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Panorama „Frieden fällt nicht vom Himmel"
Nachrichten Panorama „Frieden fällt nicht vom Himmel"
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13:55 24.08.2014
Der Dalai Lama ist zurzeit zu Besuch in Hamburg. Quelle: dpa
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Hamburg

Mit einem Lächeln posiert der Dalai Lama für ein Foto mit Oma Ella. Die 104-jährige Eleonore Kastner strahlt über das ganze Gesicht, als sie danach mit ihrem Rollstuhl von der Bühne des Congress Centrums Hamburg (CCH) geschoben wird. Wie einige wenige Auserwählte durfte die Berlinerin persönlich den Segen des Friedensnobelpreisträgers entgegen nehmen, bevor er mit seinen buddhistischen Unterweisungen vor 5000 Zuhörern begann. „Ich bin fast 80. Ich denke, im Vergleich zu ihr bin ich jung", amüsierte sich das Oberhaupt der Tibeter am Sonntag bei seinem Hamburg-Besuch.

Anders als am Vortag, als der Dalai Lama einen Vortrag über menschliche Werte hielt, ist die Bühne diesmal festlich geschmückt. An der Wand hängen riesige Gebetsteppiche mit Buddha-Bildern, in der Mitte steht ein rund zwei Meter hoher reich verzierter Thron, den der 79-Jährige jedoch erst am Dienstag besteigen wird. Gemütlich im Schneidersitz sitzt der Dalai Lama davor, zu seiner Linken und Rechten sitzen Mönche und Nonnen aus aller Welt.

„Ich bin nur ein kleiner Student des Mahayana-Buddhismus. Ich bin auch eher ein fauler Student, aber ich bin immer noch sehr daran interessiert, diese Texte zu studieren", sagte das Oberhaupt der Tibeter schmunzelnd. „Wir sind als Menschen alle gleich. Brüder und Schwestern", hatte der Dalai Lama am Sonnabend verkündet. „Jeder hat das Recht, ein glückliches Leben zu führen." Ob jemand arm ist oder reich, spiele dabei keine Rolle. Eine ungünstige Umgebung könne durch den Geist ausgeglichen werden.

Umgekehrt nütze eine schöne Wohnung oder ein teures Auto nichts, wenn man innerlich unglücklich ist. „Je egoistischer ein Mensch ist, desto mehr ist er erfüllt von Ängsten und in diesem Zustand kann man kein glücklicher Mensch sein", meinte der 79-Jährige. Wenn man sich jedoch für andere Menschen einsetze, reduziere man negative Gefühle wie Wut und Angst. Menschliche Werte wie Mitgefühl, Toleranz, Vergebung und Gewaltlosigkeit sorgten für inneren und äußeren Frieden. „Wir müssen Wege finden, wie wir diese inneren Werte entwickeln", forderte der Dalai Lama. Nur mit solch einer säkularen Ethik könnten die Probleme des 21. Jahrhunderts gelöst werden. „Der Frieden fällt nicht vom Himmel. Der Frieden kommt nicht von Allah oder Buddha, sondern muss von den Menschen geschaffen werden."

Bildung sei das Wichtigste, um Dialog herzustellen und somit eine friedliche Welt zu schaffen. „Ich bin bald 80 Jahre alt. Es ist fraglich, ob ich das noch erleben werde", meinte der Dalai Lama lächelnd. Vielleicht in 30 oder 40 Jahren. „Wenn ich wiedergeboren werde, wird die Welt friedlicher sein", scherzte er und legte sich gegen die Hitze der Scheinwerfer ein nasses Tuch auf den Kopf.

Seine Hoffnung für die Zukunft ruhe auf den Kindern. „Die jüngere Generation hat die Möglichkeit, eine bessere Welt zu schaffen - mit mehr Liebe und Mitgefühl." Auch den Frauen in der Welt traut das geistliche Oberhaupt der Tibeter viel zu: „Die meisten Problemfälle sind doch Männer", meinte er auf der Pressekonferenz. Frauen hätten mehr Mitgefühl für andere.

„Was er sagt, kommt vom Herzen", meint Bettina Galvis. Die 49-jährige Hamburgerin ist eine von 360 ehrenamtlichen Helfern des viertägigen Großereignisses. Die Themen, die der Dalai Lama anspreche, seien wichtig für ein friedliches Miteinander in einer Welt, in der Egoismus und Gier herrschten. Die Berlinerin Gabriela Allgaier, 53, versucht Buddhistin zu sein, „weil es für mich die einzige Form ist, die uns weiterbringt im Leben: indem wir nett zueinander sind und gut miteinander umgehen." Ihr Sohn Julius Frederic hat für den Dalai Lama ein buntes Mandala-Bild gemalt. „Und vorhin hat er mir sogar die Hand gegeben und „mein Freund" gesagt", strahlt der Elfjährige.

dpa

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