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Stadt setzt Schweinefleisch auf Speiseplan

"Frikadellenkrieg" in Dänemark Stadt setzt Schweinefleisch auf Speiseplan

In Dänemark hat eine Stadt eine Schweinefleisch-Pflicht auf dem Speiseplan von Kitas und Schulen beschlossen. Die Einrichtungen müssen es servieren – auch wenn die meisten Kinder Muslime sind.

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Hackfleischklopse in einer Bratform (Illustration): In Dänemark hat ein Rechtspopulist einen "Frikadellenkrieg" entfacht.

Quelle: Jens Büttner/dpa

Randers. In kaum einem anderen Land in Europa verspeisen die Menschen pro Einwohner so viel Schweinefleisch. Mehr als 30 Kilo landen im Jahr auf dem Teller eines Durchschnitts-Dänen, das Nationalgericht ist Schweinebauch mit Schwarte.

Rettung der Esskultur?

In Randers in Ostjütland geht die Liebe für das saftige Fleisch so weit, dass es nun auf dem Speiseplan von Kitas und Schulen stehen muss – zur Rettung der "dänischen Esskultur". Dafür hatte sich der Rechtspopulist Martin Henriksen eingesetzt. Und am Montag stimmten nicht nur die Abgeordneten seiner Dansk Folkeparti (DF), sondern auch die Liberalen in Randers dafür. Die Entscheidung fiel allerdings knapp aus, wie "Spiegel Online" berichtet: Bei 16 Ja-Stimmen votierten 15 gegen den Entwurf.

Der Anlass für den Frikadellenkriegs war im vergangenen Jahr: Eine Kita hatte das Schweinefleisch mit Blick auf die vielen muslimischen Kinder in der Einrichtung vom Speiseplan gestrichen. Es sei "inakzeptabel, dänische Esskultur zu verbieten", schrieb daraufhin der Rechtspopulist Martin Henriksen auf Facebook. "Was kommt als Nächstes?!" Islamische Regeln und "falsch verstandene Rücksichtnahme" sollten nicht diktieren, was Kinder essen, polterte der Politiker.

Lehrer haben andere Sorgen

Für die Rechtspopulisten ist die Debatte um dänische Werte im Kampf gegen zu viel muslimischen Einfluss ein gefundenes Fressen. "Es geht ja nicht darum, jemandem Frikadellen in den Hals zu stecken, der das nicht will", sagt der Rechtspopulist Frank Nørgaard, der das Thema mit seinem Vorschlag in Randers auf die Tagesordnung gesetzt hat. Für Muslime solle es genau wie für Allergiker weiter Alternativen geben.

Der integrationspolitische DF-Sprecher Henriksen hofft nun, dass weitere Kommunen dem Beispiel folgen werden – während viele Pädagogen über das "nicht vorhandene Problem" den Kopf schütteln. "Wir haben viel größere Probleme mit Eltern, die gerne wollen, dass ihre Kinder gluten- und laktosefreie Kost serviert bekommen", sagt eine Hörerin dem Sender "Radio24syv".

dpa

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