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Knochen stammen wahrscheinlich von Peggy

Staatsanwaltschaft Knochen stammen wahrscheinlich von Peggy

In einem Wald in Thüringen hat ein Pilzsammler Knochen gefunden. Nach einer rechtsmedizinischen Untersuchung teilten Staatsanwaltschaft und Polizei mit: Die Knochen stammen "höchstwahrscheinlich" von der vermissten Schülerin Peggy. 

Die Ermittler gehen davon aus, dass die in Thüringen gefundenen Knochen von der vermissten Peggy stammen. Einige Kilometer davon entfernt hatte die Mutter des Mädchens vor einigen Jahren einen Gedenkstein auf dem Friedhof in Nordhalben errichten lassen.

Quelle: Bodo Schackow/David Ebener/dpa

Lichtenberg. Die in einem Waldstück in Thüringen entdeckten Skelettteile stammen "höchstwahrscheinlich" von der seit mehr als 15 Jahren vermissten Peggy aus Oberfranken. Dies hätten die ersten rechtsmedizinischen Untersuchungen und Erkenntnisse am Fundort ergeben, teilten das Polizeipräsidium Oberfranken und die Staatsanwaltschaft Bayreuth am Montag mit.

Der Fall Peggy wurde bis heute nicht aufgeklärt. Bisher gibt es weder einen Täter, noch eine Leiche. Jetzt sind in einem Waldstück in Thüringen Skelettteile entdeckt worden – stammen sie von der Neunjährigen?

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Ein Pilzsammler hatte am Sonnabend im Saale-Orla-Kreis Leichenteile entdeckt – nur wenige Kilometer von Peggys Heimatort Lichtenberg entfernt. Im Bereich des Fundorts seien außerdem mehrere Gegenstände sichergestellt worden, die ebenfalls auf die Neunjährige hindeuteten, erklärten die Ermittler. Deshalb gehen sie davon aus, dass sie die vermisste Peggy gefunden haben.

"Es ist noch nicht 100-prozentig gewiss", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel. Die rechtsmedizinische Untersuchung dauere noch an. Aber: "Wir halten es für höchstwahrscheinlich, es ist alles schlüssig", sagte Potzel. Jedoch gebe es noch keine belastbaren Hinweise zur Todesursache, hieß es in der Erklärung. "Ob es Mord war, können wir nach dem jetzigen Stand nicht sagen", ergänzte Potzel auf der Pressekonferenz.

Nähere Angaben wollten die Ermittler nicht machen, um kein Täterwissen zu verraten. Deshalb ließen sie auch offen, ob noch Teile des Skeletts fehlen und welche Gegenstände im Wald gefunden wurden. Unklar blieb außerdem, ob der Fundort der Tatort gewesen sein könnte. Tatverdächtige gebe es im Moment noch nicht, sagten die Ermittler auf der Pressekonferenz. "Wir ermitteln im Augenblick gegen Unbekannt."

Polizei durchsucht weiter das Waldstück

Nach dem Fund des Pilzsammlers in dem Waldstück zwischen Rodacherbrunn und dem oberfränkischen Nordhalben durchsuchte die Polizei auch am Montag das Gebiet mit einem Großaufgebot. Der Einsatz mit Hundertschaften sei wegen des unübersichtlichen Geländes und der "Auffindsituation" der Knochen angemessen, erklärte die Polizei. Die Skelettteile seien im Wald an verschiedenen Stellen entdeckt worden.

Die Polizei hatte in den vergangenen Jahren mehrmals nach Peggy gesucht. Nach bisherigem Erkenntnissen sei das Waldstück aber vorher noch nicht durchkämmt worden, sagten die Ermittler am Montag auf der Pressekonferenz. Der Fundort liege "einige Meter von der Straße" entfernt. Es handle sich um eine "nicht stark frequentierte Stelle".

Leere Ruhestätte auf dem Friedhof

Die Mutter von Peggy wurde am Montag von der Polizei über die bisherigen Erkenntnisse informiert. Wie sie reagierte, sagten die Ermittler nicht. Die Mutter hatte vor einigen Jahren auf dem Friedhof in Nordhalben (Bayern) einen Gedenkstein mit dem Porträt von Peggy errichten lassen: Sie habe einen Ort für ihre Trauer gebraucht, berichtete damals die "Bild"-Zeitung.

Am 7. Mai 2001 war die Neunjährige auf ihrem Heimweg von der Schule verschwunden, seitdem fehlte von der Kleinen jede Spur. Wochenlange Suchaktionen blieben ohne Erfolg.

Tatverdächtiger wurde später freigesprochen

2002 hatten die Ermittler einen geistig behinderten Mann als Tatverdächtigen präsentiert. Er habe Peggy ermordet, um zu vertuschen, dass er sie sexuell missbraucht habe, hieß es damals. Der Mann wurde 2004 als Peggys Mörder verurteilt, 2014 jedoch in einem Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen.

Zwischenzeitlich gerieten ehemalige Bekannte der Familie Peggys aus Halle/Saale ins Visier der Fahnder, doch auch diese Spur brachte keinen Durchbruch. Sie gelten inzwischen nicht mehr als Verdächtige.

Ermittlungsgruppe wird zur Soko erweitert

Auch noch in den vergangenen Jahren gab es eine Reihe von spektakulären Untersuchungsaktionen der Polizei, um das Verschwinden der Schülerin doch noch aufzuklären. Mal wurde in einer Talsperre in Sachsen nach Peggys Schulranzen gesucht, mal wurde ein Anwesen in Lichtenberg durchsucht – sogar im Garten wurde gegraben.

Die Ermittler fanden damals zwar Knochenreste, sie stammten aber nicht von Peggy. Ebenso erfolglos blieb eine Grabungsaktion auf dem Lichtenberger Friedhof Anfang 2014.

Zur endgültigen Aufklärung des Falls wurde die seit 2012 agierende Ermittlungsgruppe bei der Kriminalpolizei Bayreuth am Montag personell und organisatorisch zur "Soko Peggy" erweitert. Sie steht unter der Sachleitung der Staatsanwaltschaft Bayreuth.

afp/dpa/RND

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