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Panorama Das Christkind und seine bayerischen Schreiber
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08:56 25.11.2013
Jedes Jahr gehen in Bayerns einzigem Weihnachtspostamt Zehntausende Briefe von Kindern ein. Quelle: dpa
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Himmelstadt

50.000 Briefe haben die Helfer des Christkinds schon eingetütet, mit Weihnachtsbriefmarken beklebt, in Pappkartons verpackt und in die Garage von Rosemarie Schotte gestellt. „Das Auto passt gerade noch rein“, erzählt ihr Mann Bernhard. Die Adventszeit steht vor der Tür, und in der Poststelle des Christkinds im unterfränkischen Himmelstadt bei Würzburg stapeln sich in gelben Postwannen Briefe von Kindern aus aller Welt. Am Sonntag (1. Dezember) wird Bayerns einziges Weihnachtspostamt offiziell eröffnet.

„Jedes Kind freut sich über einen Brief vom Weihnachtsmann, Christkind oder Nikolaus“, wirbt die Deutsche Post auf ihrer Website. Dafür sichten und beantworten fast 40 Helfer die Flut an Buntstiftbildern und Wunschzetteln. Alle Kinder bekommen einen Standardbrief, in dem das Christkind von seinem Sommerurlaub erzählt. Aber der Name wird mit dem Stift eingetragen – darauf legt Rosemarie Schotte wert, die seit fast zwei Jahrzehnten die Fäden beim Unternehmen Christkind-Post in der Hand hält. «Und wer sich besonders viel Mühe gibt, bekommt ein paar Extrazeilen», sagt die 72-Jährige.

Porto und Material zahlt die Post, aber anders als in vielen Weihnachtspostämtern arbeiten in Himmelstadt die Helfer ehrenamtlich. 80.000 Briefe kamen im vorigen Jahr in der weihnachtlich geschmückten Schreibwerkstatt im Rathaus der 1600-Einwohner-Gemeinde an. Natürlich stehen Barbiepuppen und Feuerwehrautos auf der Liste – aber nicht nur. „Es überrascht mich, wie manche Kinder sich um andere sorgen“, sagt Irmtrud Kümmet, zum ersten Mal als Christkind-Schreiberin dabei. „Die wünschen sich zum Beispiel, dass kein Kind mehr Hunger hat – oder dass ihre Familie gesund bleibt.“

Andere Briefe lassen schmunzeln. „Ich wünsche mir ein großes Güllefass“, heißt es da – vermutlich ein Spielzeug. Oder: „Bin ich alt genug, um einen Fernseher in meinem Zimmer zu haben?“ Ein Kind bekannte offen, es freue sich auf Weihnachten, habe aber ein Problem, „und zwar habe ich keinen Weihnachtswunsch“. Das mache aber nichts.

Und dann gibt es Blätter mit krakeliger Kinderschrift, hinter denen bewegende Geschichten stecken. Rosemarie Schotte nennt sie „Problembriefe“: Da wünscht ein Junge, dass sein Papa wieder Arbeit findet. Oder ein Mädchen, dass seine Eltern wieder zusammenkommen. Ein Brief, der schon vor Wochen in Himmelstadt eintraf, hat Schotte besonders betroffen. Eine Frau schildert darin das Schicksal eines krebskranken Jungen. „Wenn ich dran denke, könnte ich schon wieder heulen“, sagt Schotte. „Man ist so machtlos.“ Für solche Fälle nehmen die Mitarbeiter sich Zeit, schreiben von Hand eine lange Antwort.

Wie man einem Kind schreibt, das das Christkind bittet, seinem Vater im Himmel ein Bussi zu geben? „Wenn Sie das 20 Jahre machen, wissen Sie auch, wie das geht“, sagt Schotte, die selbst vier Kinder und sieben Enkel hat. „Dann versuch ich, ihm ein bisschen Traurigkeit zu nehmen und schreibe: Der ist jetzt dein Schutzengel, der passt auf dich auf. Und wenn du ihn lieb hast, ist er immer bei dir.“

Es gibt auch Briefe, über die Helfer sich ärgern – wenn nämlich Erwachsene schreiben, um dem himmlischen Postamt ihre Weihnachtspost aufzuhalsen und einfach eine Adressliste schicken. „Wenn die uns mit einem Dienstleistungsunternehmen verwechseln, da kann ich auch schon sauer werden“, sagt Schotte. Diese Briefe bleiben unbeantwortet.

dpa

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