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Cyber-Angriff auf das Abitur

Prüfungsfragen durchgesickert Cyber-Angriff auf das Abitur

Spickzettel auf Löschblättern, Trinkflaschen oder der Hand sind ziemlich von gestern – heutzutage wird digital geschummelt. Und mancherorts im ganz großen Stil: In Algerien fanden die Abituraufgaben am Vorabend der Prüfungen vor zwei Wochen ihren Weg ins Internet.

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Sollte durch die Cyber-
Attacke ihre Position 
geschwächt werden? Algeriens Bildungsministerin Nouria Benghebrit.

Quelle: afp

Hannover. Von 800.000 Abiturienten müssen deshalb über 300.000 Schüler nachschreiben. Weil die Aufgaben nun kein weiteres Mal durchsickern sollen, hat sich Algerien entschieden, die schuldigen Kanäle einfach zu blockieren: Nicht nur 
Facebook und Twitter sind dort deshalb vorübergehend stillgelegt, das gesamte mobile Internet wurde vorsichtshalber unterbrochen. Da die Regierung das Ganze sogar als „Anschlag auf die Sicherheit des Staates“ sah, wird diese radikale Konsequenz als „Durchgriff zum Schutz der Schüler“ erklärt.

Die „Brigade für Cyberkriminalität“ hat mindestens drei hohe Beamte des staatlichen Prüfungsamtes sofort festgenommen, 30 weitere Personen verhörte sie. Zugangsdaten hatten die Verdächtigen identifiziert, hieß es. Bleibt vorerst die Frage, welchen Nutzen die Täter von dieser Aktion haben – denn wer sollte hier Schmiergeld zahlen? Unter Regierungspolitikern verbreiten sich deshalb laut einem ARD-Bericht Spekulationen, es sei ein direkter Angriff auf die Bildungsministerin Nouria Benghebrit gewesen.

Bestraft sind erst einmal die Schüler

Diese habe im vergangenen Jahr für die Schulreform vorgeschlagen, den algerischen Dialekt als eigenes Unterrichtsfach einzuführen, da das Hocharabische aufgrund seiner Komplexität mühsam erlernt werden müsse. Konservative islamische Verbände haben sich hingegen für das Arabische als Sprache des Korans eingesetzt. Deshalb wird eine Aktion vermutet, die die Ministerin bloßstellen sollte.

Die Politikerin selbst fordert hohe Strafen für die Täter – bestraft sind erst einmal jedoch die Schüler. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als sich erneut vorzubereiten und sich noch einmal der Aufregung einer Prüfungssituation zu stellen, allerdings unter erschwerten Bedingungen: Nicht nur drückt die Hitze in Algerien gerade bei bis zu 40 Grad. Derzeit ist auch der Fastenmonat Ramadan. Man wolle für Klimaanlagen in den Prüfungssälen sorgen, hieß es. Immerhin.

Von Katharina Derlin

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