursalon mit einem Foto von Kim Werbung machen wollte - als Beispiel für eine besonders schlechte Frisur. Kim-Doppelgänger wie Jiang wittern in China ihre Chance. Während derbe Witze über den Diktator von nebenan salonfähig werden, hofft er, mit seinem Aussehen Geld machen zu können.

Einem Straßenverkäufer in Nordostchina hat seine Ähnlichkeit zu Kim schon Geld eingebracht. Seit Fotos und Videos von ihm im Internet kursieren, ist er zu einer Art Star geworden. Wer ein Foto von ihm machen möchte, muss an der Garküche des Mannes in der Stadt Shenyang viele Fleischspieße kaufen. Das Geschäft läuft so gut, dass er nicht mehr selber kochen muss. Dafür kann er sich laut Medienberichten mittlerweile einen Angestellten leisten.

dpa

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